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Chinesischer Performancekünstler

Performancekunst

Unkonventionelle Kunst im Sinne der Ausdrucksfreiheit

Kann man eine inakzeptable politische Lage in seiner Heimat ausdrücken, ohne dabei zu sprechen? Die hauptsächlich aus China stammenden Künstler*innen präsentierten ihre Antwort auf diese Frage.

  Ole Weigt | 21.08.2019

Am 19.08 begann das dreitägige, chinesische „OPEN International Performance Art Festival“ im Kulturzentrum Pavillon in Hannover. Das Festival jährt sich bereits zum 20. Mal, jedoch findet es dieses Jahr erstmalig in Deutschland und der Schweiz statt. Die vier Performancekünstler*innen des Festivals, zwei Frauen und zwei Männer, drückten sich in einer sehr abstrakten Art, mit teils skurrilen und teils alltäglichen Utensilien, in ihrer ganz persönlichen Manier aus. Die Performancekunst gilt als eigenständige Kunstform, bei der Zeit und Raum, sowie der Körper der Künstler*innen in die Darstellung mit einbezogen werden. Dies wurde unter Anderem deutlich, als ein chinesischer Künstler auf die Gewalt und die Repressionen in seiner Heimat aufmerksam machte, indem er seinen Kopf rasierte und seine Haare anschließend zu Grabe trug. Worte wurden von den Künstler*innen während der gesamten Performancedauer nur sehr sparsam eingesetzt.

Ilka Theurich, die Kuratorin des Festivals, wies zu Beginn der Veranstaltung explizit darauf hin, dass es sich neben einer politischen Darstellung auch um eine poetische handelt, weshalb sie dem Publikum riet, eine offenere Betrachtungsweise anzunehmen. Diese Betrachtungsweise, sowie das intensive Nachdenken der Zuschauer*innen waren in jedem Fall nötig, denn die jeweilige Botschaft der Künstler*innen war nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. Der Großteil der Gäste ließ sich dennoch bereitwillig auf die eigentümliche Darstellungsweise der Performer*innen ein.

Die Kunstfreiheit ist keine Selbstverständlichkeit

Es ist großartig, dass den Menschen in einigen Städten außerhalb Chinas die Möglichkeit geboten wird, das „OPEN Performance Art Festival“ mitzuerleben, für die Künstler*innen des Festivals hat dies allerdings einen schmerzlichen Hintergrund. In ihrer Heimat China wird ihre Performancekunst mittlerweile als provokativ betrachtet. Dieser Umstand wurde nicht zuletzt durch die anfängliche Schilderung der Kuratorin mehrerer Hausbesuche der chinesischen Polizei beim Team des Festivals verdeutlicht.

Eine Aktion während der gesamten Performancedauer war dann auch den politischen Repressionen gewidmet. So gab es während der gesamten Veranstaltung die Möglichkeit, sich eine Minute lang über die derzeitige politische Situation in Hong Kong Gedanken zu machen, während eine Künstlerin den Puls des Gegenübers fühlte, um diesen dann anschließend auf einem Klebezettel mit einer Botschaft an Hong Kong zu notieren. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um eine Anlehnung an die sogenannten „Lennon Walls“, die in vielen Stadtteilen Hong Kongs zu finden sind und nach der Friedensikone John Lennon benannt wurden. Man kann nur hoffen, dass es den Künstler*innen mit ihrem Festival gelingt, mehr Menschen hierzulande auf die bedrückende Situation in ihrer Heimat aufmerksam zu machen.

Am 20.08 fand in der Turba Gallery die Fortführung des Festivals statt und am 21.08 schloss das Team seinen Besuch in Hannover im Studio von Ilka Theurich ab, wo außerdem die Möglichkeit bestand, mit den Künstler*innen ins Gespräch zu kommen. Anschließend zog das Festival weiter in die Städte Köln, Frankfurt am Main, Burgbrohl, Basel, sowie Bochum.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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