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Kunst und Kultur / COVID-19

Musikagentin Tanja Dorn - Die Vermittlerin

Eine wichtige Frage hat mein Interesse geweckt: Wie geht es unseren Künstler*innen in dieser schweren Zeit? Ich traf Tanja Dorn in Hannover zum Interview, die 2016 ihre eigene Agentur gründete.

  Jane Issa | 30.03.2021

Tanja Dorn ist die Gründerin von Dorn Music. Sie vertritt rund 15 Topsolisten national und international, darunter den Pianisten Jan Lisiecki, Bariton Matthias Goerne, den Cellisten Jan Vogler, Geigerin und Bratschistin Elisabeth Kufferath und den Dirigenten Krzysztof Urbański. Tanja Dorn macht es Freude, die jeweilige Persönlichkeit auf ihrem Karriereweg zu begleiten und ihre Talente zu fördern. Daraus ergeben sich oft langjährige und erfolgreiche Arbeitsbeziehungen, denn gegenseitiges Vertrauen ist eines der Rezepte für den gemeinsamen Erfolg. Tanja Dorn hat viele Jahre in großen Metropolen wie New York als Agentin gearbeitet, deshalb weiß sie: Jedes Land tickt anders, der Klassikmarkt in Tokio hat andere Bedürfnisse als der in Sydney oder der auf Island. Da sie Vermittlerin zwischen den Künstler*innen und den Veranstalter*innen ist, gehört ein reger Austausch zu ihrem Berufsalltag. Außerhalb der COVID-19-Pandemie gehört außerdem eine intensive Reisetätigkeit dazu.

In unserem Gespräch erklärt mir Tanja Dorn die Komplexität in der Konzertplanung. „Mein Team und ich planen jetzt schon für die Saison 2022/2023, denn alles muss aufeinander abgestimmt werden, die Tourneevorhaben der Musiker*innen und wie das jeweilige Programm in das Gesamtkonzept der Veranstalter passt.“ Vielen Künstler*innen wurden pandemiebedingt die meisten Konzerte abgesagt, was ein bitterer Schlag für die Kunst ist, aber auch eine existenzielle Bedrohung - denn ohne Konzert kein Honorar.

„An entscheidender Stelle in der Politik fehlt die Sensibilität dafür, wie dieser Markt zustande kommt und welchen Stellenwert der deutsche Klassikmarkt hat.“

Die sogenannten Hilfspakete der Bundesregierung unterstützen hauptsächlich die Veranstalter*innen, womit es jedoch nicht getan ist. Die gesamte Kette der Beteiligten ist der Politik nicht bewusst, wodurch viele zu kurz kommen oder komplett durch das Raster fallen. Es sind nicht nur die Veranstalter, die diese Konzerte zum Laufen bringen, sondern auch die Künstler*innen, deren Manager*innen und viele weitere Akteure hinter den Kulissen. Alle setzen ihr gesamtes Knowhow und ihre Leidenschaft ein, was die wirtschaftliche Grundlage ihres Lebens bildet.

Viele Künstler geben auf und wollen nicht mehr!“

Für die Künstler*innen fehlen momentan konkrete Perspektiven. Tanja berichtet mir, dass sie und ihr Team momentan härter arbeiten als sonst. Vieles dauert einfach länger, das ist oft sehr ermüdend, aber Tanja Dorns Motto ist: nicht aufgeben! Sie engagiert sich mit sehr viel Mut und Zuversicht für ihre Agentur und ihre Künstler*innen. Das gibt etwas Hoffnung.

Zusammen mit dem Top-Filmproduzenten Bernhard Fleischer aus Salzburg beschreitet Tanja Dorn auch ganz neue Wege. Seine Produktionsfirma und ihre Agentur haben sich im April 2020 zusammengetan, um eine Streaming-Plattform zu gründen. Das Projekt Qchamberstream hat bereits durch die exzellente Programm- und Künstlerauswahl eine große Reichweite. Damit lancierte QChamberstream als erste internationale Plattform für klassische Musik in China und wurde bereits von Arts und Culture Magazine und Real Music als Plattform Nr. 1 für Klassische Musik ausgezeichnet. Weltberühmte Starsolisten wie Yo-Yo Ma aus dem Odeon des Herodes Atticus Amphitheater auf der Akropolis werden hier in Kürze ihren Auftritt genießen. Kultur hat ihren Preis, deshalb werden für diesen Online-Dienst die Zugänge verkauft. Der Ticketpreis liegt zwischen 10-25 Euro pro Konzert und sichert die Existenz der Künstler*innen.

Aber auch lokale Projekte bringen neue Perspektiven und Chancen in die Agentur. Am Ostermontag wird in Viersen, Nordrhein-Westfalen, ein Festkonzert mit Live-Übertragung im geschichtsträchtigen Festsaal stattfinden. Der Blockflötist Maurice Steger wird vom Freiburger Barockorchester begleitet.

Und das ist noch nicht alles. „Passend zum Ostermontag haben wir uns überlegt, mit einem lokalen Restaurant zusammenzuarbeiten, das ein Ostermenü konzipiert. Unsere Idee ist es, die Menschen auch vor dem Bildschirm wieder wie Gäste zusammenzubringen, indem sie gemeinsam dinieren. Die lokale Gastronomie erfährt dadurch auch eine Unterstützung.“ Anschließend wird es ein Q&A mit Maurice Steger geben. Das Engagement in der Musikkultur ist an allen Stellen vorhanden, die Unterstützung der Politik könnte besser sein.

Hier gibt es Einblicke in QChamberstream.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover