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Faust TV erste Mai Bild 2

Feiern trotz Corona

Internationales 1. Mai-Fest bei FAUST TV: umsonst und drinnen!

Zum ersten Mal wurde der Tag der Arbeit in ganz Deutschland digital gefeiert. Das neue FAUST TV sendete vier Stunden lang Musik- und Wortbeiträge.

  Claudia Ermel | 03.05.2020

Foto: Screenshot mit Luna Jurado und Jörg Smotlacha


Per Livestream schickten zahlreiche Initiativen und Organisationen ihre Botschaften zum internationalen Tag der Arbeit am 1. Mai 2020 in die ganze Welt. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte sich wegen Corona überwiegend in die virtuelle Welt zurückgezogen und zeigte Interviews und Musikbeiträge aus einem Studio, so dass die vorgeschriebenen Abstandsregeln eingehalten werden konnten. Anstelle der alljährlichen 1. Mai-Demo wurden ab 11:00 Uhr Aufzeichnungen, aber auch Live Gespräche, mit verschiedenen Aktiven gezeigt.

Ab 19:00 Uhr übernahm dann – zumindest für Hannover - FAUST TV die Aufgabe, die Öffentlichkeit an diesen wichtigen internationalen Kampftag der Arbeitenden zu erinnern. Während Jörg Smotlacha und Luna Jurado die Sendung im Wechsel moderierten, hatte Tobias Kunze dieses Mal zwischen den anderen Beiträgen drei Auftritte mit seinen PoetrySlam-Texten, wobei der letzte Beitrag erst direkt während der Sendung entstand.

Eröffnungsrede des 1. Mai-Fests erstmals virtuell

Das diesjährige 1. Mai-Fest des Kulturzentrums eröffnete Ingrid Lange vom FAUST-Vorstand, die Jörg Smotlacha vorab in ihrem Garten besucht hatte, um die Filmaufzeichnung mit ins Studio zu nehmen. Ingrid erinnerte daran, dass es den Internationalen Tag der Arbeit seit 1890 gibt. Dass sie die Eröffnungsrede zum Fest in diesem Jahr nicht analog, sondern nur virtuell halten konnte, war auch für Ingrid eine Premiere. Für das Jahr 2020 gab sie die Parole aus: „Mit Abstand und Anstand kriegen wir DIE KRISE hin!“

Der erste Besucher live im FAUST TV-Studio in der 60er-Jahre-Halle kam dann direkt aus der Nachbarschaft. Der Bezirksbürgermeister von Linden-Limmer, Rainer Jörg Grube, erzählte, wie er gerade DIE KRISE erlebt, im privaten, beruflichen und politischen Alltag. Wobei der ‚Politiker‘ Grube meinte, dass das politische Leben gerade regelrecht „schockgefroren“ sei. Er erzählte von den Schwierigkeiten bei der Organisation von Bezirksratssitzungen, gesetzliche Bedingungen und Vorgaben sowie Einladungsfristen seien gleichzeitig einzuhalten. Hinzu komme, dass ca. 1/3 der Mitglieder zur „Risikogruppe“ gehört. Daher könnten eigentlich keine vollwertigen Beschlüsse mehr gefasst werden. Zur aktuellen Stimmung in Linden meinte Grube, dass die Solidarität in Linden großartig sei. „Ruckzuck gab es mehr Hilfsangebote als -anfragen.“ Die Aktion support your local habe vielen das Signal gegeben: “Ich bin nicht allein!“

Stefanie Reich (ver.di), ebenfalls live m Studio, sprach anschließend ebenfalls über die große Solidarität und das Finden neuer Wege der Gemeinsamkeit. „Wir lassen uns nicht spalten,“ verkündete die Gewerkschaftlerin und sprach über die Arbeitsrealitäten im Gesundheitswesen, aber auch über einen bereits errungenen Schutzschirm für Azubis und über den Klimaschutz.

Klimaschutz ist auch ein Thema für Felix Kostrzewa vom Wissenschaftsladen (WiLa) Hannover, der sein Büro auf dem FAUST-Gelände hat. Der engagierte Umweltaktivist erzählte von den veränderten Schwerpunkten in der Arbeit seines Teams, da Begegnungen nur bedingt möglich sind. Die Arbeit sei zwar gerade ausgebremst, doch fände sich dafür Gelegenheit zum Recherchieren, Bücher lesen, Ideen entwickeln und um neue Konzepte oder Formate zu planen. Die Beschränkungen sollten aber möglichst positiv genutzt werden, meinte der "Chef" vom WiLa, DIE KRISE könne auch eine Chance für die Umwelt sein, da gerade Politik und Wissenschaft näher zusammenrückten. Aktuell laufe zudem gerade im WiLa ein Bewerbungsverfahren für eine neue Kraft, die ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst beim Wissenschaftsladen ableisten möchte. Ausnahmsweise stehe für das Auswahlverfahren gerade richtig viel Zeit zur Verfügung. Außerdem berichtete Felix über das alljährliche Projekt des Wissenschaftsladens Cinema del Sol.

Musik dieses Jahr meist per Videostream

Einspieler der Bands Arrested Denial (Punkrock aus Hamburg), Woodship (Dystopischer Riff-Rock aus Unna), Akne Kid Joe (Punkrock aus Nürnberg), GoDotS (Alternative Rock aus Hannover) und TBA lockerten das Programm auf. Außerdem gab es zwischendurch Videos mit Interviews sowie Videobeiträgen von Amnesty International und Fridays for Future.

Im Video von Amnesty International berichteten einzelne Mitglieder von Amnesty u. a. von sogenannten "Urgent Actions" (Eilaktionen) und verkündeten ihre Teilnahme am diesjährigen Christopher-Street-Day, der online stattfinden soll. Amnesty International wird die Organisator*innen digital unterstützen.

Tag der Arbeit im Iran

Zur politischen Situation am Tag der Arbeit im Iran wurde Peyman Javaher Haghighi von kargah e.V. befragt. „Die Menschenrechtssituation im Iran ist verheerend", lautete der Kommentar des gebürtigen Iraners. „Verstaatlichter Rundfunk, Zensur, keine Frauenrechte, nach China die höchste Hinrichtungsquote. Durch Corona haben sich die Bedingungen nun noch verschlechtert. Im Iran gibt es kaum Streik- und Gewerkschaftsrechte. Aktivist*innen und einige wenige Gewerkschaften kämpfen seit Jahrzehnten, Einzelne werden immer wieder unter Druck gesetzt und inhaftiert.“

Den Abschluss der Interview-Serie bildete eine erneute Videoeinblendung des Besuchs des Moderators Jörg Smotlacha bei Ingrid Lange vom FAUST-Vorstand. Unter dem Motto „Jung und Älter in der KRISE- DIE KRISE gemeinsam bewältigen“ wollte Jörg wissen: „Was macht das gerade mit Dir? Wie gehst Du mit der Situation um?" Ingrid erzählte von der neu entdeckten, erzwungenen „Entschleunigung“. Lesen mache wieder Spaß. Das Telefon habe einen neuen Wert bekommen. Auf die Frage „Was denkst du, wann können wir uns wieder treffen?“ antwortet Ingrid spontan: „2021, auf der Grünen Wiese“. Diese Hoffnung teilt sie mit all den abgesagten Bands und Organisationen, die beim diesjärigen internationalen 1. Mai-Fest eigentlich analog und draußen mitmachen wollten.

Als Abschluss und Live-Act kam Kettenfett (Schmieriger Punkrock aus Hannover) ins Studio, mischte die Veranstaltung ein wenig auf und setzte ein lautstarkes Zeichen: Corona-Lockdown? FAUST gibt nicht auf !

Die gesamte Sendung ist unterdessen auch als Aufzeichnung auf der FAUST- Website zu sehen.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover