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Tangotanzende (PixaBay)

Zwischenruf

Engtanz zu Corona-Zeiten

Sie tanzten Tango - am 12.09.2020 auf dem Küchengartenplatz.

  Martin Tönnies | 16.09.2020

Es war freilich recht schön anzusehen, das Spektakel am Küchengartengartenplatz, am vergangenen Samstag. Ein Dutzend Menschen hatten sich zusammen gefunden und tanzten Tango. In Zeiten Coronas allerdings ein gespenstisches Bild. Zumal an jenem Tag „Corona-Leugner:innen“ und „Abstands-Ignoranten“ durch Hannover gezogen waren, musste man davon ausgehen, dass die Zusammenkunft als bewusste Provokation angelegt war.

Meine Anfrage innerhalb einer „Lindener“-Facebook-Gruppe bezüglich der Tango-Aktion brachte dann Klarheit: Die offiziellen Tangoeinrichtungen Hannovers haben damit rein gar nichts zu tun . Eine im Verein organisierte Tango-Tänzerin gab bekannt, dass „die offiziellen und bekannten Tangoschulen alle Hygiene- und Abstandsregeln einhalten“ - und dass die „Gruppe am Küchengarten“ privat organisiert wäre. Sie dürfe „keinesfalls mit den professionellen Veranstaltern in einen Topf geworfen werden“.

Soweit, so geklärt.

In meinen Augen auffällig und beängstigend hingegen war die Diskussionslogik, mit der einige Mitglieder der Facebook-Gruppe jeden „Provokationscharakter“ von Vorne herein abzuschmettern versuchten. „Das waren Tangotänzer!“ schallte es mir zu Beginn entgegen, offenbar mit der Absicht, den Lesenden vor Augen zu führen, dass die Brisanz solcher Hotspots wie am Küchengarten sofort geringer ausfällt, sobald ein Verein dahinter steht. Das ist natürlich Blödsinn und mitunter eine gefährlich Denke. Ich fühlte mich schmerzlich an eine „Elefantennummer“ auf dem Schützenplatz im Jahr 2015 zurück erinnert, bei der meine Traurigkeit über die Tierquälerei von meinem Bekanntenkreis mehrheitlich quittiert wurde mit Einwänden wie „Das ist doch Zirkus Krone, das machen die doch hier jeden Tag!“

Ich komme für mich zu dem Schluss, dass es sich durchaus lohnt, weiterhin wachen Auges scheinbar Selbstverständliches gelegentlich mal zu hinterfragen – auch, wenn es vielleicht zunächst hübsch ausschaut.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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