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Halim Dener 2017

Interview (Teil 2)

"Die Solidarität untereinander ist ein totaler Erfolg"

Das Gedenken an den in Hannover erschossenen Halim Dener jährt sich diesen Sommer zum 25. mal. Hier erscheint der zweite Teil eines großen Interviews mit der Kampagne Halim Dener.

  Torben Danielowski | 12.06.2019

Am 30. Juni 1994 wurde der Jugendliche Halim Dener in Hannover von einem zivilen Polizeibeamten erschossen, als er am Steintor Plakate einer Untergruppe der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) plakatierte. Die letzten fünf Jahre kämpfte die Kampagne Halim Dener für ein würdevolles Gedenken in der Stadt, beendet nun aber ihre Arbeit. Im ersten Teil des Interviews sprachen wir über die Geschichte Halim Deners, die vergangene Arbeit der Kampagne und die Auseinandersetzung um den Halim-Dener-Platz in Linden.

Das es da nicht zur Benennung des Halim-Dener-Platzes kam, lag ja nicht unmaßgeblich am ehemaligen OB Schostok. Spielt es für euch eine Rolle, dass diese Personalie jetzt vom Tisch ist bzw. dass jetzt eine Neuwahl ansteht?

Hannover wird seit - keine Ahnung, wie viel - Jahren von der SPD regiert. Die Strukturen werden wahrscheinlich ähnliche bleiben. Kann natürlich sein, dass sich jetzt etwas ändert, das wäre schön. Aber erstmal spielt das für uns nicht so eine große Rolle, weil sich ja einfach in den letzten Jahren so gar nichts getan hat und es jetzt auch nicht so die großen Unterschiede gab zwischen den Leuten, die da von der SPD dran waren, mit denen man geredet hat oder sowas. Die einzigen Unterschiede haben da vielleicht dann die Grünen, Linken und Piraten gemacht, die tatsächlich bereit waren, uns in Linden zu unterstützen und diese Platzumbenennung durchzusetzen. Die haben ja auch geklagt und so weiter. Also mit denen wäre das vielleicht nochmal eine andere Sache, aber von der CDU erwarten wir schon gar nichts und, naja gut, mit der SPD ist das im Prinzip das gleiche leider.

Halim Dener Sticker
Halim Dener Sticker

Okay dann mal zu diesem Jahr bzw. der Zukunft: Warum beendet ihr genau jetzt die Kampagne?

Ja das liegt tatsächlich an den Gründen, die ich gerade schon genannt habe. Also es geht dabei vor allem darum, dass die Kampagne wie vorhin geschildert, ein Ansprechpartner sein wollte. Wir wollten natürlich vernetzen, das haben wir auch geschafft, das war super. Wir haben uns gut mit kurdischer und deutscher Linker vernetzt und zusammengearbeitet. Daraus sind auch andere Sachen entstanden. Wir konnten viel zusammenarbeiten und uns kennen lernen und wieder begreifen, dass wir einen gemeinsamen Kampf führen und das ist super. Aber die Ansprechbarkeit für so eine Stadt oder für Parteien oder sonst wen ist nicht mehr notwendig, weil wir von denen einfach nichts mehr zu erwarten haben. Ja deswegen bringt das Ganze für uns nichts mehr, da als Kampagne dauernd aktiv sein zu müssen. Wir bleiben natürlich weiterhin vernetzt, wir bleiben weiterhin in Kontakt du es wird natürlich weiterhin Gedenken an Halim Dener geben. Es ist nur die Frage, braucht man dafür weiterhin so eine Kampagne? Wir glauben: Nein. Weil, wie gesagt, von Stadt und Gesellschaft erwarten wir im Moment nicht allzu viel und deshalb können wir das auch einfach so machen.

Also ist ja schon so eine Art Aufgeben oder würdest du sagen, dass die Erfolge überwiegen?

Ich würde auf jeden Fall sagen, dass die Erfolge überwiegen. Wenn, wie gesagt, aus dieser Kampagne sind verschiedene andere Initiativen entstanden. Zum Beispiel gab es ja, als der Afrin-Krieg begonnen hat, gab es eine starke Zusammenarbeit zwischen deutscher und kurdischer linker Bewegung. Und es gibt auch weiterhin viel Zusammenarbeit und das ist total super. Und wir glauben nicht, dass das aufhört, nur weil wir diese Kampagne beenden. Im Gegenteil: Das hat sich total verfestigt und wir sind da sehr positiv gestimmt, dass das auch weiterhin so stattfinden wird. Auch ohne die Kampagne und dazu hat aber die Kampagne ganz maßgeblich beigetragen. Deswegen würde ich sagen, das ist ein totaler Erfolg. Und nicht nur darin: Wir haben auch gesehen, dass wir gegen die Repression, die uns entgegengeschlagen ist, zum Beispiel mit dem UJZ Kornstraße oder in Bielefeld mit dem AJZ. Es gab immer wieder Repressionen gegen uns und die haben wir gemeinsam durchgestanden. Und das ist super. Das schweißt zusammen und das ist, denken wir, ist ein totaler Erfolg. Die Solidarität untereinander.

Halim Dener 2019 Plakat
Unter anderem mit diesem Plakat wird zu den Aktionen mobilisiert.
Halim Dener 2019 Plakat
Unter anderem mit diesem Plakat wird zu den Aktionen mobilisiert.

Was plant ihr dieses Jahr zum Abschluss der Kampagne für Aktionen?

Wir werden wieder eine Kundgebung machen am Todestag, am 30. Juni. Da soll abends eine Kundgebung sein am Steintorplatz. Die werden wir durchführen, einfach weil er da abends erschossen wurde und weil wir da nochmal präsent sein wollen an dem Tag selbst auch. Und dann wird es noch eine Demonstration zum Abschluss geben, die ist dann eine Woche später am 06. Juli. Da werden wir dann hoffentlich nochmal ein paar mehr Leute sein. Das ist wieder so ein rundes Ding, 25 Jahre, und wir hoffen, dass nochmal ein paar mehr Leute den Arsch hochkriegen und demonstrieren gehen.

Der Großteil der Teilnehmenden wird ja sicherlich aus Hannover kommen, ihr bewerbt es aber auch als bundesweite Demonstration: Aus welchen Städten erwartet ihr Unterstützung?

Das ist schwer zu sagen. Also erstmal: Ja, wir bewerben das als bundesweite Demonstration. Wir glauben, dass das Thema bundesweit eine Relevanz hat. Eben weil dieser Konflikt aktuell ist. Eben weil es immer noch Konflikte mit der Türkei gibt. Weil es immer noch die Solidaritätsbewegung mit den kurdischen Linken gibt. Und genau deswegen bewerben wir das als bundesweite Sache und as wird hoffentlich auch ein bisschen angenommen werden. Wie viele Leute genau jetzt aus anderen Städten oder aus welchen Städten genau kommen das kann ich jetzt nicht so sagen, das weiß ich auch nicht. Ich weiß aber, dass wir auf jeden Fall, ich muss schätzen, so 10 Infoveranstaltungen in anderen Städten machen. Und das ist zum Beispiel total super, weil darüber wird das Thema nochmal ein bisschen bekannter und vielleicht die eine oder andere Person nach Hannover an dem Wochenende.

Diese Demo am 07.06. ist also das offizielle Ende, ist danach dann Schluss? Oder was heißt es konkret, dass der Kampf weiter geht und Halim Dener nicht vergessen wird?

Also ganz konkret machen wir noch eine kleine Broschüre fertig, die wird noch gebunden und gedruckt und wahrscheinlich auch in irgendeinem Verlag erscheinen. Also eine Broschüre zu Halim Dener und zu der Kampagne aber auch, zur Kampagnenarbeit, zur Gedenkarbeit, zu linker Gedenkarbeit im Speziellen. Das entsteht auch aus der Kampagne. Und wir werden mit Sicherheit auch an den weiteren Todestagen von Halim Dener immer wieder an ihn gedenken und versuchen, die Erinnerung hochzuhalten. Und das werden wir kontinuierlich weiterhin tun und da werden wir uns auch nicht von abhalten lassen, nur weil es keine Kampagne mehr gibt.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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