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Grafik zu Hannover kosmopolitisch_08

Workshoptag bei FAUST e.V.

"Hannover kosmopolitisch" wird konkret

Das Kulturbüro Hannover lud am 28.11. zu einer neuerlichen Runde in die FAUST-Warenannahme zur Ausarbeitung der Ziele von „Hannover kosmopolitisch“ für den Kulturentwicklungsplan ein.

  Claudia Ermel | 29.11.2019

Benedikt Poensgen von der Stadt Hannover erklärte in seiner Auftaktrede, dass der Kulturentwicklungsplan ein wichtiges Instrument für die nächste Entscheidungsrunde zur Kulturhauptstadtbewerbung ist. Er erläuterte, dass das Kulturbüro mit Expert*innen im Moment Modellprojekte entwickelt, die auf jeden Fall durchgesetzt werden sollen, ob Hannover Kulturhauptstadt wird oder nicht. „Wir wollen internationale Kulturstadt werden, internationaler Kulturaustausch und Kooperationen sollen besser aufgestellt werden,“ meinte Poensgen. Neue Formate, Transnationaler Austausch, Ausbau der Internationalisierung, ein anderes Marketing waren Schlagworte, mit denen er die Zukunft Hannovers skizzierte.

Am 12.12. steht nun die nächste Entscheidungsrunde für die Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt bevor. Bis zum 07.02.2020 müssen dann sämtliche geplanten Maßnahmen abschließend formuliert werden. Bis Ende März soll der Kulturentwicklungsplan verschriftlicht werden, da er Bedingung für die zweite Bewerbungsrunde ist.

Workshops zu drei Themenkomplexen

Bei der Zusammenkunft am 28. November erarbeiteten die Teilnehmer*innen in drei parallelen Workshops konkrete Fragestellungen zur kosmopolitischen Entwicklung von Hannover.

1. Workshop Ergebnis: Kosmopolitisches Haus oder Netzwerk?

Aktuell existieren mehrere dezentrale interkulturelle Strukturen in den Stadtteilen. Communities müssten vernetzt werden, neue transkulturelle Strukturen könnten entstehen, eventuell unter Mithilfe durch die Freizeitzentren in den Stadtteilen. Es fehlt an digitaler Vernetzung. Eine Ressourcen-Schnittstelle könnte beispielsweise zur besseren interkulturellen Zusammenarbeit führen. Transkulturalität und Mehrsprachigkeit würden dabei zu einer künftigen nachhaltigen Belebung der bestehenden Freizeitheime beitragen. Durch bewusstere Förderung dieser Bereiche werden Brücken in der Stadtgesellschaft gebaut. Einen Runden Tisch der Kulturen zu organisieren, wurde vorgeschlagen, außerdem finanziell unterstütztes Personal stadtweit verteilt zur Koordination einzusetzen. Eine weitere Idee war ,innerstädtische Tourneen von Künstler*innen aller Kulturen zu organisieren, Aktivitäten an bereits existierenden Locations zu planen und das Sichtbarmachen aller Aktivitäten zu gewährleisten. Neben dem virtuellen Welthaus wurde auch von einigen Teilnehmer*innen als zentrale Option die Etablierung eines realen Welthauses bevorzugt. Doch da diese Idee seit Jahrzehnten immer wieder aufflammte, ohne dass konkrete Schritte eingeleitet wurden, erschen eine virtuelle Vernetzung realistischer.

2. Workshop Ergebnis: Kosmopolitische Kulturtage

Eine Woche mit zahlreichen Festen unterschiedlicher Kulturen wurde anvisiert. Kulturvereine und -initiativen sollen sich hierzu mehr öffnen die sich öffnen und auch kulturenübergreifend planen, gemeinsam Kultur darstellen, sich austauschen. Bestehende Strukturen und feste Events sind einzubinden. Das Ziel ist, lokale Künstler*innen und Kuturschaffende zusammen zu bringen und auch an öffentlichen Orten in verschiedenen Stadtteilen Aktionen zu bieten. Auch Events wie beispielsweise der Schützenausmarsch oder das Schützenfest sollten von der Kulturenvielfalt kosmopolitisch mitgestaltet werden. Dadurch könnten alle Kulturen die bestehende Möglichkeiten nutzen, um viele Menschen zu erreichen. Jede(r) soll sich angesprochen fühlen. Die Idee war, lokale Projekte sowie etablierte Kulturschaffende einzubinden, um eine Vernetzung aller Kulturschaffenden zul erreichen. Die kosmopolitischen Kulturtage münden dann zum Ende der Woche in einem Karneval der Kulturen bzw in dem Fest der Kulturen, das allerdings anders gestaltet sein sollte als bisher. In jedem Fall sollten bei allen Planungen neben den Communities aus anderen Ländern auch Initiativen zu den Themen Politik, Umwelt, Ernährung, Frauen, LSBT*I*Q, Stadtgesellschaft allgemein usw. eingebunden werden.

3. Workshop Ergebnis: Mehrsprachigkeit im Kulturbereich

Mehrsprachigkeit ist in Hannover noch immer nicht selbstverständlich. Selbst im Tourismusbüro sprechen nicht alle Mitarbeiter*innen zumindestens Englisch. Flyer gibt es meistens nur auf Deutsch. Auch Einfache Sprache wird oft nicht verwendet, um z.B. komplexere Zusammenhänge in Formularen zu beschreiben, die bisher selbst deutsche Muttersprachler*innen schwer verstehen. In allen Bereichen von Kultur bis Verwaltung gibt es noch immer zu wenig Mitarbeiter*innen mit mehrsprachiger Kompetenz. Beispielsweise das Opernhaus oder das Schauspielhaus bieten zu wenig mehrsprachige Angebote.

Bedarfe werden „am Reißbrett“ produziert

Menschen werden nicht gefragt, welche Wünsche und Bedürfnisse sie haben. Übersetzungstechnik könnte in vielen Bereichen eingesetzt werden. Auch sollte Muttersprachler*innen aus anderen Ländern die Möglichkeit geboten werden, ihre Übersetzungskompetenz kostenfrei zu zertifizieren.

Im öffentlichen Raum könnten mehrsprachige Infos geboten werden. Mehrsprachigkeit sollte selbstverständlich werden. Denn Vielsprachigkeit bedeutet Kulturenvielfalt, alle Sprachkulturen sollen sich bei uns zuhause fühlen. In Schulen sollte zudem nicht eingegrenzt werden, dass nur die eigene Muttersprache als zweite Sprache gewählt werden darf. Auch eine Italiener*in oder eine Deutsche sollte beispielsweise Türkisch wählen dürfen. Sprachlabore mit vielsprachiger Übersetzungssoftware, eine mehrsprachige Kulturapp, die sämtliche Veranstaltungen in Hannover listet, ein vielsprachiger Radiosender und mehrsprachige Veranstaltungen gehören zum wachsenden Bedarf, um als kosmopolitische Stadt zu gelten.

Nächster Termin zu Hannover kosmopolitisch ist der 07.02.2020. Interessierte Bürger*innen sind herzlich zur Teilnahme eingeladen, also

SAVE THE DATE.

Foto: Martin Tönnies

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