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Kunsthalle Faust Urban Spheres

Was sagt uns die Kunst?

Ausstellung und Performance bei Faust e. V.

Gibt es Kunst die zu undeutliche Kritik übt oder erwarten wir Betrachter*innen zu viel? Diese Frage stellte sich mir beim Besuch einer interessant erscheinenden Ausstellung.

  Ole Weigt | 26.09.2019

Vom 31. August bis zum 22. September fand die Ausstellung „Urban Spheres“ in der Kunsthalle Faust in Hannover statt. Dabei handelte es sich um eine Zusammenarbeit von deutschen und polnischen Künstler*innen anlässlich des 40jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Poznań–Hannover. Die Ausstellung zeigte verschiedene Werke zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen der Stadtentwicklung, wie zum Beispiel der Privatisierung öffentlicher Flächen oder der Gentrifizierung.

Hierfür wurden vielfältige Kunstobjekte wie Fotografien, Videoinstallationen oder auch selbst geschaffene Objekte ausgestellt. Die Zugänglichkeit der Kunstwerke war dabei höchst unterschiedlich. Während einige Objekte, wie etwa die Fotografien von verlassenen Industriegebäuden, ein sehr klares Anliegen verdeutlichten, schien es bei anderen Ausstellungsstücken bedeutend schwieriger, die jeweilige Botschaft zu erkennen.

Dabei öffnete sich, wie so häufig bei künstlerischen Arrangements, das Spannungsfeld zwischen dem Anspruch der Kunst, keine zu eindeutigen Aussagen zu treffen und der Zielsetzung der Ausstellung, gesellschaftliche Entwicklungen zu beleuchten. Selbstverständlich soll den Betrachtenden die Botschaft eines Kunstwerks nicht auf den ersten Blick ersichtlich sein, denn genau diese Besonderheit zeichnet die Kunst ja überhaupt erst aus. Jedoch stellt sich auch die Frage, in welcher Art und Weise eine kritische Betrachtung durch Kunst erfolgt, wenn der Raum für Interpretation extrem weitläufig gehalten ist.

Ilka Theurich Performance
Ilka Theurich bei ihrer Performance
Ilka Theurich Performance
Ilka Theurich bei ihrer Performance

Auch die Performancekunst lässt einen großen Interpretationsspielraum

Am 19. September performte zusätzlich die Künstlerin Ilka Theurich im Rahmen der Ausstellung. Unter dem Motto: “Leg Dein Handy weg und verbinde Dich mit der Welt” bot sie eine eigentümliche Darstellung mit zahlreichen Utensilien. Am Anfang ihrer Performance war Ruhe gefragt, denn die Darbietung begann sehr leise, unter Anderem mit angeschlagenen Gläsern, deren Klänge zu hören sein sollten. Es kamen auch Sand sowie eine Gitarre zum Einsatz, deren Hohlraum mit Wasser gefüllt wurde.

In manchen Fällen kann die Interpretation einer Kunstperformance leichter fallen als beispielsweise die eines unbeweglichen Gemäldes, da eine Performance nicht ruht und ständig etwas Neues passiert. Wenn man wollte, konnte man in der Performance von Ilka Theurich eine Informationsflut in der heutigen Zeit sehen, bei der relevante Informationen von den wichtigen nicht mehr zu unterscheiden sind. Es hatte jedoch den Anschein, als sei ein Teil des Publikums von der abstrakten Darstellungsweise verwirrt und wüsste nicht, wie es die Performance im behandelten Kontext einordnen sollte.

Daher ergab sich auch hier ein Spannungsfeld zwischen der künstlerischen Darbietung und der – aufgrund der Vorankündigung der Performance – erwarteten Zielsetzung. Eventuell haben sich einige der Zuschauer*innen etwas Greifbareres, weniger Abstraktes vorgestellt, eine unmittelbare Botschaft, die sich erkennen lässt. Ist es naiv, solche Erwartungen an Kunstschaffende zu stellen, oder zeugt dies von einer Sehnsucht nach mehr Ausdruckskraft und deutlicherer Kritik in der Kunst? Die Antwort auf diese Frage muss womöglich zwischen Künstler*innen und Betrachter*innen weiter ausbalanciert werden.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover