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MiSO-Fragebogen zum LIP_Frühjahr 2019_Symbolbild

LIP wird überarbeitet

"Beim LIP ist noch Luft nach oben"

Eine Chance für Partizipation und Teilhabe bietet sich Migrant*innen in Hannover: Sie können bei der jetzt anlaufenden Überarbeitung des Integrationsplans mitwirken.

  Wolfgang Becker | 02.05.2019

Der Lokale Integrationsplan (LIP) der Landeshauptstadt Hannover soll überarbeitet werden. Der LIP wurde 2008 vom Stadtrat beschlossen und soll Regeln für Hannover als Einwanderungsstadt vorgeben. Man findet das sperrige, in Verwaltungssprache verfasste Werk im Internet.

Auf 128 kleinbedruckten DIN A4-Seiten listet der LIP insgesamt 244 Einzelmaßnahmen auf. Sie sind auf die sechs Handlungsfelder „Bildung, Wirtschaft, Soziales, Stadtleben, Demokratie und Stadtverwaltung“ aufgeteilt.

Stadträtin Konstanze Beckedorf: „LIP hat seine Wirkungen erzielt“

„Ich glaube, das ist eine ganz gute Palette, an der deutlich wird, dass der LIP durchaus seine Wirkungen erzielt hat“, kommentierte die zuständige Stadträtin Konstanze Beckedorf im November 2018 im WiH-Interview: „Diese rund 250 Maßnahmen, die da formuliert wurden, sollten die Stadtgesellschaft als Ganzes befähigen, Integration nicht als Anpassung zu formulieren, sondern tatsächlich als gleichberechtigte Teilhabe am gemeinsamen Leben in unserer Stadt. Es gibt die Notwendigkeit, dass wir uns jetzt wieder in den Dialog miteinander begeben, einen neuen Aufschlag machen und ein neues Integrationskonzept erarbeiten.“

In den letzten elf Jahren hat sich die Situation stark verändert, deshalb will die Stadt jetzt in eine Neuauflage des LIP starten und Migrant*innenSelbstOrganisationen dabei beteiligen. Mit dabei: das 2012 gegründete MiSO-Netzwerk Hannover e.V., der Zusammenschluss von derzeit 43 migrantischen Organisationen. „Ich wünsche mir beim neuen LIP einen echten Dialog auf Augenhöhe und gleichberechtigte Zusammenarbeit,“ sagt Oksana Janzen, Vorstand bei MiSO und im Ukrainischen Verein in Niedersachsen: „Die Potentiale und Kompetenzen der Menschen mit Migrationshintergrund aller Altersstufen müssen eine starke Nachfrage seitens der Zivilgesellschaft erfahren.“

MiSO erkundet Stimmung in migrantischen Organisationen

Im Rahmen eines Projekts, für das das Kulturzentrum Faust in Zusammenarbeit mit kargah e. V. beim städtischen Gesellschaftsfonds Zusammenleben (GFZ) erfolgreich eine Förderung beantragt hat, erkundet MiSO aktuell die Stimmungslage in der hannoverschen migrantischen Community. Dazu wurden 230 Postadressen angeschrieben, parallel noch rund 180 E-Mails verschickt. Darin enthalten: Informationen zum Integrationsplan sowie ein Fragebogen, in dem es um Kenntnisse und Meinungen zum LIP geht. Beispiel: „Hat sich durch den LIP etwas für Dich verbessert?“

„Wir brauchen eine konkrete Integrationspolitik, die die wirkliche Lebenslage und Interessen der migrantischen Bevölkerung berücksichtigt,“ sagt dazu Dang Chau Lam, Leiter des Vietnamzentrums und MiSO-Vorstand: „Es ist Zeit, Anerkennung und Dankbarkeit gegenüber Migrant*innen zu fordern. Und es muss eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema der Einwanderungsgesellschaft geben.“

Die laufenden Erkundungen von MiSO, drei Workshops von kargah e.V., ein gemeinsamer Zukunftskongress bei Faust am 15. Juni und eine abschließende Broschüre, die Ute Finkeldei vom Büro „das orange rauschen“ erstellen wird, sind die vier Bausteine des vom Gesellschaftsfonds geförderten Projekts. Die Dokumentation soll insbesondere Entscheidungsträger*innen bei Rat und Verwaltung der Stadt sowie den Medien zur Verfügung gestellt werden.

An interkultureller Öffnung von Behörden ist weiter zu arbeiten

Die Erkundung bei den migrantischen Organisationen soll bis Ende Mai 2019 abgeschlossen sein. Der Rücklauf auf den von MiSO versandten Fragebogen ist bisher eher schwach. Als erstes hat sich allerdings bereits im März die Initiative für Internationalen Kulturaustausch (IIK e.V.) zu Wort gemeldet. „Bessere Kommunikation zwischen Behörden und Migrantenselbstorganisationen, Wohnquartierbezug als wichtige Voraussetzung für eine gelungene Integration, Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit sowie Interkulturelle Öffnung der Verwaltung,“ lauten die Überschriften in der schriftlichen IIK-Stellungnahme.

„Es hat sich schon viel getan in den letzten Jahren, viele Mitarbeiter*innen in Behörden und Ämtern haben in punkto interkultureller Kompetenz dazugelernt,“ sagt dazu Mahjabin 'Lipi' Ahmed, MiSO-Vorstand und Leiterin der IIK, „aber in einigen Amtsstuben gibt es durchaus noch sehr viel 'Luft nach oben' “.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover