Welt-in-Hannover.de Welt-in-Hannover.de Welt-in-Hannover.de Welt-in-Hannover.de
Seenotrettung Hannover 13

Seenotrettung für Flüchtende

„Stoppt das Sterben im Mittelmeer! Wir müssen laut werden!“

Das Bündnis „Seebrücke - Schafft sichere Häfen“ ist auch in Hannover aktiv. Es gab bisher zwei Demonstrationen und einen Flashmob.

  Jürgen Castendyk | 09.08.2018

„Seenotrettung ist kein Verbrechen!“

Kapitän Adam Wolf von der Sea Watch 3 berichtete von einem erschütternden Erlebnis vor der Küste von Libyen. Dort stießen er und die Besatzung der Sea Watch 3 auf ein Boot mit Flüchtlingen. Diese sagten den Rettern, falls sie vorhätten, sie wieder nach Libyen zurückzuschicken, wollten sie lieber im Meer ertrinken.

Kapitän Wolf rief zu mehr Protestlärm auf. Er bekam ihn durch viel Beifall bei seiner Rede vor mehr als 1000 Demonstrant*innen am 7. Juli auf dem Opernplatz. Wolf berichtete, sein Schiff und andere Rettungsschiffe wären in Häfen in Italien und Malta an die Kette gelegt worden. Voll einsatzbereit, dürfen sie für Rettungseinsätze nicht mehr auslaufen. Die Sea Watch 3 läge seit 20 Tagen fest. Die Länder der EU seien scheinbar der Meinung, um so mehr Menschen im Mittelmeer ertränken, um so größer sei die Abschreckung. „Diese Politik ist zynisch und menschenverachtend,“ rief Kapitän Wolf auf der Demonstration. Die in orange gekleideten Demonstrant*innen - Orange ist die Farbe der Rettungswesten - hielten ihre selbst gemalten Plakate hoch mit Schlagzeilen wie: „Stoppt das Sterben im Mittelmeer“, „Seenotrettung kann niemals ein Verbrechen sein“ und „Seebrücke statt Seehofer“.

„Wir wollen diese deutsche Gleichgültigkeit aufbrechen und auf die Regierung Druck ausüben,“ war die Aufforderung von Wolf zum Abschluss seiner Rede.

Es gab starken Beifall.

Solidarität statt Kriminalisierung der Retter

Seebrücke ist eine internationale Initiative von Nichtregierungsorganisationen. In Berlin fand die erste Demonstration in Deutschland statt. Die Proteste gegen das Sterben im Mittelmeer haben sich auf über 100 Städte und Gemeinden ausgeweitet (www.seebrücke.org) In verschiedenen Bündnissen vor Ort wurden selbstständige Aktionen, Mahnwachen und Demonstrationen durchgeführt. In Hannover gehörten zu den Akteuren unter anderem der Niedersächsische Flüchtlingsrat, das Friedensbüro, die Interventionistische Linke und der Regionsverband der GRÜNEN.

„Seebrücke statt Rechtsruck“

Am 28. Juli gab es eine weitere Demonstration auf dem Opernplatz. Wahrscheinlich durch ein aufziehendes Gewitter bedingt, kamen weniger Teilnehmer*innen, als ursprünglich erhofft. Die Redner*innen nannten alarmierende Zahlen über das Sterben im Mittelmeer. Im Juni dieses Jahres sind 629 Menschen ertrunken; im ersten Halbjahr waren es 1.500 Tote. Laut UNHCR, der Flüchtlingsorganisation der UN, ist das die höchste Zahl von Opfern, die in einem vergleichbaren Zeitraum gemeldet wurde. Die Rettungsschiffe der Nichtregierungsorganisationen werden immer noch festgehalten. In einem Aufruf des Niedersächsischen Flüchtlingsrates wurde der Protest erweitert mit dem Motto „Seebrücke statt Rechtsruck - Elend. Abschottung. Kriminalisierung - Für das Ende der Gewalt.“ Die Empörung sollte sich gegen die Beschlüsse der EU-Regierungschefs richten, die auf Abschottung Europas und die Internierung von Flüchtlingen hinaus läuft.

Ebenso unerträglich sei die menschenverachtende Wortwahl von Vertreter*innen der CSU und deren Vorschläge für die Verschärfung der Asyl- und Flüchtlingspolitik in Deutschland.

Flashmob: Stiller Protest auf der Lister Meile zeigte Wirkung

Im Rahmen der Proteste versammelten sich, für die Passanten überraschend, am 30. Juli plötzlich am Pferdebrunnen ungefähr 50 Menschen in orangener Kleidung. Innerhalb eines vorgezeichneten Bootsumrisses standen sie ernst und stumm, umgeben von einem orangefarbigen Banner.

Am Rande des Flashmobs wurde ein Flugblatt verteilt. Es enthielt die Aufforderung: „Sei auch Du Teil der Bewegung!“ Gefordert wurde: „Statt dass die Grenzen dicht gemacht werden, brauchen wir ein offenes Europa, solidarische Städte, und sichere Häfen.“ Die Passant*innen nahmen das Flugblatt interessiert und wohlwollend auf. Nach einer Viertelstunde löste sich der Flashmob unerwartet auf. Die Initiator*innen der Aktion wollen den Flashmob in anderen Stadtteilen wiederholen.

Mitglieder der Redaktion von Welt-in-Hannover.de werden sich an geplanten Aktionen von Seebrücke in Hannover weiter beteiligen und darüber berichten.

Fotos: Bilder 1 (oben) bis 4 von Jan Sukdolak

seenotrettung_hannover-31.jpg seenotrettung_hannover-31.jpg seenotrettung_hannover-31.jpg

Fotos: Bilder 5 bis 7 von Jürgen Castendyk

dsc_0134.jpg dsc_0134.jpg dsc_0134.jpg

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover