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Edward Snowden_Permanent Record_Buchcover

Snowden-Autobiografie

„Permanent record“ – Lebensgeschichte eines Whistleblowers

Der Mann lebt heute in Moskau. 2013 enthüllt er die Massenüberwachung im Netz durch Geheimdienste. Jetzt hat Edward Snowden ein Buch über sein Leben vorgelegt.

  Wolfgang Becker | 09.12.2020

Das Foto des jungen Mannes mit müde-traurigen Augen hinter einer rechteckigen Randlos-Brille und mit Dreitagebart kennt wohl jeder. 1983 in North Carolina (USA) geboren, entwickelt Edward Snowden schon als Kind mit Game Boy und Videospielen große Begabung am Umgang mit Computern und später auch dem Internet. Schließlich landet er als Systemingenieur über verschiedene Consultingfirmen bei den mächtigen Geheimdiensten CIA (Central Intelligence Agency) und NSA (National Security Agency). Als Teil der US-amerikanischen „Intelligence Community“ lernt er dort Überwachungsprogramme kennen, die jede digitale Kommunikation weltweit kontrollieren können. Mit dabei: Die mit den Amerikanern verbündeten Geheimdienste der sogenannten „Five Eyes“ und auch hierzulande der Bundesnachrichtendienst BND. Sogar Angela Merkels Handy wird abgehört.

Im Mai 2013 zieht Snowden die Reißleine, der Gewissensdruck im Job war zu groß geworden. Mit vier Laptops und einer Festplatte im Gepäck besteigt er in seinem Wohn- und Arbeitsort auf Hawaii ein Flugzeug und fliegt nach Hongkong. Die Flucht des Geheimnisträgers ist gut vorbereitet, nicht einmal seine Lebenspartnerin Lindsay ist eingeweiht. Nach tagelangem, zermürbendem Warten vertraut er sich in einem Hotelzimmer in Hongkong einer Dokumentarfilmerin und einem Journalisten an. Deren Berichte über Programme zur Massenüberwachung der Menschheit sorgen weltweit für Schlagzeilen. Nach seinen Enthüllungen will sich Snowden ins Exil nach Ecuador absetzen. Doch es kommt anders. Beim Zwischenstopp in Moskau wird er auf dem Moskauer Flughafen festgesetzt. Er kann nicht weiterfliegen, weil das US-amerikanische Außenministerium seinen Pass gesperrt hat.

Putins Russland gewährt ihm schließlich Asyl, obwohl Snowden eine Kooperation mit dem russischen Geheimdienst FSB ablehnt und seine sämtlichen Computer-Daten vorausschauend gelöscht hat. Während ihn die US-Regierung per Haftbefehl zur Fahndung ausgeschrieben hat, lebt Edward Snowden weitgehend unerkannt in einer Moskauer Drei-Zimmer-Wohnung und tut das, was er nach eigenem Bekunden am besten kann: Am Computer arbeiten. Er ist Mitglied der „Freedom of the Press Foundation“ und hat für seinen Dienst an der Öffentlichkeit mehrere Preise erhalten, darunter den Alternativen Nobelpreis und die Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte. In Moskau heiratet er seine große Liebe Lindsay, die ihm in das Exil gefolgt war und schrieb 2019 seine Lebensgeschichte auf. Der Titel: „permanent record“ – die Übersetzung aus dem Amerikanischen erschien im Oktober 2020 bei Fischer als Taschenbuch.

„Egal wo, egal wann und egal, was Du tust: Dein Leben ist zu einem offenen Buch geworden.“ Auf 430 spannenden Seiten resümmiert Whistleblower Snowden sein Leben und die Arbeit von und mit den Geheimdiensten. „Die Massenüberwachung war ein ständiger Begleiter des täglichen Lebens geworden. Und ich wollte, dass die damit verbundenen Gefahren und der Schaden, den sie bereits angerichtet hatte, sich ebenfalls als ständiger Begleiter im öffentlichen Bewusstsein verankerten. Mit meinen Enthüllungen gegenüber der Presse wollte ich dieses System bekanntmachen, seine Existenz als eine Tatsache offenbaren, die mein Land und die Welt nicht mehr ignorieren konnten.“

„Was unsere intimsten Daten, unsere genetischen Information, angeht: Falls wir zulassen, dass sie zu unserer Identifikation verwendet wird, dann wird sie auch verwendet, um uns zu betrügen, ja, uns zu modifizieren, das innerste Wesen unseres Menschseins nach dem Bild der Technologie, die nach Kontrolle der Menschheit strebt, neu zu erschaffen. Selbstverständlich ist all dies bereits geschehen,“ sind Snowdens Schlussworte: „Wenn wir den Anspruch auf unsere Daten jetzt nicht zurückfordern, wird es für unsere Kinder vielleicht zu spät sein.“

Edward Snowden "Permanent Record", übersetzt von Kay Greiners, Fischer Taschenbuch-Verlag, ISBN: 978-3-596-70069-1, 432 Seiten, 12 €.

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