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Fauas Sulaiman

Interview

Fauas Sulaiman und seine Erfahrung auf Deutsch zu schreiben

Der Autor spricht darüber, wie es ist, seiner Phantasie in einer Fremdsprache Ausdruck zu verleihen.

  Abdulrahman Afif | 30.03.2018

Bis jetzt hast du mehrere Texte auf Deutsch für Welt in Hannover geschrieben – welche Themen behandeln sie?

Einer handelt vom Maulbeerbaum, ein anderer befasst sich mit der Freiheit des Menschen und der Tiere und wie diese Freiheiten interpretiert und unterschieden werden. Im dritten Text wird das Thema Europa näher betrachtet, weil ich mich, aufgrund meiner Erfahrungen der vergangenen Jahre, zunehmend als Europäer verstehe. Es geht darin um die weibliche Europafigur aus der griechischen Mythologie und meine grenzenlose Liebe zu Europa:, dem Kontinent, der viele Völker und Sprachen vereint und den man frei bereisen kann. Die Schönheit der Natur ist ebenfalls ein Thema. Das alles wollte ich in Verbindung zu der griechischen Mythologie sowie den großen Flüchtlingsströmen betrachten. Die derzeitigen Schwierigkeiten, mit denen sich Europa konfrontiert sieht, beispielsweise der Brexit, sind ebenfalls ein Thema.

Warum hast Du die Texte auf Deutsch geschrieben, obwohl du sie auch auf Kurdisch oder Arabisch hättest verfassen können?

Ich habe schon für andere Webportale Texte auf Arabisch und Kurdisch veröffentlicht. Für Welt in Hannover wollte ich mich jedoch auf Deutsch ausdrücken. Diese Erfahrung ist auch für mich neu, aber ich lebe jetzt in diesem Land und dieses Land ist meine Heimat geworden.Ich wollte mit den Worten der deutschen Sprache spielen und versuchen meine Phantasie darin auszudrücken. Inwieweit das möglich ist, wollte ich ausprobieren. Hier gibt es ja viele unterschiedliche Sprachen, aber Deutsch wird natürlich am meisten benutzt. Ich liebe es, gerade auf Deutsch verstanden zu werden – natürlich auch von den Einheimischen selbst. Besonders jetzt, wo die Ereignisse im Nahen Osten sehr interessiert wahrgenommen werden. Ich wollte auch gerne wissen, was die Deutschen von meinen Texten halten und wie sie sie bewerten.

Du schreibst nicht in deiner Muttersprache: Welche Erfahrungen muss ein Autor oder eine Autorin mitbringen um diesen Schritt zu bewältigen?

Man muss die sprachliche Basis haben und sich in der deutschen Literatur gut auskennen. Dieses kulturelle und literarische Fundament ist unverzichtbar. Deutschsprachige Internet- und Nachrichtenseiten sollten ebenfalls verfolgt werden. Ich glaube, derjenige, der auf Deutsch schreiben möchte, sollte sich darauf einstellen, dass es schwierig wird. Aber der Versuch lohnt sich!

Wie waren die Reaktionen der Leser*innen auf Deine deutschen Texte?

Einige Personen haben sie gelesen und ich habe sie einigen Deutschen gezeigt. Sie mochten die Geschichten und die darin beschriebenen Welten. Einige Dinge waren für sie anziehend, sympathisch und neu, zum Beispiel, wenn ich vor dem Hintergrund meiner Herkunft beschreibe, wie die Frauen hier in Deutschland Fahrrad fahren. Gut angekommen ist auch die Passage, in der ich erzähle, wie Europa vom Zeus-Stier entführt wird. Einige wünschen sich weitere Geschichten.

Was motiviert Dich dazu, Deinen Kugelschreiber in die Hand zu nehmen und zu schreiben? Wie entstehen Deine Texte?

Was meine Texte betrifft: es ist nicht so, dass ich mir sage: „Ich schreibe jetzt!“ Es ist eher so, dass bestimmte Situationen oder Momente, beispielsweise ein Spaziergang, gewisse Assoziationen wecken. So kommen mir Ideen wie Gedankenblitze, die ich dann verfolgen will, so wie einen strahlenden Stern, den ich auffangen möchte.

Wo und wann bist Du geboren und wie bist Du nach Deutschland gekommen?

Was meine Lebensgeschichte betrifft: Ich bin 1972 im kurdischen Gebiet Syriens geboren. Mein Heimatdorf heißt Segirka. Es liegt in der Nähe von Qamischli. Im Sommer 1995 bin ich nach Deutschland gekommen.

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Übersetzung des Interviews in Gemeinschaftsproduktion der WiH-Mitarbeiter Konrad, Julius und Abdulrahman.

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