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Volker Weiß_Publizist und Historiker

Vortrag

Die Neue Rechte

Die Bewegung der Neuen Rechten ringt mit neuer Strategie um Einfluss.
Volker Weiß, Publizist und Historiker, referiert im Kulturzentrum Faust.

  Pavel Ramme | 10.07.2018

Die neue ultrakonservative Rechte – oder dem historischen Rückblick von Volker Weiß folgend, die neue faschistische Rechte – macht Stimmung im Land. Volker Weiß, Publizist und Historiker, gibt mit seinem Vortrag beim Flüchtlingsratstreffen in der Faust Einblick in die neue rechte Bewegung.

Dass rassistische oder antisemitische Ideen heute keinen Raum mehr auf dem öffentlichen Parkett bekommen, ist inzwischen auch bei Denkern und Lenkern der Neuen Rechten angekommen. Die Bewegung der Neuen Rechten reagiert darauf mit Strategien von Täuschung und verstärkter Intellektualisierung. Ein strategischer Baustein besteht in der täuschenden Eigendarstellung, „nur“ konservativ zu sein, um sich unter etablierte politische Strömungen zu mischen. So wird statt rassistischer Ideologien lieber eine ethnopluralistische Weltordnung vertreten. Das klingt netter, fast wie plurale, vielfältige Gesellschaft. Gemeint ist aber etwas ganz anderes, nämlich eine Grenzziehung zwischen Staaten und Ethnien, um die landeseigene Kultur zu schützen und zu bewahren. Das neue Feindbild ist somit der „fremde“ Kulturträger. Im Kern heißt dies, Deutschland den Deutschen und jedes andere Land jeweils sich selbst. Es gilt, das Eindringen von fremder Kultur zu verhindern.

Volker Weiß sieht diese Forderung als großen Unsinn an, mit dem Verweis darauf, dass Völkerwanderungen und Kulturaustausch seit Menschheitsbeginn gegenwärtig sind. Auch hat sich die gegenwärtige deutsche Kultur – in aller Vielfalt – wie jede andere Kultur, auch erst durch Austausch mit anderen Kulturen ergeben und befindet sich im Wandel.

Ein weiterer strategischer Baustein der neuen rechten Bewegung besteht in einer inhaltlichen Neuausrichtung. Während NS-Ideologie Bewahren und Herstellen von Rassenreinheit zum Ziel hat, peilt die Neue Rechte eine Reinheit von Volksidentität an. Neu ist außerdem, dass statt gewalttätigen Straßendemos und Rüpelsprüchen verstärkt auf Zeitschriften, Artikel und politische Einmischung (AfD, Pegida usw.) gesetzt wird. Angesprochen werden sollen somit zunehmend akademisch ausgebildete Bevölkerungsteile.

Dennoch stellt Volker Weiß klar, dass weder die AfD noch Pegida die Neue Rechte ist, aber es fänden sich Ideenvertreter der Neuen Rechten unter den genannten Gruppierungen wieder.

Dass diese Entwicklung ihren Lauf nehmen kann, liegt nach Recherchen von Volker Weiß mit daran, dass über Jahrzehnte intellektuelle Kader geschult wurden, die heute politisch aktiv werden. Ihren Anfang nahm die Bewegung der Neuen Rechten unter Armin Mohler, der seinerzeit versuchte, durch Kunstgriffe, gewagte Konstruktionen, Auslassungen und Legenden den Nationalsozialismus von Rassenideen zu befreien und den Holocaust hinter sich zu lassen. Davon angesprochen zeigte sich Ernst Jünger, der später Lehrer von Götz Kubitschek wurde. Letztgenannter inszeniert sich gern medienwirksam. Er ist eines der bekannteren Gesichter der neuen rechten Bewegung.

Wer mehr über die Zusammenhänge und die Entwicklung der neuen Rechten wissen möchte, dem empfiehlt sich das von Volker Weiß geschriebene Buch ‚Die autoritäre Revolte - Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes‘, ISBN 9783608949070.

Fotographie von Sascha Schießl / Flüchtlingsrat Hannover

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