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Gedenken an den Anschlag in Hanau im Februar 2020_Gedenktafel

Gedenken an Hanau

“Die Opfer müssen sichtbar werden“

Bundesweite Kundgebungen zum Jahrestag des rassistischen Anschlags am 19.02.2020 in Hanau.

  Claudia Ermel | 21.02.2021

Am 19.02. jährte sich der Anschlag von Hanau, bei dem der Täter aus rassistischen Motiven neun Menschen ermordet und sechs weitere zum Teil schwer verletzt und anschließend seine Mutter umgebracht hat, bevor er sich selbst tötete.

Angehörige der Opfer, Überlebende und Unterstützer*innen haben ein Versprechen abgegeben: „Nie zu vergessen und nie zu vergeben. Solange nicht lückenlos aufgeklärt wird, solange nicht endlich Konsequenzen gezogen werden und es Gerechtigkeit gibt, solange werden wir nicht aufhören zu kämpfen.“

Der Jahrestag war bundesweit Anlass, dieses Versprechen aufzugreifen und der Toten des rassistischen Anschlags zu gedenken. In vielen Städten wurden im öffentlichen Raum Plakatwände mit den Fotos der Opfer installiert. Die Initiative 19. Februar Hanau, die sich aus den Angehörigen gegründet hatte, rief auch in Hannover - im Verbund mit anderen Initiativen - mit der Parole „Kein Vergeben - Kein Vergessen" dazu auf, sich an die Toten des rassistischen Anschlags zu erinnern. Am Freitagnachmittag des 19. Februars startete eine Demo mit Kundgebungen in Linden. Anschließend ging der Demonstrationszug mit zeitweise ca. 1000 Teilnehmer*innen gen Steintor zur Abschlussveranstaltung. Zahlreiche Organisationen, unter ihnen auch der Flüchtlingsrat Niedersachsen, forderten eine lückenlose Aufklärung der rassistisch motivierten Vorkomnisse und gemahnten an ein ehrerbietiges Gedenken der unschuldigen Opfer.

Fremdenfeindlichkeit?

"Die Opfer waren keine Fremden!" hatte der Oberbürgermeister von Hanau bei öffentlichen Anlässen im Anschluss an das Attentat mehrmals gerufen. Dennoch hatte der Täter sich gezielt Menschen ausgesucht, die für ihn "fremd" aussahen. So etwas wird auch als Racial Profiling bezeichnet. "Wir werden Ziel, weil wir aussehen, wie wir aussehen", meinte ein Befragter in einem Videointerview.

Unter dem Hashtag #saytheirnames wollen die Initiatoren nun im ganzen Land gemeinsam den Opfern ein wenig Unsterblichkeit verleihen. Der Jahrestag ist jeweils bundesweit Anlass, dieses Versprechen aufzugreifen und Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov zu gedenken und den Angehörigen, Freund*innen und Unterstützer*innen solidarisch beizustehen. Der Jahrestag des Anschlags von Hanau soll aber auch gleichzeitig Anlass dazu sein, allen, die von rassistischen und antisemitischen Angriffen betroffen und bedroht sind, Solidarität zu zeigen. Eine Videodokumentation sowie eine umfangreiche Liste aller Orte, an denen Kundgebungen zum „Gedenken an Hanau“ stattfinden sollten, sind im Internet verfügbar.

Rassismus tötet - Hanau ist überall

Einmal mehr hat dieser Vorfall gezeigt, worin der omnipräsente Alltagsrassismus münden kann. Vor einem Jahr, acht Tage nach dem Anschlag, bezeichnete Innenminister Boris Pistorius in einem persönlichen Gespräch mit den Vorstandsmitgliedern des Integrationsrats Niedersachsen, Galina Ortmann und Dang Chau Lam, „den rechtsradikalen Terrorismus als die größte Bedrohung unserer Demokratie.“

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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