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IQ Projekt-Plakat

Anerkennungsverfahren / Teil 1

Hanan Ein anstrengender Weg, der viel Geduld erfordert

Drei mutige junge Frauen berichten über ihre Erfahrungen.

  Redaktion Welt-in-Hannnover | 14.12.2020

kargah e.V. ist seit 2019 Teil des landesweiten IQ-Netzwerkes (Integration durch Qualifizierung) und bietet Qualifizierungsberatungen im beruflichen Anerkennungsverfahren speziell für zugewanderte Frauen mit ausländischen Bildungs- und Berufsabschlüssen an. In ihrer täglichen Arbeit begleiten die Mitarbeiter*innen des Vereins die Frauen ein Stück ihres Weges und hören viele bewegende und aufschlussreiche Geschichten, die sie der Öffentlichkeit gern zugänglich machen möchten.

Alle Frauen, die hier zu Wort kommen, möchten anonym bleiben und werden nur mit dem Vornamen oder einem erfundenen Namen benannt.

Hanan - Ein anstrengender Weg, der viel Geduld erfordert

Hanan ist 36 Jahre alt und 2015 gemeinsam mit Ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland gekommen. Sie hat einen Aufenthaltstitel als anerkannter Flüchtling und darf damit uneingeschränkt arbeiten. Obwohl ihr Abschluss im Bereich Wirtschaft und Verwaltung keiner Reglementierung unterliegt, hat sie die Gleichwertigkeit als Kauffrau für Büromanagement beantragt und eine Teilanerkennung erhalten. Damit konnte sie einen Praktikumsplatz finden, den sie aufgrund der veränderten Lage durch COVID-19 nach wenigen Monaten verlor, weshalb sie sich an unsere Beratungsstelle wandte.

Seit wann leben Sie in Deutschland und wie haben Sie die Zeit seitdem erlebt (was haben Sie gemacht, was war dabei schön/schwer/anstrengend/)?

Seit 2015 lebe ich mit meiner Familie in Deutschland und habe zahlreiche Sprachkurse absolviert, sodass ich mittlerweile über das Sprachniveau C1 verfüge.

Das war natürlich nicht einfach, am Anfang war alles schwer, weil ich kein Deutsch sprechen konnte. Besonders schwierig war, dass ich den Kindern nicht helfen konnte, als sie in der Schule waren.

Ich wusste nicht was sie brauchen. Das System hier ist ganz anders als bei uns.

Es war schön, dass wir eine deutsche Familie kennengelernt haben, die hat uns sehr geholfen, z.B. als die Schule anfangen hat, die haben sie uns gezeigt, welche Materialien wir kaufen mussten, die waren sehr hilfreich.

Anstrengend für mich war, als ich nach Hannover umgezogen bin und eine Wohnung gesucht habe.

Kurz danach hatte mein Mann einen Unfall, da musste ich mich um alles kümmern.

Welchen Beruf haben Sie in Ihrem Heimatland gelernt und welche Arbeit haben Sie dort gemacht?

In Syrien habe ich 2004 eine Berufsausbildung im Bereich Wirtschaft, Handel und Buchhaltung beim Handelsinstitut Aleppo erfolgreich abgeschlossen.

Ich habe vier Monate Praktikum bei der Commercial Bank of Syria in Qamischly gemacht. Kurzfristig habe ich als Mitarbeiterin im Familienbetrieb die Buchhaltung gemacht, danach kam ich in Mutterzeit.

Hatten Sie vor Ihrer Einreise nach Deutschland Informationen zum Arbeiten / dem Anerkennungsverfahren in Deutschland? Wie haben Sie sich in Deutschland beruflich orientiert?

Vor meiner Einreise nach Deutschland hatte ich keine Informationen zum Arbeit oder zum Anerkennungsverfahren hier in Deutschland.

Beruflich hätte ich gerne in meinem Bereich gearbeitet, deswegen habe ich viele Leute gefragt, ob ich meine Zertifikate anerkennen lassen kann, manche haben gesagt, dass das schwierig ist und andere haben gesagt, dass ich die Möglichkeit habe, die Anerkennung zu bekommen.

Über die IHK Hannover ist meine Berufsausbildung für Deutschland teilweise als gleichwertig anerkannt. Dafür benötige ich aber noch ein Berufspraktikum, um die Prozesse und Strukturen der deutschen Verwaltung und Buchhaltung zu erlernen.

Welche beruflichen Erfahrungen haben Sie bisher in Deutschland machen können? (Wie bewerten Sie diese?)

Ich habe zwei Monaten Praktikum beim Albertinum Seniorenwohnstift gemacht. Ich habe mein Praktikum abgebrochen, weil ich es während der Corona Situation leider nicht weitermachen konnte.

Seitdem suche ich einen Praktikumsplatz, bis jetzt habe ich leider keinen Platz gefunden. Zurzeit besuche ich einen ECDL Kurs, um mein Wissen in diesem Bereich zu verbessern. Ich finde es toll, wenn man hier lebt, dann muss man sich in die Gesellschaft gut integrieren.

Welche Wünsche haben Sie für Ihre Zukunft in Deutschland?

Ich wünsche mir, dass meine Zeugnisse in Deutschland voll anerkannt werden und ich einen guten Job finden kann.

Ausblick: Durch die Absolvierung eines zehnmonatigen Praktikums könnte Hanan die volle Gleichwertigkeit ihres syrischen Abschlusses erhalten. Dies würde ihre Chancen, eine Anstellung als Kauffrau für Büromanagement zu finden, enorm verbessern. Leider erschwert die aktuelle Pandemiesituation die sehr, weshalb Hanan bisher keinen Platz finden konnte. Aktuell besucht sie einen geförderten ECDL-Kurs (Europäischer Computerführerschein) und bewirbt sich weiter.

Hinweis: Falls Sie dies lesen und einen Praktikumsplatz für Hanan vorschlagen können, bitten wir um Rückruf in unserer Redaktion unter Telefon: (0511) 1658 1669

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover