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Und ganz

Die Fettnäpfchen–Kolumne

"Und ganz viel Geld von den Deutschen!"

Wie überreicht man/frau ein Geldgeschenk auf einer Hochzeit?

  Helga-Barbara Gundlach | 18.05.2018

Kathrin war mit anderen Kolleginnen und Kollegen von einer Arbeitskollegin zu ihrer „türkischen“ Hochzeit in Hannover eingeladen. Sie fragten die Braut extra, was sie schenken sollten, und erfuhren, dass statt einer Blumenvase, Geschirr oder sonstigen Gegenständen Geld oder Schmuck erwartet wurde. Doch sie wollten ihr Geld nicht einfach in einen Umschlag packen. Da sie wussten, dass die Braut und ihr zukünftiger Mann eine Hochzeitsreise planten, bastellten sie liebevoll eine Trauminsel mit Palmen, Schiffchen usw. In dieses Kunstwerk falteten sie zahlreiche Geldscheine verschiedener Höhe ein.
Auf der Hochzeit stellten sie nun fest, dass der geschenkte Schmuck der Braut gleich umgehangen wurde und die Geldscheine dem Bräutigam an seinen Anzug angeheftet wurden. Ein Moderator verlas dann die jeweilige Summe. Als der Moderator nun vor laufender Videokamera die Insel in die Hand nahm, schaute er zunächst äußerst irritiert, rang nach Worten und brachte nach kurzem Überlegen schlagfertig heraus: „Und … ganz viel Geld von den Deutschen!“

Was war passiert?
Kathrin und ihre Kolleginnen und Kollegen fühlten sich sicher. Sie hatten sich extra informiert, was für ein Geschenk passend sei, um nichts falsch zu machen und in keinen Fettnapf zu treten. Doch sie hatten sich nicht über die Art der Übergabe informiert und es hatte ihnen auch vorher niemand gesagt. In Deutschland ist es ebenfalls nicht unüblich, Geld zu schenken. Aber es gilt zuweilen als einfallslos und auch lieblos, einfach nur einen Umschlag zu überreichen. Es sei denn, es wird explizit darauf hingewiesen, dass eine Spendendose oder ein Glücksschwein bereitsteht. Aber auch dann gibt es Menschen, die ihr kreatives Geschick anwenden. Zur Unterstützung gibt es Ratgeber auf dem Buchmarkt oder Bastelanleitungen im Internet. Die anschließenden Kunstwerke lassen manchmal bewusst nur erahnen, wie viel die gefalteten Blumen, Schmetterlinge, Frösche oder Ähnliches zusammen gerechnet ergeben. Denn die genaue Summe geht andere Gäste meistens nichts an.

Bei „typischen“ türkischen Hochzeiten, und auch in anderen Kulturen, ist es oft gerade wichtig, dass alle Gäste erfahren, wie viel Geld welche Verwandten und Bekannten gegeben haben. Dadurch kann ein gewisser Druck entstehen, der letztendlich Summen nach oben treiben kann – zur Belastung der weniger betuchten Gäste aber sicher zur Freude des Brautpaars.

Was hätte anders laufen können?
Kathrin und ihre Kolleginnen und Kollegen hätten sich noch genauer informieren können. Ebenso hätte die Braut sie informieren können. Im Trubel der Hochzeitsvorbereitungen hat sie aber vielleicht nicht daran gedacht. Vielleicht war sie auch selbst noch nie auf einer „deutschen“ Hochzeit, so dass ihr der Hinweis auf ein Geldgeschenk als ausreichend erschien.
Letztlich hat der Moderator die Situation gut gerettet. Er wollte niemanden bloßstellen und das ist ihm gelungen. Die Verwandtschaft hat applaudiert (schließlich ist ja laut Moderator „viel“ Geld gegeben worden). Alle Beteiligten amüsierten sich über die ungewöhnliche Situation und sind nun sicher über eine Erfahrung reicher.
Kathrin ist Mitarbeiterin einer Bildungseinrichtung.

Was bedeutet Fettnäpfchen eigentlich?

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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