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IQ Projekt-Plakat

Anerkennungsverfahren / Teil 2

GABRIELA – Trotz Studiums sind lange Zeit keine guten Arbeitsplätze zu bekommen

Drei mutige junge Frauen berichten über ihre Erfahrungen.

  Redaktion Welt-in-Hannnover | 17.12.2020

kargah e.V. ist seit 2019 Teil des landesweiten IQ-Netzwerkes (Integration durch Qualifizierung) und bietet Qualifizierungsberatungen im beruflichen Anerkennungsverfahren speziell für zugewanderte Frauen mit ausländischen Bildungs- und Berufsabschlüssen an. In ihrer täglichen Arbeit begleiten die Mitarbeiter*innen des Vereins die Frauen ein Stück ihres Weges und hören viele bewegende und aufschlussreiche Geschichten, die sie der Öffentlichkeit gern zugänglich machen möchten.

Alle Frauen, die hier zu Wort kommen, möchten anonym bleiben und werden nur mit dem Vornamen oder einem erfundenen Namen benannt.

Gabriela ist 27 Jahre alt und kam 2018 allein nach Deutschland, um als Au-Pair in einer deutschen Familie zu arbeiten. In ihrem Heimatland Kolumbien hat sie Industriedesign studiert und in diesem Bereich bereits gearbeitet. Neben der Thematik einer beruflichen Perspektive in Deutschland, brachte Gabriela einige Fragen zu ihrer aufenthaltsrechtlichen Situation mit in die Beratung. Da sie momentan als Studentin in Deutschland eingeschrieben ist und darüber eine Aufenthaltserlaubnis hat, darf sie nur in begrenztem Stundenumfang arbeiten, was ihr Vorankommen in beruflicher Hinsicht erschwert.

Seit wann leben Sie in Deutschland und wie haben Sie die Zeit seitdem erlebt (was haben Sie gemacht, was war dabei schön/schwer/anstrengend/)?

Ich wohne in Deutschland seit zweieinhalb Jahren. Im Juni 2018 bin ich als Au-pair angekommen und habe bei einer deutschen Familie fast 2 Jahre gearbeitet und gewohnt. Dank dieser Familie konnte ich mehr über diese neue Kultur erfahren und habe mich nicht alleine gefühlt, weil diese Familie sehr nett zu mir war und mir in verschiedenen Situationen geholfen hat.

Natürlich gab es Schwierigkeiten, z.B war es für mich schwer nur mit meinem Au-pair-Taschengeld zu leben (ich hatte keine Hilfe von meinen Eltern in Kolumbien und keine Bekannten hier in Europa). Die Deutsch-Kurse waren zu teuer für mich. Am Anfang waren ohne gute Deutschkenntnisse solche Themen wie Visum, Arbeitserlaubnis oder die deutsche Bürokratie kompliziert zu verstehen und ich hatte Angst, nicht ganz klar damit zu kommen.

Welchen Beruf haben Sie in Ihrem Heimatland gelernt und welche Arbeit haben Sie dort gemacht?

In Kolumbien habe ich Industriedesign studiert und habe als Produkt- und Grafikdesignerin gearbeitet.

Hatten Sie vor Ihrer Einreise nach Deutschland Informationen zum Arbeiten / dem Anerkennungsverfahren in Deutschland? Wie haben Sie sich in Deutschland beruflich orientiert?

Ich wusste, dass ich gute Deutschkenntnisse haben muss, um einen Job oder einen Platz an der Universität zu bekommen. Es war mir klar, dass der Abschluss meines Studiums in Kolumbien von Anabin anerkannt werden muss aber ich wusste nicht wie, weil die Informationen online nicht so klar sind. Ich habe mehr Informationen in der Gruppe ‘Latinos in Hannover‘ auf Facebook gefunden und einem Beratungstermin bei Kargah erhalten.

Welche beruflichen Erfahrungen haben Sie bisher in Deutschland machen können? (Wie bewerten Sie diese?)

Ich habe hier nur Minijobs gefunden, wie Baby-, Katzen- oder Hundesitter, Kellnerin und als Putzfrau. Die Erfahrungen waren interessant, aber nicht immer die besten. Ich musste viel arbeiten und verschiedene Arbeitsplätze akzeptieren, die nichts mit meinem Studium zu tun hatten. Außerdem sind leider viele dieser Arbeiten nicht gut bezahlt, einige sogar unter dem Mindestlohn. Ich habe versucht zu lernen, immer das Beste aus jedem Moment herauszuholen, alles ruhig anzugehen und zu glauben, dass diese schwierigen Momente nicht für immer sein werden.

Welche Wünsche haben Sie für Ihre Zukunft in Deutschland?

Ich würde gerne einen Master absolvieren, eine gute Arbeitsstelle als Designerin finden und finanzielle Stabilität haben.

Ausblick: Gabrielas Wunsch ist es, eine Arbeit als Industriedesignerin in Deutschland aufzunehmen und perspektivisch in Deutschland bleiben zu können. Die Voraussetzung dafür ist ein Berufsabschluss sowie eine Arbeitsstelle, die den Lebensunterhalt sichert. Im Rahmen der Beratung konnte Gabriela eine Zeugnisbewertung des Kultusministeriums für ihren kolumbianischen Abschluss erhalten, wodurch sie als „Fachkraft“ gilt. Nun fehlt noch eine entsprechende Arbeitsstelle, damit Gabriela einen gesicherten Aufenthalt für die Arbeit in Deutschland erhalten kann.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover