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Nähprojekt AWO 1

Berufsorientierung

Nähen lernen und Deutsch üben

Frauen aus sechs Ländern testen ihre Fähigkeiten an der Nähmaschine und verbessern gleichzeitig ihre Sprachkenntnisse.

  Konrad Boidol | 31.08.2018

Den Schneiderberuf kennenlernen und dabei die Deutsche Sprache trainieren – das können die zwölf Teilnehmerinnen eines laufenden AWO Projektes, das von der Ricarda und Udo Niedergerke Stiftung finanziert wird. Die Frauen kommen aus unterschiedlichen Ländern: Syrien, Irak, Afghanistan, Georgien, Palästina und Eritrea. Derzeit wohnen sie in Lehrte. „Wir können uns und damit andere Kulturen kennenlernen – das finde ich gut und interessant“, sagt Teilnehmerin Anezoo Nazari, die aus Afghanistan stammt. Ihr Ziel ist es vor allem, ihr Deutsch im Gespräch mit den Lehrerinnen und den anderen Teilnehmerinnen zu verbessern. Sie möchte, im Gegensatz zu einigen anderen Frauen aus dem Projekt, keine Ausbildung als Schneiderin beginnen. Die praktische Übung an der Nähmaschine schätzt sie trotzdem: „Ich habe schon immer viel genäht – seit ich klein bin – aber ohne es wirklich gelernt zu haben“, sagt Nazari. Jetzt wolle sie ihre Fähigkeiten in diesem Bereich verbessern. Teilnehmerin Maka Kwinikadze aus Georgien hingegen sieht eine berufliche Perspektive als Schneiderin aufgrund der neuen Erfahrung: „Ich finde es sehr interessant und möchte eine Ausbildung machen“, sagt sie.

Nähprojekt AWO 2
Die Projektförderer Ricarda und Udo Niedergerke mit Teilnehmerin Anezoo Nazari. Sie möchte besser Nähen lernen und dabei ihr Deutsch verbessern.
Nähprojekt AWO 2
Die Projektförderer Ricarda und Udo Niedergerke mit Teilnehmerin Anezoo Nazari. Sie möchte besser Nähen lernen und dabei ihr Deutsch verbessern.

Praxis im „Nadelöhr“

Insgesamt drei Monate läuft das Projekt. Die Idee dazu kam von den Teilnehmerinnen selbst, die ihre Wünsche für zukünftige Angebote im Rahmen eines vorangegangenen Projektes äußerten. Sie wollten Einblicke ins Berufsleben erhalten. Der Unterricht ist in zwei große Bereiche gegliedert: In einem praktischen Teil lernen die Frauen die Grundlagen des Nähens an den Maschinen. Dazu treffen sie sich im „Nadelöhr“ – einer Nähwerkstatt im AWO-Gebäude im Ahrbergviertel. Die ebenfalls im Haus angebotene Kinderbetreuung ermöglicht es auch Müttern, am Projekt teilzunehmen. „Wir fangen mit Trockenübungen an“, sagt Susanne Bruns-Horst, die den Unterricht im praktischen Teil übernimmt. Danach beginnen die Teilnehmerinnen damit, selbst Taschen zu produzieren. „Der Plan ist es, einige einfache Dinge direkt herzustellen, die man auch vorzeigen kann“, erklärt sie.

Die Fachbegriffe lernen

Ein weiterer Baustein des Projektes ist theoretischer Natur: Ebenfalls an zwölf Terminen haben die Frauen Sprachunterricht in Lehrte. Dort werden insbesondere Fachbegriffe aus dem Schneiderhandwerk vermittelt. Außerdem setzen sich die Teilnehmerinnen, die an einer beruflichen Zukunft in diesem Bereich interessiert sind, mit ihren Perspektiven auseinander. Dabei werden sie bei der Suche nach potentiellen Arbeitgebern unterstützt: „Wir nehmen Kontakte auf zu Ausbildungsbetrieben, die interessiert daran sind, Migrantinnen einzustellen. Deshalb schauen wir nicht nur, in welchen Schneider-Ateliers man sich bewerben kann, sondern auch in Opernhäusern, Theatern und in der Freien Szene“, erklärt Claudia Grewe, die den Sprachunterricht gibt. Die Lehrerin in der Erwachsenenbildung hat neben Englisch auch Textildesign studiert. Hinsichtlich der beruflichen Orientierung sind die Frauen bereits beim Projektstart gut aufgestellt: „Die Teilnehmerinnen wissen, was ihre Stärken sind und worauf sie Lust haben“, sagt AWO Fachbereichsleiterin Gabriele Schuppe. Jetzt gehe es darum, dieses Wissen zu verfestigen und Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu bieten.

Nähprojekt AWO 3
Praxisunterricht in der Nähwerkstatt: Projektteilnehmerin Sewe Kassem Ali.
Nähprojekt AWO 3
Praxisunterricht in der Nähwerkstatt: Projektteilnehmerin Sewe Kassem Ali.

Integration durch Sprache

Finanziert wird das Projekt vollständig von der Ricarda und Udo Niedergerke Stiftung. Die Kosten belaufen sich auf 5500 Euro. „Das Projekt finden wir lohnenswert, weil sich zwölf Frauen aus sechs Ländern zusammengefunden haben, die nicht nur nähen, sondern auch kommunizieren und so die Sprache erlernen. Das war uns ganz wichtig“, erklärt Mediziner Udo Niedergerke. Sprache sei seiner Meinung nach der wichtigste Faktor, wenn es um gelungene Integration gehe. Das Projekt wurde aus Spendengeldern finanziert, die die Stiftung gesammelt hat. Sie feiert übrigens am 22. Oktober zehnjähriges Bestehen mit einem Benefiz-Abend im GOP, dessen Einnahmen wiederum für den guten Zweck eingesetzt werden.

Betriebe, die Interesse haben, einer der Teilnehmerinnen weitere berufliche Perspektiven zu bieten – wie ein Praktikum oder eine Ausbildung –, können sich bei der Projektkoordinatorin Carina Görzen melden (Telefon: 05132-8307825).

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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