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Shahab und Sevinc von Can Arkadas

Verein Can Arkadaş

Drei Jahrzehnte „Kültürarbeit“

Der Vorsitzende Sahabbeddin Buz berichtet über aktuelle Projekte und Ziele des traditionsreichen hannoverschen Vereins.

  Konrad Boidol | 23.03.2018

30 Jahre Sozial-, Bildungs- und Kulturarbeit unter dem Banner der Interkulturalität: Der Verein Can Arkadaş ist seit 1988 in Hannover aktiv. Neben den stetig wachsenden Unterstützungsangeboten für MigrantenInnen und Geflüchtete, wie Alphabetisierungskursen oder Bewerbungstrainings, haben im vergangenen Jahr die Kültürtage für Aufsehen gesorgt: „Wir waren selbst überrascht vom großen Interesse“, sagt der Vereinsvorsitzende Sahabbeddin Buz. Fast alle Kultureinrichtungen der Stadt waren beteiligt – von den Freizeitheimen bis zum Niedersächsischen Staatstheater und den Museen der Stadt. Türkischsprachige KünstlerInnen aus allen Kulturbereichen stellten ihre Arbeit vor. „Es tut gut zu sehen, dass Interesse da ist und die Bewohner der Stadt Hannover es in Anspruch nehmen – Es zeigt uns: wir haben etwas geschafft“, resümiert Buz.

Migranten für Theater begeistern
Aber auch jenseits der großen Veranstaltung im vergangenen Jahr vermittelt der Verein intensiv kulturelle Bildung. Buz ist es wichtig, dass „türkischsprachige Migranten langsam aber sicher den Weg in die deutschsprachigen Theater und Museen finden.“ Der Start für dieses Engagement war 1990. Der Verein mietete das Theater am Aegi an, um dort das Stück „Die Zeit der Schuldlosen“ von Siegfried Lenz in deutscher Sprache für ihr Zielpublikum zu zeigen. „Zu der Vorstellung kamen mehr als 800 Menschen, die meist noch nie im Theater waren – das Stück war schwer, aber alle haben so konzentriert zugehört, dass man eine Nadel hätte fallen hören können“, sagt Buz. Seit dem werden immer wieder Theaterveranstaltungen mit verschiedenen Kooperationspartnern organisiert. Neben dem Theater gibt es im Bereich Kultur außerdem zwei Chöre, die in den Räumen des Vereins ihre Heimat haben. Einer widmet sich der türkischen Volksmusik, der andere der gehobenen türkischen Kunstmusik. Letzterer zählt 40 Mitglieder und wird am 8. April in der IGS Mühlenberg zu hören und zu sehen sein.

Frauen- und Seniorengruppen
Aber nicht nur Kultur nimmt in der Arbeit von Can Arkadaş eine wichtige Rolle ein. Echte Erfolgsmodelle sind die Senioren- sowie die Frauengruppe.
Bei der Seniorengruppe treffen sich zwischen 60 und 80 ältere Menschen, die eine Migrationsgeschichte haben. „Sie leben oft seit vielen Jahren in Hannover, wissen aber beispielsweise nicht, wo das Rathaus ist“, sagt Buz. Oft hätten sich die Kinder, die mittlerweile ausgezogen sind, oder die Ehepartner, die manchmal verstorben seien, um solche Angelegenheiten gekümmert. In der Gruppe werden die Seniorinnen und Senioren mit den Angeboten in der Stadt und Region sowie den verschiedenen Ämtern und Verwaltungseinrichtungen vertraut gemacht. Dazu stehen auch Ausflüge auf dem Programm. Künftig sollen zudem andere Teile Deutschlands und Europas erkundet werden. Um den Blick für die EU zu schärfen, könnten Reisen nach Spanien, Italien oder Frankreich angeboten werden.

Shahab
Sahabbedin Buz. Foto: Wolfgang Becker
Shahab
Sahabbedin Buz. Foto: Wolfgang Becker

Die Frauengruppe ist Anfang des neuen Jahrtausends entstanden. Dort gibt es spezielle Angebote, die auf Frauen mit Migrationshintergrund zugeschnitten sind. „Viele Frauen, die teilweise auch hier aufgewachsen sind, können nicht schwimmen“, erklärt Buz. Um ihnen diese überlebenswichtige Fähigkeit beizubringen, werden im Hallenbad in Stöcken verschiedene Kurse angeboten – auch für Frauen, die sich nicht vor Männern unbedeckt zeigen wollen. Fahrradkurse gibt es ebenfalls: „Fahrradfahren ist für Frauen in vielen Ländern außerhalb Europas verpönt“, erläutert der Vereinsvorsitzende. Um den Zugewanderten mehr Mobilität zu verschaffen, können sie es beim Verein erlernen.

Neues Projekt an Schulen
Ein ganz neues Projekt des Vereins widmet sich den Schulen in der Stadt, die einen besonders hohen Anteil an Kindern aufweisen, die eine Migrationsgeschichte haben. Dazu gehört die Peter-Unstinov-Schule, bei der diese SchülerInnen einen Prozentsatz von rund 90 Prozent ausmachen. Zwei Mitarbeiter von Can Arkadaş werden eingesetzt: Einer für arabischsprechende, einer für rumänisch- oder bulgarischsprechende Kinder. Sie vermitteln zwischen LehrerInnen, Kindern und Eltern. Dabei klären sie über das Schulsystem in Deutschland und insbesondere über die Schulpflicht auf. Ist das Projekt erfolgreich, könnte es auch auf andere Schulen in Hannover übertragen werde. Starten soll es voraussichtlich im April.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover