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kargah Veranstaltung Kommunalwahl

Kommunalwahl 2021

„Wir habe Erwartungen an die Politik“

Kargah veranstaltete am 2.9. im Tango Milieu auf dem FAUST-Gelände ein politisches Come Together von Kommunalpolitiker*innen mit Gästen aus der WIR-Stadtgesellschaft.

  Claudia Ermel | 07.09.2021

Eingeladen waren Bala Subramanian Ramani von der SPD, Bruno Adam Wolf von den Piraten, Iyabo Kaczmarek vom Bündnis 90/Die Grünen, Jesse Jeng von der CDU und Juli Klippert von der PARTEI zu einer Podiumsdiskussion, die durch ein gezieltes Mitwirken des Publikums ein ganz neues Format ausprobieren sollte. Gastgeber war kargah e.V., kargah-Mitarbeiterin Hannah Terhorst moderierte den Abend.

In seiner Eröffnungsrede stellte kargah-Vorstand Masood Sharify erst einmal klar, dass die Ziele des Vereins kompromisslos für Vielfalt und Gerechtigkeit stehen, „kargah steht für Vielfalt, Menschenrechte, Akzeptanz für alle, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung. Ja, wir haben Erwartungen an die Politiker*innen, wir erwarten, dass sie sich stets für eine WIR-Stadtgesellschaft einsetzen.“

Ob die auf dem Podium anwesenden Politiker*innen diesen Erwartungen gerecht werden könnten, sollte an diesem Veranstaltungsabend herausgefunden werden. Gleichzeitig wurde allen anwesenden potentiellen Wähler*innen auch die Möglichkeit gegeben, mitzumachen, sich einzubringen, die Kommunalpolitikerinnen direkt zu befragen.

Digital und analog

Das Format war durch die Option, sich mit einem QR-Code in Abstimmungsprozesse einzuwählen, dem digitalen Zeitgeist angepasst. Dass analog Teilnehmende dennoch nicht abgehängt wurden, regelten „ganz old school“ farbige Karten, die einfach hochgehalten wurden. Dass bei diesem System auch manche Stimmen doppelt abgegeben wurden, sah niemand so eng. Moderatorin Hannah Terhorst gelang es vielmehr, durch die Publikumsbefragungen zwischendurch jeweils ein allgemeines Stimmungsbild zu zeigen..

Langweilig wurde es jedenfalls nicht. Während die Politiker*innen auf dem Podium reihum zu Fragen wie Frauen- und Migrant*innenquoten, Ehrenamt, Erinnerungskultur und zum Begriff Willkommenskultur befragt wurden, forderte die Moderatorin auch das Publikum zur Stimmabgabe in verschiedenen Themenbereichen auf. Die Antworten zählte eine Balkengrafik auf einer Leinwand unmittelbar aus. Das Ergebnis zu der Frage „Wer von Euch hatte das Thema Kolonialismus in der Schule?“ zeigte dabei dann auch gleich die reale „Schieflage“ in der heutzutage so "aufgeklärten" Gesellschaft. Kaum jemand konnte sich erinnern, im Geschichtsunterricht Kolonialismus behandelt zu haben.

Dauerbrenner Carl-Peters-Denkmal

Die Themen Gedenkstätten und Erinnerungskultur wurde an diesem Abend natürlich auch angesprochen. Dass hier ein weiterer Diskurs notwendig ist, war neben der Einrichtung einer unabhängigen Antirassismusstelle, die mehrsprachig von Migrant*innenorganisationen geführt wird, heute ein wichtiges Anliegen von kargah e.V. . Außerdem diskutierte die Runde beim 'Come Together' engagiert über die Notwendigkeit, endlich die bürokratischen Strukturen bei Stadtverwaltung und Behörden aufzubrechen. Es sollen aber auch einfachere Zugänge zu den Parteien geschaffen werden, für Frauen, für Migrant*innen, für junge Leute. Vielsprachigkeit, Einbürgerungslots*innen, Gleichberechtigung und Vielfalt in Behörden sowie in der Politik zogen sich als Grundtenor durch die gesamte Veranstaltung. Als dann die Politiker*innen aufgefordert wurden, einem Kind den Begriff Willkommenskultur zu erklären, bekamen alle die unerwartete Chance, zu zeigen, dass sie nicht nur große Worte schwingen können. Der kleine Junge jedenfalls, der sich die Erklärungen anhörte, weiß jetzt (hoffentlich), was Willkommenskultur sein sollte.

Eine spannende Veranstaltung, in der einige brisante und wichtige Themen diskutiert wurden. Moderatorin Hannah Terhorst schaffte es zwischenzeitlich, auch durch provokative Zitate, "2015 darf sich nicht wiederholen", die Politiker*innen auch mal aus der Reserve zu locken. "2015 muss sich wiederholen," meinte Adam Wolf dazu. Grundsätzlich schien aber auch diese Runde sehr versöhnlich, von "schmutzigem" Wahlkampf keine Spur. Bleibt zu hoffen, dass der nächste Stadtrat nun auch ausschließlich konstruktive Lösungen für eine vielfältige WIR-Stadtgesellschaft entwickelt.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover