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Hund am Zaun

Zeitgeist

Grenzenlose Welt

Gedanken über die Bedeutung von Zäunen in unseren "modernen" Gesellschaften

  Claudia Ermel | 03.01.2020

Ich erinnere mich noch, wie wir in meiner Kindheit ganz unbekümmert durch die Gärten hinter unserem Reihenhaus tollten, bevor jede Familie sich schließlich durch einen Zaun von den Nachbarn distanzierte. Später musste ich dann immer ganz offiziell vorne herum an die Haustür gehen, um meine beste Freundin zu besuchen. Obwohl unsere Gärten nur einige Meter auseinander lagen, trennte uns nun ein lästiger Maschendrahtzaun. In meiner kleinen Heimatstadt nahm man es früher sehr genau mit der Abgrenzung. Es gab „wir“, das war meine Familie, und es gab „die anderen“, das war alles Unbekannte, Fremde und daher Bedrohliche.

Mit meiner Schulklasse war ich dann - als abstoßendes Beispiel für uns Kinder- mal in Hohegeiß, wo wir ehrfürchtig vor dem bedrohlichen Zaun standen, der die DDR damals vor uns „schützte“. Ob Frau Merkel sich auch noch daran erinnert, dass ihr Land damals durch Zäune und bewaffnete Grenzposten seine eigenen Bürger an der Flucht hinderte? Ist das für sie kein „Dejá vue“, Menschen an der Flucht zu hindern?

Später, als wir meine Verwandten in Schleswig-Holstein besuchten, sah ich, dass es durchaus auch eine offenere Umgangsweise mit privatem Eigentum gibt. Und dass dort die Menschen viel unbekümmerter und vertrauensvoller miteinander umgingen, ohne dass etwas „Schlimmes“ passierte. Es gab fast gar keine Zäune in den Ortschaften – und das Leben funktionierte anscheinend ebenso reibungslos wie bei uns zuhause.

Als ich dann später in Hannover wohnte, begegnete mir dieses „Leben ohne Zäune“ noch öfter. Überhaupt wurde allmählich im ganzen Land eine offene Gesellschaft modern. Globalismus und offene Grenzen in Europa hatten nicht nur in Hannover eine neue Lebensphilosophie geprägt.

Ob dann die menschliche Gier nach Bodenschätzen, Macht und Geld schließlich zum Auslöser für die erneuten Völkerwanderungen wurden, oder ob doch kompliziertere politische Verstrickungen und Manipulationen durch unterschiedliche Regierungen (auch der unsrigen) letztendlich Schuld waren, sei dahingestellt. Terroristische Anschläge und Kriege hatten gewiss auch ihren Anteil an den neuen Entwicklungen. Die Wohlstandsgesellschaften wollten sich plötzlich lieber wieder vor allem schützen, sich absichern, ihren Status bewahren. Die Philosophie der offenen bunten Mehrheitsgesellschaft, des Buen Vivir und der „Menschenrechte für jeden Menschen“ scheint jedenfalls gerade im kollektiven Bewusstsein zu verdorren wie ein Baum, dem das Wasser abgegraben wurde. Und Voilá: weltweit taucht überall wieder der ZAUN auf. Die USA will sich gegen Mexico damit abgrenzen, Europa gegen die Geflüchteten aus dem Nahen Osten. Sogar Norwegen baut jetzt einen Grenzzaun, um sich gegen Flüchtlinge zu schützen.1000 Kilometer nördlich von Oslo mitten in der Einöde will Norwegen damit die sogenannte „Arktis-Route“ dichtmachen. Und in Marokko versuchen kontinuierlich verzweifelte Menschen, den Zaun nach Spanien zu überwinden.

Das Wort ZAUN scheint plötzlich ein Mantra, eine Lösung gegen sämtliche Probleme und Angriffe auf die vermögende westliche Welt zu sein. Andererseits bewegt sich unser Planet in einem grenzenlosen Weltall. Zeigt das nicht, dass eine intelligente Weltenordnung niemals durch Zäune reguliert werden könnte?

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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