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Portrait

„One of the most unpopular and more and more unloved Presidents..."

Die US-Amerikanerin Jeanne lebt seit 15 Jahren in Europa, tritt als Performancekünstlerin auf und doziert an der Hochschule Hannover darüber, wie Identität unsere Kommunikation beeinflusst

  Claudia Ermel | 24.02.2018

Als „Lehrkraft für besondere Aufgaben“ im Language Center der Hochschule Hannover findet Jeanne Hamilton immer wieder Gelegenheit, die ihr wichtigen Themen wie Kunst, Gender und Performance in die unterschiedlichen Lehrveranstaltungen einfließen zu lassen. Dass Sprache und Identität einen großen Einfluss auf die Kommunikation zwischen Menschen haben, setzt sie gerade in ihrem aktuellen Kurs ein. Ein sehr ergiebiges Thema übrigens für ihre Auftritte als Performancekünstlerin sowie als Sprachlehrerin. Dadurch, dass Jeanne unterdessen in China, Ungarn und Deutschland studiert und ihre Muttersprache unterrichtet hat, ist ihr Blick dafür, wie Menschen sich darstellen, geschärft. Die heute 40-Jährige aus Memphis beobachtet zurzeit besonders kritisch, wie manche Leute aufdringlich ihr „Recht auf Information“ einfordern. Dies wurde ihr sehr bewusst, als sie sich vermehrt in einem Umfeld bewegte, in dem Geflüchtete, die ja oft traumatisiert sind, regelrecht von ihren Mitmenschen ausgefragt wurden.

Kunst als Diskurs über die Gesellschaft und das Leben
Dies ist nur eine von vielen Fragen im menschlichen Miteinander, denen die überzeugte Feminist*in sich nicht nur in ihrem Arbeitsumfeld an der Hochschule Hannover sondern auch in ihrer Kunst beschäftigt. Wie viele Künstler*innen sucht Jeanne die unterschiedlichsten Formen des Ausdrucks: Ausstellungen von Bildern und Skulpturen ebenso wie Performances, bei denen sie – oft gemeinsam mit anderen – Situationen des Alltags beleuchtet, enttarnt oder auch verfremdet. Auch geschrieben hat sie immer wieder, meist journalistische Texte in ihrer Muttersprache, je nachdem, was sie gerade für einen Job hatte.

Dabei fing alles ganz gutbürgerlich und bodenständig an. In Washington DC geboren, studierte sie als junge Frau in Chicago. Als der Vater der damals gerade 18-Jährigen starb, endete das „sichere“ Familienleben. Die USA griffen zudem 2003 den Irak an und Jeanne wollte sich dieser Politik verweigern, keinen Krieg mit ihren Steuergeldern finanzieren. Also ging die US-Amerikaner*in erst einmal ganz weit weg, nach Shanghai, wo sie zwei Jahre lang blieb. Hier unterrichtete sie an einem chinesischen Gymnasium Englisch und Kunst und schrieb Artikel über Kunst und Kultur für zwei Zeitschriften.

*Über Ungarn nach Hannover*
Da Jeanne ihren Studienabschluss noch machen wollte, wechselte sie nach Budapest, wo sie ihren Master of Arts in Gender Studies an der Central European University (CEU) gemacht hat. Als die junge Frau dann 2008 – ursprünglich wegen einer Liebe – nach Hannover zog, kannte sie Deutschland bereits. In jüngeren Jahren war die engagierte Bühnenkünstler*in viel in Europa herumgereist. Und die deutschen Künste und Kunstgeschichte begeisterten sie schon lange. Sie absolvierte ein Praktikum bei der Kestner Gesellschaft und ist heute Mitglied bei GEDOK , ATGENDER und feinkunst e.V.

Nach vielen Zeitverträgen bei diversen Projekten an der Leibniz Universität erhielt Jeanne schließlich die Stelle am Language Center der Hochschule Hannover (HsH). Hier bietet sie Lehrveranstaltungen wie eingangs beschrieben an. Manchmal engagiert sie sich aber auch bei den Sprachtandems oder gibt einfach Englischunterricht. Da die US-Amerikanerin bereits in Shanghai ihre Muttersprache unterrichtet hat, beherrscht sie diese Lehrtätigkeit auch ohne entsprechenden Studienabschluss. Dass Jeanne hier an der HsH nun auch Geflüchteten aus Syrien begegnet, schmerzt sie besonders. Noch 2009 war sie auf Besuch in Aleppo und Damaskus, konnte die beeindruckenden kulturhistorischen Stätten bestaunen: „Dass ich das noch sehen durfte, ist eine Bereicherung.“

Heimat
Jeannes Heimat ist weit weg – wie die der Flüchtlinge. Auch sie fühlt sich ihren Wurzeln noch verbunden. Ende letzten Jahres flog sie daher für ein paar Wochen nach Hause, um ihrer kleinen Tochter die Oma vorzustellen. Jeanne ist sich seit langem sehr bewusst, was für Privilegien sie als US-amerikanische Frau aus der weißen Mittelschicht genießt, indem sie sich z. B. jährlich einen Hin- und Ruckflug in die USA leistet.

Welche Identitäten die nächste Performance von Jeanne Hamilton und ihrem Team TheModernDoor darstellen wird, verrät sie aber noch nicht. Geplant sind einige Aufführungen in Hannover, wahrscheinlich in der Faust Ateliergemeinschaft oder einer anderen Location, wo sie bereits Menschen kennt, die ein ähnliches Verständnis von Kunst und Formen des Ausdrucks haben wie sie. Jeanne sucht noch nach weiteren unkonventionellen Veranstaltungsorten.

Sobald mehr Details geklärt sind, werden wir Termine und Orte in unserem Veranstaltungskalender veröffentlichen.
*Auf besonderen Wunsch* der Künstler*in haben wir das erweiterte Gendern in diesem Text über sie angewandt.

*Webseiten:*
jeannehamilton.wordpress.com/
themoderndoorgroup.bandcamp.com/music
themoderndoorshow.blogspot.de

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Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover