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Eine Rohingya transportiert einen Sack auf dem Kopf

Concert for Rohingya am 28.9.

Mehr Verständnis für die Lage Geflüchteter

„Völkermord“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ lauten die aktuellen Vorwürfe der UN gegen das Militär von Myanmar. Ein Benefizkonzert in der Nordstadt ist den Rohingya-Flüchtlingen gewidmet.

  Wolfgang Becker | IIK | 29.08.2018

Die muslimischen Rohingya werden im mehrheitlich buddhistischen Myanmar seit Jahrzehnten diskriminiert und unterdrückt. Ende August 2017 war der Konflikt eskaliert, als Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen; das Militär reagierte mit Gewalt. Seither wurden Tausende Rohingya getötet und ihre Dörfer verbrannt. Im Zuge dessen flohen ca. 700.000 Menschen in das benachbarte Bangladesch. Gemäß dem Staatsbürgerschaftsgesetz von 1982 werden die Rohingya nicht als eine der 135 offiziellen Bevölkerungsgruppen anerkannt und haben somit keinen Anspruch auf die myanmarische Staatsbürgerschaft. Dadurch werden schätzungsweise 1,1 Millionen Rohingya als illegale Einwanderer aus dem benachbarten Bangladesch betrachtet.

Geflüchtete Rohingya schleppen Lasten
Foto: Sharaf Ahmed
Geflüchtete Rohingya schleppen Lasten
Foto: Sharaf Ahmed

Am schnellsten wachsende Flüchtlingskrise weltweit

Menschenrechtsorganisationen werfen der Regierung von Myanmar willkürliche Tötung, systematische Vertreibung und Unterdrückung gegen die Rohingya-Minderheit vor; manche sprechen sogar von „ethnischer Säuberung“ und „Völkermord“. Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge spricht bereits von der am schnellsten wachsenden Flüchtlingskrise weltweit. Mit der zunehmenden Fluchtmigration der Rohingya in das benachbarte Bangladesch wurde die dortige Regierung vor große Herausforderungen gestellt. Bangladesch selbst ist eines der ärmsten Länder der Welt, mit 164,8 Millionen Einwohnern auf 147,570 km². Unter diplomatischem Druck hatte Myanmar im Dezember 2017 eingewilligt, dass die ins Nachbarland geflohenen Rohingya zurückkehren dürfen und ein Rückführungsabkommen mit Bangladesch ausgehandelt. Die Abschiebungen hätten bereits beginnen sollen, wurden aber u.a. wegen administrativer Probleme auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Wegen der nach wie vor bestehenden Bedrohungslage hat sich auch Unicef gegen eine Rückführung bzw. Abschiebung der Rohingya nach Myanmar ausgesprochen. Tatsächlich kommen noch immer xeinige Tausend Rohingya auf der Flucht vor Verfolgung und Gewalt in Bangladesch an.

Eine zeitnahe Änderung der Situation in den Flüchtlingslagern ist nicht absehbar. Die Flüchtlinge werden auf unbestimmte Zeit in den Camps im Grenzgebiet Bangladeschs ausharren müssen. Dank unterschiedlicher Hilfsorganisationen konnte die Grundversorgung für die Geflüchteten vor Ort (im Bereich Unterkunft, Nahrung, Kleidung, Wasser sowie medizinische Versorgung) zum großen Teil sichergestellt werden. Doch ein großes Problem besteht nach wie vor darin, dass die vielen Kinder und Jugendlichen dort keinen Zugang zu Bildung oder Beschäftigung haben. Der nächste notwendige Schritt wäre, eine aktive Gestaltung von Kultur- und Bildungsarbeit zu ermöglichen, um den geflüchteten Kindern und Jugendlichen in Phasen der Hilflosigkeit, der Leere, aber auch der Langeweile die Möglichkeit einer sinnvollen Beschäftigung zu geben.

Geflüchtete Rohingya bekommen Medikamente
Geflüchtete Rohingya bekommen Medikamente (Foto: Sharaf Ahmed)
Geflüchtete Rohingya bekommen Medikamente
Geflüchtete Rohingya bekommen Medikamente (Foto: Sharaf Ahmed)

Konzert- und Informationsveranstaltung am 28. September

Um über die aktuelle Situation der Rohingya in Bangladesch zu informieren, führt die Initiative Internationaler Kulturaustausch e.V. (IIK) in Kooperation mit dem MiSO-Netzwerk Hannover e.V. (MiSO), der Feinkost Lampe e.V. und dem Arbeitskreis Bangladesch in Niedersachsen (AK BIN) am Abend des 28. September 2018 eine kombinierte Konzert- und Informationsveranstaltung in der Christuskirche (Nordstadt) durch. Der Informationsteil der Veranstaltung soll ein Gespräch mit Experten aus Bangladesch, die vor Ort Einblicke in die derzeitige Situation erhalten haben und über die Lage dort berichten können, enthalten. Geplant ist die Teilnahme einer bekannten Journalistin und eines Fotografen aus Bangladesch. Veranschaulichend dazu soll die Veranstaltung von einer Fotoausstellung und einem kurzen Dokumentationsfilm begleitet werden. Zusätzlich dazu ist ein Konzert geplant, um ein größeres Publikum zu gewinnen. Der musikalische Teil der Veranstaltung wird durch das „Orchester im Treppenhaus“ aus Hannover und die Pianistin Marina Barinova gestaltet. Außerdem soll es eine Tanzeinlage mit traditionellem bengalischen Tanz geben.

Mit der Veranstaltung - der Eintritt ist frei - ist ein Spendenaufruf verbunden: Nach mehreren Besuchen vor Ort durch ein Vorstandsmitglied der IIK e.V. hat sich der Ansatz der Kultur- und Bildungsarbeit als erfolgversprechend erwiesen. In diesem Zusammenhang spielt die Arbeit des Bangladesh Institute of Theatre Arts (BITA) eine wichtige Rolle: Die Organisation besteht seit 1994 im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und arbeitet seit langer Zeit zusammen mit ethnischen und religiösen Minderheiten in Bangladesch. BITA hat ein Konzept entwickelt, um die jungen Geflüchteten in Bangladesch zu unterstützen: Ein umfassendes, von Sozialarbeitern betreutes, Angebot an Workshops zu Theater, Musik, kreativer Gestaltung soll den Kindern und Jugendlichen in den Flüchtlingscamps Möglichkeiten zur eigenen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung und etwas wie Sinnhaftigkeit und Abwechslung in einer sehr schwierigen Lebenssituation bieten. Um diese Arbeit von BITA finanziell zu unterstützen, werden bei der Veranstaltung Spenden gesammelt.

Ein weiteres Ziel des Benefizkonzertes ist es, die Öffentlichkeit auf die aktuelle schwierige Lage der Rohingya aufmerksam zu machen. Die Veranstaltung soll auch einen bildungspolitischen Zweck erfüllen – insbesondere, da die verzweifelte Lage der Rohingya als stellvertretend für viele Volksgruppen überall auf der Welt gelten kann. Nicht zuletzt wird aus der schwierigen Lage der Rohingya deutlich, wie wichtig ein „Auffangen“ und eine gute Betreuung dieser entwurzelten Menschen ist. Dies gilt für Bangladesch ebenso wie für Deutschland: Wenn Bangladesch, ein kleines, verarmtes, überbevölkertes Land über 700.000 Flüchtlinge aufnimmt – welche Verantwortung ergibt sich daraus für Deutschland? Eine Sensibilisierung für die Lage Geflüchteter – und dass es hier nicht nur um Zahlen geht, sondern um Menschen, die ihrer Heimat beraubt wurden – ist vor dem Hintergrund rechtspopulistischer Tendenzen und polemischer Aussagen einiger Politiker*innen dringend geboten.

Titelfoto: Sharaf Ahmed

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover