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sahar m.

Kommentar

Veranstaltungen in Hannover zur Lage im Iran

Beobachtungen zu aktuellen Ereignissen.

  M. Puya Eslami mit Anja Lutz | 11.10.2019

iranische veranstaltung1
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Am 12.09. 2019 hielt Prof. Dr. Mohssen Massarrat einen Vortrag zum Thema: „Die Geschichte der wirtschaftlichen und militärischen Konflikte zwischen Iran und Amerika“. Veranstalterin war die Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Prof. Dr. Massarrat kam zu dem Schluss, dass es Ziel der Vereinigten Staaten von Amerika sei, ihr Wirtschaftsimperium weiter auszubauen und dafür auch Kriege in Kauf zu nehmen. Deshalb sei Europa dazu aufgerufen, mehr für Frieden und Ruhe in diesem jetzigen Konflikt zu tun.

Unter den fast 70 Besucher*innen waren eine Anzahl meist älterer Deutsche, die dem Vortrag mit Interesse folgten.

Nach Beendigung des Vortrags konnten die Teilnehmer*innen Fragen stellen. Es folgte eine sehr lebhafte Diskussion, in deren Verlauf es zu Unruhe und Beleidigungen kam. Eine Gruppe iranischer Monarchisten störte die Diskussion sehr häufig, so dass die übrigen Teilnehmer*innen diese Gruppe darum baten, den Saal zu verlassen.

Solche Art von Störungen sind oft auch bei Diskussionen mit Mitgliedern der Religiösen Ultras zu beobachten.

Natürlich mit dem Unterschied, dass die Religiösen Ultras im Iran die Staatsmacht hinter sich haben, die Monarchisten aber im Ausland „nur“ dieselben Rechte genießen wie jede andere Person.



Einen Tag darauf, am 13.09.2019, fand bei kargah e. V. eine Veranstaltung des Forums der Iranischen Demokrat*innen und Sozialist*innen Hannover statt. Diese ca. einstündige Veranstaltung wurde von Ali Akbar Hadipur moderiert. Das Thema lautete: „Ein kurzer Blick auf die Höhen und Tiefen der heutigen Protestbewegungen gegen das repressive Regime der Islamischen Republik“. Hier waren ungefähr 30 Teilnehmer*innen dabei. Die Diskussion war ebenfalls sehr lebhaft. Unter den Gästen waren einige bekannten Aktivist*innen, die sich gegenseitig kannten und sich zum Teil seit Jahren politisch engagieren. Viele von ihnen sind selbst Geflüchtete, welche sich sehr aktiv über die Situation im Iran informieren und aktiv sind.

Der interessanteste Gast an diesem Abend war aber ein junger Iraner, der in den letzten Jahren einige Monate im Gefängnis gewesen war und seit einem Jahr als politischer Flüchtling in Deutschland lebt. Er hat bisher noch keine offizielle Anerkennung erhalten. Er berichtete, die politische Situation im Iran sei unklar, viele Menschen litten darunter und seien sehr ängstlich geworden. Der junge Mann war der Ansicht, die junge Generation kämpfe für die private Freiheit, die allgemeine soziale Lage sei ihr nicht wichtig genug, um als eine politische Kraft auf die Straße gehen. Daher gebe es keine „richtige Freiheitsbewegung“, weil die Regierung sehr brutal vorgehe und jede kritische Stimme sofort unterdrückt würde.



Am 21.09.2019 gab es eine weitere Veranstaltung, ebenfalls bei kargah e. V. Diese beschäftigte sich mit der Erinnerung an die Hinrichtungen der 60er Jahre in Iran. Die Teilnehmer*innen forderten die Freilassung politischer Gefangener. Als Zeitzeugin war Sahar Mohammadi eingeladen, deren Eltern und Onkel in den 60er Jahren im Iran hingerichtet worden waren.

Diese Veranstaltung begann mit klassischer europäischer Musik, die eine traurige Atmosphäre schuf, danach wurden Gedichte bekannter persischer Dichter*innen vorgetragen. Im Anschluss wurde zu Ehren der Opfer eine Minute applaudiert. Es waren etwa 70 Teilnehmer*innen zu Gast, viele hatten Tränen in den Augen.

Sahar Mohammadi hielt nach dem Gedenken eine sehr emotionale Rede, während der sie sehr besonnen und fachlich fundiert über die jetzige Lage der iranischen Oppositionellen sprach. Sie sagte, dass sie nicht nach Rache sinnt, aber sie und alle anderen Beteiligten erwarten, dass die Wahrheit über die grausamen Hinrichtungen der 60er öffentlich gemacht werden.

Viele sehen Sahar Mohammadi als wahre Stimme der politischen Situation im Iran an.

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Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover