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Breaking News 1

Vernissage

Mal andersherum denken

Per Livestream aus dem kargah-Kiosk präsentierte Tariq Alsaadi die Bilderausstellung zu seinem Buch „Breaking News“.

  Claudia Ermel | 12.12.2020

Tariq Alsaadi (geboren 1992 in Syrien) studierte Kunst in Damaskus und flüchtete 2015 nach Deutschland. Hier studiert er jetzt Design in Münster, hatte unterdessen schon mehrere Ausstellungen und gibt auch künstlerische Workshops. In seinen Illustrationen setzt er sich mit Geschlechterrollen, LSBTQ+, Frauenrechten, Menschenrechten, Rassismus auseinander und hinterfragt Fleischkonsum, Schlankheitswahn und andere Erscheinungsformen der Konsumgesellschaften.

Zurzeit steht Tariq kurz vorm Bachelorabschluss seines Designstudiums. Die aktuelle Ausstellung, die gleichzeitig ein Buch, eine Fernsehshow und eine Präsentation von Plakaten ist, entstand mitten im Corona Lockdown. Daher gehört auch Corona - in Form eines niedlichen Tiers - zu den Protagonist*innen der Geschichte Breaking News. Das Besondere - manchmal geradezu Verstörende - an Tariqs verarbeiteten Themen ist eine jeweils umgekehrte Weltsicht. Mit teils absurden Darstellungen rüttelt er die Betrachter*innen auf, stellt Missstände an den Pranger und will vor allen Dingen zum Nachdenken anregen.

Tariq Alsadi
Tariq Alsaadi
Tariq Alsadi
Tariq Alsaadi

Breaking News – Die ganze Welt steht Kopf

In seinem heute präsentierten Buch berichtet die fiktive Moderatorin Laila in der Fernsehshow Breaking News von verschiedenen Ereignissen in einer Welt, die genau „andersherum“ ist. Die Darstellung aus völlig ungewohnter, kontroverser Perspektive bietet Möglichkeiten an, einmal ganz anders zu denken und zu werten.

Mit schwarzem Humor gegen die Absurdität von Ungerechtigkeiten

Bei Breaking News essen Tiere Menschenfleisch, Heterosexuelle sind in Gesellschaften die Minderheit. Hungernde Europäer fliehen nach Afrika und stranden vor geschlossenen Grenzen. Sexuelle Gewalt gegen Männer nimmt Überhand und Models müssen möglichst dick sein. "Mittels schwarzem Humor konfrontiert Alsaadi das Publikum mit der Grausamkeit und Absurdität von Ungerechtigkeit. Die Illustrationen provozieren und spielen bewusst mit dem noch Aushaltbaren. Die Ausstellung konfrontiert jede und jeden unweigerlich mit der Frage, ob sie/er nicht auch von den herrschenden Machtverhältnissen und der daraus resultierenden Ungerechtigkeit in unserer realen Welt zumindest teilweise profitiert.“

Vernissage online inclusive Chat

Am 3. Dezember ist es endlich soweit. Wegen Corona findet die Vernissage allerdings ohne Besucher*innen statt. Doch im Livestream können alle den Künstler kennenlernen, im zugeschalteten Chat sind Fragen aus dem Publikum möglich. Ein Interview mit Tariq wurde bereits am Vortag aufgezeichnet und wird nun zur Online-Vernissage, zugeschaltet. Hier das Interview.

Schon als Kind gern gezeichnet

In dem Interview mit Dimitrij Czepurnyi (Welt-in-Hannover) erzählt Tariq, dass er bereits in Syrien seit seiner Kindheit gezeichnet hat. Gleichzeitig habe er sich ständig Geschichten ausgedacht, die er mit seinen Bildern illustrierte. Neben dem Studium und der Arbeit an den Illustrationen zu seinen Buchprojekten gibt der junge Künstler auch Workshops, in denen er mit den Teilnehmenden die unterschiedlichsten Materialien ausprobiert. In seinen Workshops rege er immer zu Experimenten an, bei den Themen und auch den verwendeten Materialien, erzählt der Künstler. Tariq empfiehlt allen, ungewöhnliche Ideen auch umzusetzen. „Ich liebe die Freiheit! Manche haben Angst, sich auszudrücken. Ich versuche, ihre Ideen zu wecken und sie zu ermutigen."

Provozieren durch Tabuthemen?

Auf seine teilweise provokative Darstellung von Tabuthemen angesprochen, sagt Tariq, es gehe ihm vor allen Dingen darum, dass die Menschen neue Sichtweisen erproben, nichts als gegeben hinnehmen, Gewohntes in Frage stellen. Auch Genitalien seien ja Körperteile wie jedes andere, er wolle mit der Darstellung nicht provozieren, sondern alles eben zeigen, wie es ist.

Bei Dimitrijs Frage nach seinen Plänen für die Zukunft legt der Künstler sich noch nicht endgültig fest. Nächsten Sommer sei jedenfalls erst einmal sein Bachelor geplant, für Breaking News müsse er noch einen Verlag finden, seine Workshops werde er ebenfalls weiter anbieten.

Auf Nachfrage im Chat erfahren Interessierte, dass bisher das Buch auf Anforderung im handlichen Format ausgedruckt werden kann (ca Din A 5). Die einzelnen Seiten aus der Ausstellung sind außerdem als einzelne Plakate zu erwerben. Je nach Plakat ist der Preis zwischen 30.-€ und 50.-€. Anfragen bitte direkt an Tariq über tariq929sdi@gmail.com.

Ausstellungsrundgang im Livestream

Beim abschließenden Rundgang durch die Ausstellung erzählt der Künstler schließlich zu jedem einzelnen Bild kurz, was zu sehen ist. Als er zum Abschluss schließlich von Dimitrij gefragt wird, was er sich für das Jahr 2021 wünscht, ist verständlicherweise das Ende der Pandemie die Antwort. Die Finisage Ende Januar, ganz offline als Präsenzveranstaltung ist bereits geplant.

Am Ende der Vernissage grüßt Tariq noch seine arabischsprachigen Fans in seiner Muttersprache.

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