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Rückzugsorte

Meine Sonnenbank an der Kirchenmauer

Rückzugsorte mitten in der Stadt? Die Autorin kennt so einige, zum Beispiel in der Calenberger Neustadt

  Claudia Ermel | 16.03.2021

Kirchen sind Orte der Begegnung, aber Kirchen sind auch Orte der Zuflucht. Das Kirchenasyl hat seine Ursprünge bereits in der Antike. Zahlreiche Kirchen sind auch heute noch Fixpunkte in den Stadtteilen der Metropolen. Allein im Stadtgebiet von Hannover befinden sich über 100 Sakralbauten der verschiedensten Glaubensrichtungen, viele mit kleinem Vorplatz mit Bäumen und Bänken zum kontemplativen Verweilen oder einfach nur zum Ausruhen. Ob vom Ambiente um die Glaubenszentren auch ein wenig auf die Umgegend abstrahlt, mag jede*r selbst entscheiden.

Die magische Anziehungskraft ist jedenfalls nicht zu bestreiten, sind sie doch auch Orte der Begegnung. Zu Zeiten von Corona zumeist der Begegnung mit sich selbst. Doch immerhin ist jetzt der Frühling in Sicht. Diese Tage im März sind oft noch ungemütlich und kalt. Und doch schafft es die Sonne immer wieder, für einige Zeit durch die bedrohlichen Wolkentürme zu brechen. Da fällt es schwer, den ganzen Tag in der Wohnung zu hocken. Und dann noch das Homeoffice! Nicht mal auf dem Weg zur Arbeit gibt es Gelegenheit zum „Auslüften“. Ich weiß, wo ein sonniges Plätzchen zu finden ist, sobald die Wolkendecke aufbricht.

Zum Glück gibt es ja inmitten der Stadt viele verschwiegene, manchmal auch allgemein bekanntere Plätze und windgeschützte Ecken, die mit Bänken oder anderen Sitzgelegenheiten zum sonnenverwöhnten Verweilen einladen. An „meiner“ Kirche sorgt sogar ein Bücherschrank für ständig wechselnde Lektüre. Rund um den Kirchhof bieten Bänke und angekettete Stühle Gelegenheit, sich je nach Wind- und Sonnenrichtung niederzulassen. Auch der Brunnen, ein modern gestaltetes Konstrukt direkt in der Platzmitte, wird regelmäßig als Sitzmöbel entfremdet.

Am schönsten ist es jetzt im kühlen Frühjahr, direkt an der sonnenbeschienen Kirchenwand zu sitzen. Meistens ist noch eine Bank dort frei. Nur direkt zur Mittagspausenzeit können die besten Plätze knapp werden. Dann hat auch der Kiosk gegenüber mit seinem Coffee to Go und belegten Brötchen Hochkonjunktur. Oft kommen Mitarbeiter*innen aus den anliegenden Büros her, nehmen ihren Imbiss im Freien ein. Der Platz ist beliebt, ein richtiger Insider-Tipp. Samstags trifft sich hier am Brunnen auch immer dieselbe Clique. Dass gleichzeitig einige Obdachlose immer wieder auf einer bestimmten Bank am Rand sitzen, stört weder die Gottesdienstbesucher, die manchmal draußen vor der Kirche gemeinsam singen, noch die Eltern, die mit ihren Kleinsten gern am Brunnen verweilen.

Und wenn sich auf der engen Kehre, die die Calenberger Straße zur Archivstraße hin macht, zwei entgegenkommende Busse verkeilen, ist das eine willkommene Abwechslung in dieser sonst eher ruhigen Ecke.

Im Sommer stand hier sogar manchmal ein Eisverkäufer mit einem Lastenrad. Auch wenn die Calenberger Straße längst nicht mehr so belebt ist wie zu vor-Corona-Zeiten, als noch der Flohmarkt am Hohen Ufer aktiv war, gehört sie zu den beliebten Verbindungswegen zwischen Linden und dem Stadtzentrum. Mein Lieblingsort ist also beides. Ein Rückzugsort und trotzdem Mitten-im-Leben.

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