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Ihmezentrum

Brückenkopf der Moderne

Spekulationsobjekt Ihme-Zentrum

Steuert alles auf einen Abriss hin oder wird die Großimmobilie ein „Leuchtturm“ der Kulturhauptstadt Hannover? Stationen einer jahrzehntelangen Kontroverse.

  Wolfgang Becker | 31.12.2019

Bild: Ihmezentrum - 22-geschossige Türme über marodem Basement / Foto Becker 2015

Vom Schwarzen Bären bis zum Küchengarten erstreckt sich auf dem Gelände der ehemaligen Mechanischen Weberei und anderer Fabriken der gewaltige Baukörper des Ihme-Zentrums. Das 1974 im Stil des Brutalismus eingeweihte Großprojekt galt seinen Befürwortern als städtebauliche Dominante und Brückenkopf der modernen City in den zu sanierenden Stadtteil Linden. Der damalige Stadtbaurat, Hanns Adrian, war einer der ersten, der ein Penthouse mit Blick zur hannoverschen Innenstadt und bis zum Deister bezog. Für seine Gegner war das Projekt von Anbeginn an Sinnbild der spekulativen Zerstörung der durch die Industriegeschichte gewachsenen Strukturen. Mit seiner inzwischen abgerissenen Brücke zur Limmerstraße schien das Ihme-Zentrum den Arbeiterstadtteil wie mit einem Fangarm in die Moderne ziehen zu wollen.

Nach mehreren Wechseln der Mehrheitseigentümer verfällt das Großprojekt zusehends. Schon seit Jahren stellt es sich als Bauruine dar. Die Gewerbe- bzw. Handelsbereiche stehen komplett leer. Während Hunderte der kleinen Besitzer von insgesamt 543 Eigentumswohnungen um ihr Zuhause bangen, streiten hinter den Kulissen wechselnde Investoren um ihre Profite.

Auf einer Zwangsversteigerung im Februar 2015 kam es zum bisher vorletzten Eigentümerwechsel: 16,5 Millionen Euro bezahlte die Projekt Steglitzer Kreisel Berlin Grundstücks-Gesellschaft – eine Objektgesellschaft der Berliner Newtown Property Management – an die Gläubiger um die Landesbank Berlin für 83 Prozent der Flächen des Ihme-Zentrums. Intown-Invest – so der neue Name von Newtown – hat sich auf Verwertungen von Großimmobilien spezialisiert. Die weltweiten Verbindungen des Unternehmens sind schwer nachvollziehbar.

Bis zum Frühjahr 2019 hat Intown außer Absichtsbekundungen jedoch nichts geliefert. Die Stadtwerke Hannover (enercity) haben daraufhin bereits 2017 den Mietvertrag für einen 22-geschossigen Büroturm gekündigt. Die Landeshauptstadt Hannover bleibt Ankermieter für Büroflächen, knüpft den Verbleib im Ihme-Zentrum aber an Sanierungsarbeiten, die bis zum Jahr 2021 durch Intown erfolgen sollen.

Es war dann nicht weiter verwunderlich, dass Intown die Immobilie weiterverkaufte. Im März 2019 wird bekannt, dass die Mehrheitsanteile in dem Groß-Komplex an die Firma Sapinda, Civitas Property Group, von Lars Windhorst verkauft sind. "Ich mache das Ihmezentrum schön", kündigt Hertha BSC-Eigner Windhorst vollmundig an. Doch bislang sind den schönen Worten keine Taten gefolgt.

Mittlerweile hat sich im Zentrum auch eine „Zukunftswerkstatt“ etabliert. Ein Dokumentarfilm „Traum, Ruine, Zukunft“ würdigt Qualitäten und Entwicklungsperspektivendes Gebäudes. Eine im Büroturm ansässige Arbeitsgruppe der Stadtverwaltung zur Vorbereitung der Bewerbung Hannovers zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 kann sich das Ihmezentrum als „Leuchtturm“ dieses Vorhabens vorstellen. Utopien gibt es viele,die Realität sieht bisher anders aus: Neben all dem Hype geht es beim morbiden Betonklotz offenbar vorrangig um's Geschäft. Gibt es eine für die Stadt und für den Stadtteil Linden attraktive Lösung für den Gebäudekomplex, oder bleiben nur der Abriss und anschließende Neugestaltung?

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover