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Werkstatt Menschenrechte

Werkstattreihe Menschenrechte

Kunst als Protest?

kargah e. V. startet gemeinsam mit Kreativen künstlerische Werkstattreihe zum Thema Menschenrechte

  Claudia Ermel | 15.12.2017

Demos, Blockaden und Sitzstreiks sind eine Form des Protests. Mit der künstlerischen Werkstattreihe „Invisible Rights - Unsichtbare Rechte sichtbar machen“ will der Verein kargah e. V. in Vorbereitung des Tages der Menschenrechte der Frage auf den Grund gehen, welche Formen des Protests die Kunst finden kann. In drei Workshops zum Thema werden jeweils ein einheimischer und ein geflüchteter Künstler mit den Teilnehmenden zusammen neuartige Kunstwerke entwickeln. Ob Street-Art, Plakatkunst oder Straßentheater – die Teilnehmenden können künstlerisch für ihre Themen laut werden.

Gemeinsam mit dem Cameo Kollektiv, Tante Trottoir / THEATER an der GLOCKSEE, dem Bündnis zum Tag der Menschenrechte sowie dem DGB Region Niedersachsen-Mitte und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen will kargah e. V. mit diesem Projekt zeigen, wie sich Kunst für die Menschenrechte einsetzen kann. Obwohl die Menschenrechte ja von den Vereinten Nationen klar definiert worden sind, sind der Begriff Menschenrechte und sein Verständnis sehr vielschichtig. In den verschiedenen Workshops sollen unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungen zusammengeführt werden. Es können Vergleiche gezogen und neue gemeinsame Kunstformen entwickelt werden.

Two sides of a Wall
Gemeinsam "Invisible Rights" entdecken
Two sides of a Wall
Gemeinsam "Invisible Rights" entdecken

In mehrsprachigen Workshops Menschenrechte „sichtbar machen“
Jede Gruppe wird zusammen fünf Tage an ihrem Werk arbeiten. In der Vorbereitungsphase entwickeln die jeweiligen Tandems eines hiesigen Kreativen und eines Geflüchteten ein gemeinsames Konzept. Hier ist es wichtig, dass die unterschiedlichen Sichtweisen beider auf das Thema *Menschenrechte* umgesetzt werden, denn jede Stimme soll sich in den einzelnen Arbeitsgruppen erheben dürfen. Für welche Rechte möchten sie protestieren? Und welche Ungerechtigkeiten möchten sie sichtbar machen? Das sind Fragen, auf die das interkulturelle Team und die Teilnehmenden eine gemeinsame künstlerische Antwort finden.

Völlig unterschiedliche Mittel und Ausdrucksformen aus den verschiedenen Kulturen führen so zu neuartigen Kreationen, vielleicht Graffiti verbunden mit Mosaikkunst, oder auch eine Streetperformance, die Vielsprachigkeit humorvoll umsetzt? Im Folgenden werden die drei Workshops vorgestellt:

Graffitikunst zwischen den Kulturen

Den Anfang der Workshopreihe macht „2 Sides Of A Wall“ – ein interkulturelles Graffitiprojekt. Der Leiter, Jwan Khalaf, ist ein bildender Künstler aus Syrien, der sich in seiner Heimat früher nur wenig mit diesem Thema beschäftigt hat. Durch den Krieg und seine Flucht war er dann direkt von Menschenrechtsverletzungen betroffen, was ihn und seine Kunst nachhaltig geprägt hat. Heute möchte er sich insbesondere für Kinderrechte und Frauenrechte einsetzen. Gemeinsam mit Jascha Müller plant Jwan auch unter Einbeziehung seiner Collagentechnik, ein gemeinsames Wandbild zu schaffen, das die Öffentlichkeit aufrüttelt. Jascha Müller findet bei diesem gemeinschaftlichen Projekt besonders interessant, welche Blickwinkel und Erfahrungswerte Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammentragen. Welche selbstverständlichen Rechte haben Menschen in völlig unterschiedlichen Ländern? Und welche Sichtweise haben sie auf ein Recht, das andere nie in Frage stellten? Jascha ist schon sehr gespannt darauf, wie diese Standpunkte in dem Projekt aufeinander treffen.

Plakate als künstlerischer Protest

Marlene Obst von Cameo Kollektiv e.V. wird zusammen mit Alireza Husseini und Daniel Hobein die Werkstatt für Menschenrechtsplakate gestalten. Sie hat bereits einige kleinere Projekte zu Flucht und Frauenrechten durchgeführt, z. B. eine illustrierte Reportage über den Menschenhandel an der griechisch-mazedonischen Grenze Anfang 2016, die auch im Cameo Magazin abgebildet ist. Persönlich liegen ihr Pressefreiheit und Frauenrechte sehr am Herzen. In dem Workshop plant ihr Team, die Teilnehmenden in das Thema "Plakatkunst" einzuführen und eigene Ideen mit ihnen praktisch umzusetzen. Dabei findet es Marlene sinnvoll, den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, sich auf etwas zu konzentrieren zu dem sie einen persönlichen Bezug haben.

Lena Kußmann und Boubker Moussalli
Street Performance mit Lena Kußmann und Boubker Moussalli
Lena Kußmann und Boubker Moussalli
Street Performance mit Lena Kußmann und Boubker Moussalli

Performances im öffentlichen Raum

Den Abschluss der Reihe bildet die Werkstatt zum Thema „Street Performance“ mit Boubker Moussalli und Lena Kußmann, die kurze „Intervention im öffentlichen Raum“ umsetzen werden. Mit Mitteln des Theaters und der Choreographie werden sie mit den Teilnehmenden das Thema Menschenrechte in den Stadtraum tragen.

Lena Kußmann dazu: „Ich habe mit zwei Kolleginnen von Das wundersame Aktionsbündnis der Tante Trottoir ein Workshopformat entwickelt, in dem es vermehrt darum geht, aus der eigenen Erfahrung und Lust heraus ins Tun zu kommen. Das impliziert, mit den TeilnehmerInnen darüber in den Austausch zu kommen. Ich versuche, einen gemeinsamen Nenner herauszufiltern um ihn dann gemeinsam in eine Aktion umzusetzen. Wichtig ist mir dabei ein "positiver Aktionismus", das meint, dass ich weniger Interesse an "dagegen" oder "die Doofen da oben" - Aktionen habe, sondern vielmehr nach einer Utopie, einer Verführung, einer Verwirrung der Passanten im öffentlichen Raum strebe.“ Auch eine humorvolle Umsetzung des Themas kann sie sich vorstellen. Aber erst einmal ist alles offen. „Wir schauen, wohin es uns gemeinsam treibt“, meint sie.

Was ergibt sich also, wenn sich Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern, Sprachcommunities und Kulturbereichen gemeinsam das Thema Menschenrechte in der Kunst vornehmen? Wozu dieses Experiment führt, wird im Oktober und November in öffentlichen Raum, auf der Straße und auf Häuserwänden sichtbar werden.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover