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Jana Lissovskaia_Portraitfoto

Interview

Das Theaterprojekt des Tolstoi-Vereins geht in den Endspurt

Im Juni wird das Stück der Schauspielerin, Regisseurin und Theaterpädagogin Jana Lissovskaia auf der Bühne des Schauspielhauses aufgeführt.

  Kathrin Leibmann | 31.01.2020

Jana Lissovskaia wurde in Moskau geboren, ging zur Moscow Art Theatre School MCHAT; nach dem Abschluss arbeitete sie im Kindertheater, später im MCHAT. In der Theaterbranche arbeitete sie bis zum Alter von 35 Jahren, spielte in Filmen mit (u. a. im sowjetischen Kultfilm „Liebe und Tauben“ und in der deutschen Serie „Tatort“). Doch dann verliebte sie sich, heiratete einen deutschen Schauspieler und zog nach Deutschland.

Jana Lissovskaia beantwortete die Fragen des Tolstoi Hilfs- und Kulturwerks Hannover e. V..

Wie verlief deine berufliche Karriere in Deutschland?

Hier musste ich von Null anfangen, die Sprache lernen; ich musste mir die Frage stellen, ob ich meinen Beruf fortsetze oder nicht. Nichtsdestotrotz wollte ich nichts Anderes machen als meinen Beruf. Ich fing an zu schreiben und verfasste zwei Drehbücher, die in einem Hamburger Verlag erschienen sind. Dann spielte ich in Filmen mit und übernahm später die Regie. Zuerst lebten wir in Freiburg, dann zogen wir nach Hannover um, wo ich eine Einladung bekam, im Theater als Gastschauspielerin zu arbeiten. Ab da an wurde ich zu einer Lehrerin, Pädagogin, Autorin, Regisseurin, Schauspielerin im Theater und Kino; ich bin weiterhin in Deutschland aktiv.

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Du hast Erfahrungen mit theaterpädagogischer Arbeit …

So ist es. Vor neun Jahren haben wir in Hannover ein Bühnenstück namens „Utopiemaschine“ vorbereitet, das von der Anpassung der Kinder und Jugendlichen aus Russland und der ehemaligen UdSSR an die neue Gesellschaft handelt: mit welchen Problemen sie konfrontiert sind und ob sie auf Widersprüche und Konflikte mit der äußeren, „deutschen“ Welt und innerhalb der Familie – mit Borschtsch und Pelmeni – stoßen.

Alle Projektteilnehmer*innen brachten ihre eigenen Geschichten mit, das, was sie wertschätzen - und sie wissen, worauf sie stolz sind. Jetzt wollen wir eine Art Fortsetzung dieses Themas machen, aber auf der Bühne wird nur eine Generation stehen: die der in Deutschland geborenen.

Einige von ihnen waren noch nie in Russland. Einige gehören der Gruppe der „Russischversteher“ an, also die, welche die Sprache ihrer Eltern passiv verstehen, aber sie praktisch nicht sprechen. Es gibt auch Jugendliche aus der „jüngeren Emigration“, die vor drei bis vier Jahren hierher eingewandert sind. Sie werden mit dem konfrontiert, dass sie nicht gemocht und nicht verstanden werden, dass sie die Sprache nicht beherrschen, dass sie sich integrieren müssen, Verbundenheit mit dem neuen Ort herstellen müssen, usw. Wir beobachten die Dialektik: Unnötig gewordene Relikte aus der Heimatkultur werden für immer abgeworfen, ähnlich, wie eine Eidechse ihren Schwanz abwirft. An deren Stelle entsteht etwas Neues.

Bitte erzähl uns mehr über die Vorbereitung des Stücks …

Im hannoverschen Theater gibt es einen speziellen Saal, die Volksbühne, auf dessen Bühne genau solche Stücke aufgeführt werden, wie unseres.

Unser Bühnenstück ist eine gemeinsame Produktion des Theaters und des Tolstoi Hilfs- und Kulturwerks e. V. Im Juni hat das Stück Premiere.

Gibt es noch eine Möglichkeit, an dem Projekt teilzunehmen?

Für Jugendliche ab 14 Jahren gibt es noch eine Möglichkeit. Sie sollten sich einer Sache bewusst sein: der Auftritt auf der Bühne ist der Auftritt in die Öffentlichkeit, verbunden mit Konfrontation mit den eigenen Ängsten. Denn es ist so: wenn man Angst bekommt, fühlt man sich unsicher.

Wenn Ihr Euch selbstsicher fühlt und es probieren wollt, könnt Ihr uns kontaktieren und die Möglichkeiten besprechen. Schon bald ist das Drehbuch fertig und wir werden die Rollen verteilen. Deshalb sollten sich diejenigen beeilen, die sich selbst auf der Bühne als Schauspieler/in herausfordern wollen.

Bitte bei Interesse Kontakt mit dem Tolstoi Hilfs- und Kulturwerk aufnehmen:

Mail: info@tolstoi-ev.de

Telefon: (0511) 569 59 207 (Montag bis Freitag 10:00 – 13:00 Uhr)


Foto: Jana Lissovskaia

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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