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1. Mai 2022

WiH auf dem 1.-Mai-Fest

Wird Hannover diskriminierungsfreie Vorbildstadt?

WiH startete auf dem 1.-Mai-Fest bei FAUST e.V. eine Umfrage zum Thema Diskriminierung.

  Claudia Ermel | 04.05.2022

Das war schon ein buntes Völkchen auf dem FAUST – Gelände. Mit Kind und Kegel flannierten junge Familien, jugendliche Cliquen, aber auch viele Ältere, für die das internationale 1.-Mai-Fest längst zur Tradition gehört, über den Innenhof und die anliegende FAUST-Wiese. Es gab mehrere Bühnen, viel Musik, Unterhaltung und Kulinarisches. Ein Get together für alle eben.

Welt-in-Hannover.de und kargah e.V. hatten natürlich auch wieder ihren Pavillon auf dem Fest. Um sich zu präsentieren, ihre Arbeit zu bewerben, gemeinsam ein großes Bild zu malen, mit den Menschen zu reden. Eine kleine Umfrage gehörte diesmal auch wieder dazu.

Unsere Fragestellung an alle, die es am 1. Mai an unseren Stand spülte, lautete:

„Belit Onay hat kürzlich bei der Feierlichkeit zum Start der A-Teams angekündigt, dass Hannover eine diskriminierungsfreie Stadt werden soll, ein Vorbild für ganz Deutschland. Was sind Eure Erfahrungen, was meint Ihr? In welchen Bereichen funktioniert das noch nicht mit dem „diskriminierungsfrei?“

Diskriminierung: Ein Thema oder Kein Thema?

Schnell zeigte sich, dass unser Thema noch vielfältiger ist, als wir dachten. Natürlich gab es auch viele recht unbekümmerte Befragte, wie beispielsweise André, der meinte, dass es eigentlich überall klappt, nach dem Motto: Alles gut! Doch während einige spontan lediglich die Stichworte Arbeits-und Wohnungsmarkt, Bildungssektor, Nachbarschaft nannten, ergaben sich mit den nachfolgenden Befragten teils recht rege Diskussionen. Auch Mechthild fielen beim Thema Diskriminierung sofort Wohnungsmarkt, Arbeitsmarkt und Bildung ein, doch dann entspannen sich interessante Diskussionen mit und auch zwischen allen Befragten. Marie und Marita meinten schließlich, dass es eigentlich überall noch nicht funktioniert. Aber sie erzählten auch von positiven Erfahrungen, z.B. von einem Kindergarten mit vielen verschiedenen Nationalitäten, wo insbesondere bei der Verköstigung durch eine türkische Köchin allen Bedürfnissen Rechnung getragen werde. Manchmal scheint es also doch zu funktionieren mit der diskriminierungsfreien Mehrheitgesellschaft.

Eva allerdings, die bisher persönlich keine negativen Erlebnisse hatte, ärgert sich darüber, dass insbesondere Männer aus anderen Kulturkreisen ihre verachtende Einstellung zu Frauen offen zur Schau stellen. Sie würde sich noch mehr Integrations-Unterstützung und Belehrung für und über alle Kulturen wünschen, damit ein friedliches, diskriminierungsfreies Miteinander wirklich klappt. Es gäbe viele Menschen, die Ängste vor dem Fremden, Unvertrauten hätten. Da seien noch ein Menge psychologischer Barrieren aufzulösen.

Mehr Teilnahme aller Bürger*innen

Während die Uni Hannover relativ divers und weltoffen sei, bei Einstellungen ist Hautfarbe oder Religion kein Thema, wurde gerade der soziale Faktor als ein wesentlicher Hemmschuh für ein diskriminierungsfreies Miteinander angesehen. Bildung und sozialer Status spielen auch eine große Rolle, lautete ein wichtiges Statement. “Mehr Chancengleichheit und Vermischung aller Gesellschaftsschichten“ forderte daher Huisa. Sie meinte, dass noch viel mehr Teilnahme aller Bürger*innen angeregt werden sollte, durch Radio, Presse, Umfrage-Aktionen in den Stadtteilen.

Es brauche noch viel mehr Begegnungsräume im öffentlichen Raum, und seien es nur überall genügend Parkbänke, wo auch alte Menschen ohne Geld die Möglichkeit zur Teilhabe am öffentlichen Leben nutzen können.

Verbale Diskriminierung

Almut, die von sich selbst meint, dass sie in ihrer „Friedensblase“ und „Klimablase“ eigentlich keine Berührung mit dem Thema Diskriminierung hat, zeigte im Gespräch dagegen auch kritische Selbstreflexion. „Ich ertappe mich selbst dabei, dass ich in Gesprächen oder Diskussionen ungeduldig werde, es anstrengend finde, wenn jemand nicht so gut Deutsch kann. Damit diskriminiere ich selbst auch ein stückweit."

Amina erinnerte hingegen an die verbalen Diskriminierungen im gesellschaftlichen Umgang, hier sei es an uns allen, nicht jede Verunglimpfung hinzunehmen (Bsp. Obdachloser = Penner), auch mal Stellung für Betroffene zu beziehen, Zivilcourage zeigen eben.

Wie vielfältig Diskriminierung sein kann, zeigte uns dann unser letzter Befragter. Marcel kommt aus Ostdeutschland. Er erzählte uns, dass viele ihn sofort als Nazi abstempeln, nur weil er aus dem Osten kommt.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover