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Rohinga Frau mit Kind

Rohingya aus Myanmar

„Die achten nicht auf Menschenrechte und Demokratie“

Über eine Million Menschen der muslimischen Minderheit der Rohingya leben derzeit in bengalischen Flüchtlingslagern. Eine Rückkehr nach Myanmar ist heute ferner denn je.

  Wolfgang Becker | 22.03.2021

Rohinga Menschengruppe mit Laster
Rohingya Menschengruppe mit Lasten
Rohinga Menschengruppe mit Laster
Rohingya Menschengruppe mit Lasten

„Ich wollte diese Unmenschlichkeit selbst erfahren“, sagt IIK e.V.-Vorstand Sharaf Ahmed, der Leiter des Arbeitskreises Bangladesch. Der gebürtige Bengale kam selbst als Flüchtling nach Deutschland, aus eigener Betroffenheit besuchte er Anfang 2018 die Flüchtlingslager des aus Myanmar vertriebenen Rohingya-Volkes in seiner alten Heimat Bangladesch. Der Freie Journalist und Hobbyfotograf Sharaf Ahmed hielt die Situation der Geflüchteten in eindrucksvollen Bildern fest. Diese wurden erstmals Ende September 2018 öffentlich im Rahmen einer Benefizveranstaltung in der hannoverschen Christuskirche gezeigt.

Die Vertreibung der Rohingya – ein Völkermord?

Schon vor Jahrzehnten begann die Vertreibung der Rohingya aus Myanmar, dem früheren Birma. Zum Höhepunkt kam es ab August 2017, als das Militär begann, die Volksgruppe massiv aus den angestammten Dörfern in der Region Rakhaing (ehemals Arakan) zu vertreiben. Plünderungen, Brandschanzungen, Vergewaltigungen, Hunderttausende retteten sich in das benachbarte Bangledesch, Menschenrechtler sprechen von Genozid.

Nicht so die Friedensnobelpreisträgerin und bis vor kurzem faktische Regierungschefin von Myanmar, Aung San Suu Kyi. Sie hatte im Dezember 2019 die Vorwürfe zu einem Völkermord an der Minderheit der Rohingya in ihrer Heimat vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag zurückgewiesen. "Wir haben es mit einem internen bewaffneten Konflikt zu tun, der von der Rohingya-Armee begonnen wurde," sagte Kyi damals. Dieser Konflikt habe tragischerweise zum Exodus Tausender Menschen geführt.

Rohinga -Frau am Waschplatz
Eine Frau am Waschplatz
Rohinga -Frau am Waschplatz
Eine Frau am Waschplatz

Rückkehr nach Myanmar statt „Inselgefängnis“ in Bangladesch?

Nun sollen die Rohingya erneut umgesiedelt werden. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und der European Rohingya Council (ERC) fordern Anfang Dezember 2020 den sofortigen Stopp der Umsiedlung von Rohingya aus den Flüchtlingslagern im Distrikt Cox‘s Bazar nach Bhasan Char. Die Regierung von Bangladesch müsse die Verbringung der aus Myanmar geflüchteten Menschen auf die isolierte und überschwemmungsgefährdete Insel im Golf von Bengalen unverzüglich beenden. Die Menschenrechtsorganisationen fordern, die internationale Gemeinschaft müsse Bangladesch bei der Versorgung der Geflüchteten unterstützen. Es brauche Druck auf die Regierung Myanmars, damit diese die Rückkehr der Geflüchteten ermöglicht.

„Menschenrechtsbeobachter vor Ort sprechen von besorgniserregenden Anzeichen von Nötigung und falschen Versprechungen der Behörden in Cox‘s Bazar, um die Menschen von der Umsiedlung zu überzeugen“, berichtet die GfbV-Referentin Jasna Causevic. Flüchtlinge würden in Cox‘s Bazar durch Propaganda oder gezielte Einschüchterung dazu gebracht, der Umsiedlung zuzustimmen. Den „Freiwilligen“ werde beispielsweise versprochen, von der Insel schneller nach Myanmar oder in Drittstaaten zurückzukehren oder auswandern zu dürfen. „Die EU und Deutschland sind aufgerufen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimatorte in Myanmar durchzusetzen“, heißt es am 6. Dezember 2020 in einer Pressemitteilung der GfbV.

Rohinga Frau mit Kind 2
Rohingya - Frau aus Myanmar mit Kind
Rohinga Frau mit Kind 2
Rohingya - Frau aus Myanmar mit Kind

Verbaute Rückkehrperspektive nach dem Militärputsch

Der Mitarbeiter der Schulverwaltung Sharaf Ahmad glaubt nicht an eine Rückkehr der Rohingya nach Myanmar. Die Regierungen hätten bereits lange erfolglos darüber verhandelt. China, das einen großen Ölhafen im ehemaligen Rohingya-Gebiet baut, habe immer wieder sein Veto eingelegt: „Die achten nicht auf Menschenrechte und Demokratie!“ Die Situation sei nach dem Militärputsch vom 1. Februar 2021 noch schwieriger geworden. Aung San Suu Kyi ist abgesetzt und eingesperrt, über 100 protestierende Menschen hat die Soldateska bereits auf den Straßen des Landes erschossen, für das Leid der Rohingya ist dabei kein Platz mehr.

Bambushütten im Lager
Bambushütten im Lager der Rohingya
Bambushütten im Lager
Bambushütten im Lager der Rohingya

„Basan Char ist für die Rohingya eine gute Lösung“, meint Sharaf Ahmed. Er sehe das anders, als es in den deutschen Medien dargestellt werde. In Bangladesch gäbe es aktuell 34 Flüchtlingslager mit einem Anteil von über 40% Minderjährigen, trotz aller Bemühungen auch ausländischer Hilfsorganisationen sei die Lage der Geflüchteten dort erbärmlich. „Ein großes Problem ist auch Drogenhandel“ weiß er. Die Sucht nach „Yaba“-Tabletten sei weitverbreitet. Außerdem haben Abholzungen und der Monsun vorhandene Flüchtlingslager unbewohnbar gemacht. Auf der bis dahin unbewohnten Insel Basan Char habe die Regierung neue Siedlungen gebaut, diese seien auch von UN-Kommissaren und Botschaftern positiv bewertet worden. Vielleicht werde das ja eine neue Heimat für viele Rohingya.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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