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Interkulturelle Kunstwerkstatt

Kommentar

Die freie Kulturszene könnte "Motor" sein

Warum die "freie Kulturszene" so wichtig ist für die Bewerbung Hannovers als Europäische Kulturhauptstadt und wieso Freigeister aus aller Welt einen wertvollen Anteil daran haben.

  Claudia Ermel |

Ob Europa sich in der Zukunft immer mehr abschottet, ob politische Querelen um eine Verteilung von Flüchtlingen sich zuspitzen, ob mehr Grenzen künftig mit Zäunen gesichert werden, nichts davon sollte Einfluss auf die Behandlung jener haben, die wegen politischer Verfolgungen Asyl in Europa suchen. Denn weiterhin gilt, dass Europa für Demokratie, Menschenrechte und Pressefreiheit steht.

Nicht selten geht politische Auflehnung oder Kritikfreudigkeit mit einem gewissen "Freigeist" einher, der den Menschen – egal, woher sie kommen – das Leben in ihrer Heimat unmöglich macht. Und es sind nicht nur die bekannten Namen wie Ai Weiwei oder Deniz Yücel, die mir dabei einfallen. Auch viele unbekannte Kreative leben bereits im Exil. Diese „Freigeister“ sind es oft, die die Kunst- und Kulturszene überall in der Welt ausmachen. Sie beleben mit neuen Ideen und innovativen Kunstwerken ihr Genre, regen zu Auseinandersetzungen und neuen Gedanken an.

In Hannover hatte kargah e.V. im letzten Jahr zusammen mit dem Cameo-Kollektiv, dem Glockseetheater und anderen freien Künstlern in Workshops geflüchteten Kreativen gemeinsam mit lokalen Künstlern ein Forum geboten, um das Thema Menschenrechte zusammen umzusetzen. Diese Zusammenarbeit aus verschiedenen Perspektiven sollte den Blick der Einzelnen auf die Menschenrechte schärfen, Erfahrungsaustausch ermöglichen, Teamwork verschiedener Kulturen erproben. Dies ist nur eines vieler Beispiele für interkulturelle Aktionen der vernetzten Szene. Und hier kommt nun auch die Veranstaltung „Aufnahmezustand“ zum Tragen. Hier hatten sich 150 Kulturschaffende zu einer Arbeitstagung getroffen, um ihre Beteiligung an der Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt zu formulieren.

Denn nur die freie Kunst- und Kulturszene kann mit diesem unverfälschten Blick auf – und nahen Kontakt zu – den oft noch unbekannten Kulturschaffenden verschiedenster Herkunft aufwarten. Die etablierte Hochkultur hat „Wichtigeres“ im Blick. Vielleicht liegen aber genau hier verborgene Potenziale, finden sich Kreative, die Kultur neu denken, Kunst innovativ gestalten können. Wohlgemerkt: Wir benötigen eine einzigartige Identität als Europäische Kulturhauptstadt. Daher kann es nicht ausreichen, die gewohnten ausgetretenen Pfade zu gehen, um den Titel zu gewinnen.

Aus dieser Sicht scheint die „Freie Kulturszene“ unverzichtbar. Und Welt-in-Hannover.de wird mit seinem vielsprachigen Netzwerk den Bewerbungsprozess mit ganzem Einsatz unterstützen, denn nur die gesamte multikulturelle Gesellschaft Hannovers wird eine starke Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt zustande bringen. Gerade jetzt, wo Europa beginnt, sich politisch abzuschotten, sollte Hannover eine europäische Identität vertreten, die eine demokratische, freiheitliche sowie transkulturelle Gesellschaft voraussetzt.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover