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Landkarte von Palymra

Finissage "Palmyra-was bleibt"

Trauer und Wut im Museum August Kestner

Dichterlesung am 09.07.2017 mit Autor*innen von kargah e. V..

  Jürgen Castendyk | 21.08.2017

Die Kuratorin der Ausstellung, Frau Dr. Anne Viola Siebert, begrüßte herzlich die Gäste und die Autoren*innen zur Finissage. Sie drückte ihre Freude aus, dass es zum ersten Mal gelungen sei, Künstler*innen zu gewinnen, die zum Thema einer Ausstellung im Museum eine eigene Lesung veranstalten. Diese Veranstaltung sei auf Grund der gelungenen Kooperation zwischen dem Museum und kargah e. V. ermöglicht worden. Sie dankte insbesondere Frau Laura Heda und dem Übersetzer Abdulrahman Afif, beide von kargah e. V..

Es lasen vier Autoren*innen mit Migrationshintergrund, fast alle aus dem Nahen Osten, und drei aus Deutschland. Vorgetragen wurde zuerst in der Muttersprache mit anschließender Übersetzung in das Arabische bzw. in das Deutsche. In den Gedichten und in einem kurzen Prosatext kommen Unverständnis, Bestürzung, Wut und Trauer über die Zerstörung der antiken Tempelstadt Palmyra zum Ausdruck. Nicht alle Auroren*innen benannten den sogenannten Islamischen Staat (IS) als Zerstörer. Anregungen zum Wiederaufbau der Ruinenstadt wurden nicht formuliert.

Ruine eines Sandsteingebäudes aus Palmyra
Ruine eines Sandsteingebäudes aus Palmyra

„Ich bin traurig geworden, sehr traurig“.

Da hier nicht alle Autoren*innen in diesem Beitrag mit ihren Werken vorgestellt werden können, wurde entschieden, im ersten Teil des Berichtes die Migranten zu Wort kommen zu lassen, die vom Terror durch den sogenannten Islamischen Staat (IS) und den Zerstörungen antiker Stätten besonders betroffen sind. In einem zweiten Teil des Berichtes werden dann die deutschen Autoren*innen vorgestellt.

Ghaleb Noel Najjar (aus dem Irak)
wandte sich in seinem Gedicht „Alphabete der Dunkelheit“ wütend und direkt an die Zerstörer: „Bärtige ohne Glauben / aber im Namen der Religionen und des Schwertes / haben unsere Schätze und Ikonen nicht verschont. Siehe! Sie zerstören Idole und sie selbst sind der Abgott…“. „Vor dem heutigen Tag habe ich nicht das Heulen der Skulpturen gehört / und die Schmerzen des Felsens gespürt. / Aber gestern sah ich Statuen, aus denen Blut floss…“.

Mohanad Tobya (aus dem Irak)
huldigte in den ersten Versen seines Gedichtes „Palmyra im Gedächtnis der Ewigkeit“ der glänzenden Oasenstadt. „Sie ist der Duft der Geschichte. / Sie ist der Glanz der Zivilisation. / Das Edle der Könige mit stolzem Haupt. / Sie strahlt wunderschön, die Braut der Wüste / Voller Magie für den Zuschauer…“. Dann verband Tobya seine Wut mit einer Warnung: „ Die Angreifer wollten alle Spuren ihrer Zivilisation ausradieren / Ihre Hammer haben mit Frechheit alles zerschmettert. / Sie wussten nicht, dass der Sand von Palmyra / ein Feuer ist, das alle Ignoranten verbrennt…“.

Abdulrahman Afif (aus Syrien)
schilderte in seinem Gedicht „Palmyra“ nicht seine Wut über die Zerstörungen, sondern stellte auf poetische Weise liebevolle Fragen an Palmyra: „Die Menschen haben Dich Braut der Wüste genannt. / Und wer ist der Bräutigam? / Der Sand, die Palme, das Wasser und die Geschichte…/ Bei Dir haben die Menschen steinerne Abbilder ihrer Pferde hinterlassen / ihre Götter, ihre Religionen, ihre Zitadellen, / sie hinterließen Relikte, / die an sie erinnern sollten / und Du, was erinnert an Dich?“

BesucherInnen der Palmyra-Ausstellung
BesucherInnen der Palmyra-Ausstellung

Rochdi Essafi (aus Marokko)
ist ein wütender und zweifelnder Autor, der die Urheber der Zerstörungen aber nicht direkt ansprach. In seinem Gedicht „Palmyra“ versprach er den Tätern ihren Untergang: „ Ihr, die in den Mülleimer der Geschichte fahrt … / Fragt eure Geschichte: Wer seid ihr im Vergleich / zu jenem emporragenden Stein?…Eure Vergangenheit ist nur ein düsterer Tag, / ohne Sonne und Himmel / auch weit entfernte Sterne habt ihr in Kugeln gegen Dämonen verwandelt. / Aus dem strahlenden Stein pustet aus, was eure Vorfahren ausgepustet haben / damit ihr wisst, / dass ihr Düsternis seid / und wir die assyrische Fackel, / die unauslöschlich ist.“

In der Diskussion nach der Lesung wurde von Besucher*innen ihre tiefe Betroffenheit über die Zerstörung Palmyras zum Ausdruck gebracht. Einige rangen nach Worten. Auch Frau Dr. Siebert war sichtlich beeindruckt. Sie dankte allen, insbesondere den Autoren, für ihre eindrucksvollen Gedichte. Sie stellte eine Broschüre des Museums über die Ausstellung in Aussicht u. a. mit den Werken aller anwesenden Autoren*innen. Eine weitere Zusammenarbeit mit kargah e.V. bei zukünftigen Ausstellungen würde angestrebt.

Welt in Hannover führte ein Interview mit Abdilhemid Mohemmed über die Ausstellung und veröffentlichte einen Artikel zu dessen Vortrag über die Ausstellung.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover