Welt-in-Hannover.de Welt-in-Hannover.de Welt-in-Hannover.de Welt-in-Hannover.de
Ladysuniq

Sag NEIN zur Gewalt

Gewalt gegen Frauen ist global und vielfältig

Zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen trat die Initiative Ladysuniq in der VHS Hannover erstmals mit einer facettenreichen Veranstaltung an die Öffentlichkeit.

  Claudia Ermel | 26.11.2019

Moderatorin Sag Nein zu Gewalt
Moderatorin Roukiatou Maas
Moderatorin Sag Nein zu Gewalt
Moderatorin Roukiatou Maas

Gemeinsam mit dem MiSO-Netzwerk und Samofa , die Unterstützung bei der Finanzierung des Projektes geleistet haben, hatten die Gründerinnen von ladysuniq auch zwei externe Rednerinnen aus Berlin zu dem Thema Gewalt gegen Frauen eingeladen. Als Einstieg jedoch boten die Veranstalter*innen „zum Warmwerden“ ein Trommelkonzert von Doumbia Niamakolo mit der Tänzerin Veronique Konan, die genau wie er von der Elfenbeinküste stammt und seine Rythmen ausdrucksstark visualisierte.

Die Moderatorin von Ladysuniq, Roukiatou Maas, gestaltete den gesamten Nachmittag virtuos mit ihren neugierig machenden Ankündigungen der Vortragenden und jeweils einer anschließenden Sequenz für Fragen aus dem Publikum.

Sprecherin von Afrikaherz
Rosaline M’Bayo von Afrikaherz
Sprecherin von Afrikaherz
Rosaline M’Bayo von Afrikaherz

Gewaltschutz ist Menschenrecht

Rosaline M’Bayo von Afrikaherz, einem Verband für interkulturelle Arbeit, die seit 20 Jahren mit afrikanischen Migrant*innen arbeitet, führte die Vielzahl von Formen der Gewalt gegen Frauen "auch in Deutschland " auf. Rosaline M’Bayo sprach über Migrant*innen jeder Herkunft, und auch über betroffene deutsche Frauen aller Gesellschafts- und Bildungsschichten. Sie führte die vielen Formen der körperlichen Gewalt bis hin zu Genitalverstümmelungen auf und nannte auch die vielen subtileren Formen wie ökonomische, strukturelle oder psychische Gewalt. Sie nannte Beispiele von Verhinderung des Zugangs zu Hilfseinrichtungen, zu gesundheitlicher Versorgung und Bildung, sprach über Zwangsheirat, Versklavung und die Verpflichtung, verheiratet zu bleiben, um den Aufenthaltsstatus in Deutschland zu behalten. Rosaline M’Bayo erklärte, dass viele Frauen - oft bedingt durch ihren kulturellen Hintergrund - sich schämen, ihren Ehemann wegen sexueller Gewalt anzuzeigen. Sie wies daher auf die Möglichkeiten der Frauenhäuser als einen "geschützten Raum" hin.

Die Fragen aus dem Publikum betrafen vorwiegend die von Rosaline erwähnte Wiederherstellungsklinik von Genitalverstümmelungen (englisch: female genital mutilation, kurz FGM) in Berlin, Erfahrungen und Möglichkeiten für Migrant*innen aus ganz Deutschland hierzu sowie die Forschungen zum Thema Sexarbeiter*innen.

Patricia Nkomane stellte ihre Initiative Ladysuniq vor

Patricia, die derzeit eine Ausbildung beim MiSO-Netzwerk absolviert, schilderte ihre demoralisierenden Erfahrungen und Beobachtungen in Deutschland. Sie erläuterte, dass sich bei Ladysuniq Frauen aus unterschiedlichen afrikanischen Ländern zusammengetan haben, um gegenseitig Selbstbewusstsein und Handlungsfähigkeit zu stärken (Empowerment). Auf Nachfrage betonte Patricia, dass ihr aber auch Frauen aus anderen Ländern, z. B. aus Bulgarien oder Afghanistan, über ähnliche Erfahrungen der „Sprachlosigkeit durch Integration“ berichtet haben. Ladysuniq lädt selbstverständlich jede interessierte Person zum Mitmachen ein, ganz gleich, ob aus Afrika oder einem anderen Kontinent. Auch Männer sollen sich gerne engagieren und ihren Beitrag leisten. Doumbia Niamakolo, der seinen Trommeleinsatz zu Beginn der Veranstaltung präsentierte, gab hiermit ein schönes Beispiel für Ladysuniq.

Patricia erklärte dann dem Publikum auch die Symbolik des Q am Ende des Namen, die beide Geschlechter einbezieht. Am 1. Januar 2020 wird Ladysuniq mit einer homepage online gehen. Dann wollen die „vergessenen“, die „unsichtbaren“ Frauen sich in der Öffentlichkeit zu Wort melden.

Gruppenbild Ladysuniq
Teilnehmende der Veranstaltung
Gruppenbild Ladysuniq
Teilnehmende der Veranstaltung

Patricia Nkomane erzählte davon, wie sie anfänglich Deutschland erlebte: „Deutschland ist eine völlig neue Welt“, und wie die Frauen aus anderen Ländern hier sprachlos gemacht, sich minderwertig, schwach und zerbrechlich fühlen, da sie gegen vermeintliche Wände rennen. „Briefe vom Arbeitsamt sind wie Drohbriefe“. „Wir haben eine Gruppe von Frauen, die gerne als Tagesmütter arbeiten würden. Doch eine Fortbildung dafür gibt es gar nicht. Sie bleiben also vor verschlossenen Türen stehen, weil sie nie ihre Chance bekommen.“

Die Migrant*innen sollen sich integrieren, doch die Regeln dafür werden klar vorgegeben. „Patricia könnte mit ihrer Organisation einen Paradigmenwechsel einleiten,“ meinte Tornike Murtskhvaladze vom MiSO Netzwerk nach ihrem Vortrag und ermutigte Ladysuniq zum "Durchstarten".

Katharina Oguntoye
Katharina Oguntoye
Katharina Oguntoye
Katharina Oguntoye

Farbe bekennen mit Katharina Oguntoye

Die Mitautorin des gerade wieder neu aufgelegtem Buches „Farbe bekennen“ Katharina Oguntoye (Originalausgabe 1986) berichtete über die Entwicklungsgeschichte der Schwarzen Menschen in Deutschland, über die Entstehung der Initiative ISD und die Erstarkung des Rassismus, den es früher in Deutschland "offiziell" nicht gab. Da die Historikerin Katharina als afrodeutsches Kind in der DDR aufwuchs, erzählte sie von der widersprüchlichen Verordnung durch den Staat, dass alle Menschen gleichwertig zu behandeln seien. Da Vorurteile und Ressentiments in den Menschen seit der Nazizeit und auch davor schon schlummerten, war eine Aufarbeitung, insbesondere in der DDR, nicht möglich, da der Rassismus ja verneint bzw. verdrängt wurde, meint sie. Sie erklärte, wie wichtig es sei, eine angemessene Terminologie für den Status von Menschen zu finden, die ihre Identität und Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft einfordern. Die ISD Schwarze Menschen in Deutschland begründete sich seinerzeit auf Angela Davids „Black is beautiful“ und sei daher auch als ein politisches Statement zu sehen. Schwarze Menschen sollten ihre Hautfarbe mit Stolz tragen, sich miteinander verbunden fühlen.

Rednerinnen der Veranstaltung Sag NEIN zu Gewalt
Moderatorin mit den Rednerinnen der Veranstaltung
Rednerinnen der Veranstaltung Sag NEIN zu Gewalt
Moderatorin mit den Rednerinnen der Veranstaltung

Es sei aber weiterhin immer wieder wichtig, eine Strategie gegen Rassismus zu finden. Die Auswirkungen auf die betroffenen schwarzen Menschen seien das Problem. Ausgrenzungen schwarzer Menschen, weil ihre Zugehörigkeit verneint wird, Ignoranz und psychische Gewalt führten zu Verlust des Selbstwertgefühls, Sprachlosigkeit, Stigmatisierung und Identitätsverlust. Schließlich folgten Suizide oder Lebensmüdigkeit. Emphatische Sozialarbeit von Profis, aber auch kulturelle Angebote, um den Zugang zueinander zu finden, seien sehr wichtig.

„Wunderbar, dass ihr wieder etwas anfangt. Es bewegt sich wieder etwas. Die Aufarbeitung von Rassismus in Deutschland ist längst nicht abgeschlossen. Eure Initiative ist ein wichtiger Schritt nach vorn.“

Die offizielle Geburtsstunde von Ladysuniq ist eingeläutet. Bereits jetzt hat die Initiative schon starke Fürsprecher*innen und engagierte Mitstreiter*innen. Sobald die Homepage von ladysuniq steht, wird WiH darüber berichten.

Fotos: Wolfgang Becker

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover