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Zeichnung zur Fettnäpfchen-Kolumne Rein oder raus

Die Fettnäpfchen–Kolumne

Rein oder raus

Achtung - Geister in der Türschwelle!

  Helga Barbara Gundlach | 25.07.2018

Christian hatte Freunde mit russlanddeutschem Hintergrund. Er war bei ihnen zu Hause eingeladen. Christian kam, klingelte, die Tür öffnete sich, Christian begrüßte seine Freunde mit einem Händeschütteln und trat ein.

Erst dann bemerkte er die Großmutter, die ihn aus dem Hintergrund mit finsterem Gesicht anschaute.

Was war passiert?

Christian versucht durchaus sensibel mit kulturellen Unterschieden umzugehen. Doch ihm erschien die Situation so vertraut, dass er gar nicht auf die Idee kam, dass schon beim Öffnen der Tür eine erste kulturelle Hürde auf ihn lauern könnte. Aber in Russland glauben manche Menschen, dass es Unglück bringt, sich über die Türschwelle hinweg zu begrüßen. Und diesen Brauch hatte die Großmutter seiner Freunde mit nach Deutschland gebracht.

Schon die alten Slawen glaubten, die Türschwelle sei ein Ort, wo böse Geister wohnen. Deswegen darf man nie an der Türschwelle stehen, darüber hinweg reden oder etwas reichen. Gespräche an der Haustür – wie sie unter Deutschen üblich sind – bringen Unglück. Sie sollten also entweder in der Wohnung oder davor stattfinden, aber nicht über die Schwelle hinweg. Das gilt auch bei der Post: Briefe und Pakete empfängt und quittiert man entweder draußen oder drinnen, nicht dazwischen.

Was hätte anders laufen können?

Christian hätte sich im Vorfeld erkundigen können, ob bei dem Besuch irgendetwas zu beachten sei (von der Begrüßung über das Betreten der Wohnung mit Straßen- oder Hausschuhen oder dem Mitbringen eines passenden Geschenkes).

Und seine Freunde hätten ihn auch von selbst auf Unterschiede hinweisen können. Doch gerade für diese dürfte das besonders schwer sein. Sie dürften ihre Begrüßung als „normal“ und vergleichbar mit der hiesigen empfinden, schließlich gleicht sie der „deutschen“ hinsichtlich Händeschütteln (zumindest unter Männern). Dass ein paar Zentimeter – eben vor oder hinter der Schwelle – einen bedeutsamen Unterschied machen können, fällt erst dann auf, wenn diese Zentimeter nicht eingehalten werden.

Die Großmutter, der dieser Brauch offenbar sehr wichtig ist, könnte mit ihren Familienmitgliedern darüber sprechen und sie bitten, solche Situationen in ihrer gemeinsamen Wohnung zu vermeiden. Dann könnten die Freunde z.B. erst mit Handgesten den Gast herein bitten und ihm dann die Hand geben.

Christian arbeitet viel mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und weiß, wie schnell man in solche Situationen trotz Vorbereitungen immer wieder geraten kann…

Was bedeutet eigentlich "Fettnäpfchen"?

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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