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Katrin Langensiepen| BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN LV Niedersachsen

Europawahl

Von Linden direkt ins Europaparlament

Katrin Langensiepen will als erste Frau mit Behinderung im Europaparlament mitregieren

  Claudia Ermel | 02.05.2019

Katrin Langensiepen vom Bündnis 90 / Die Grünen kandidiert mit einem aussichtsreichen Listenplatz ihrer Partei in Niedersachsen, um als erste Frau mit offensichtlicher Behinderung ins Europaparlament einzuziehen. Das finden wir spannend. WiH wollte wissen, wieso Katrin den Einsatz in Europa besonders wichtig findet und wieso sie meint, auf dieser Ebene den Widerstand der deutschen Regierung gegen die Antidiskriminierungsrichtlinie endlich aufzubrechen. (Alle Staaten in Europa außer Deutschland haben diese Richtlinie bereits bestätigt.)

Der Wahlkampf zur Europawahl nimmt Anfang Mai gerade richtig Fahrt auf und die Kandidaten hasten von einem Termin zum nächsten. In Hannover-Linden ist das 1. Mai-Fest auf dem FAUST - Gelände Anziehungspunkt für Jung und Alt. Neben zahlreichen anderen Organisationen - auch Welt-in.Hannover.de - hatte Bündnis 90 / Die Grünen einen Infostand. Als ich von Katrin erfuhr, dass sie dort ebenfalls präsent sein wird, verabredeten wir uns für ein kurzes Interview.

Dass es auf dem Fest überall recht laut werden würde, da ja zahlreiche Bands angekündigt waren, war uns klar. Also reichte uns die unbequeme Eisentreppe unter der Tordurchfahrt für unser erstes Kennenlernen und einen Plausch über Europa.

Katrin, du hast für deinen voraussichtlichen Einzug ins Europaparlament alle anderen Ämter niedergelegt. Wieso glaubst du, in Europa noch mehr politischen Einfluss nehmen zu können, als in der eher kleinteiligen Lokalpolitik?
In der Lokalpolitik kann ich zwar schneller etwas erreichen, die Abstimmungsprozesse sind überschaubar. Ich kenne die einzelnen Instanzen und das Procedere, weiß, wo ich mich einbringen muss. Doch bei größeren Fragen, wie z. B. dem Antidiskriminierungsgesetz, hat meine Stimme hoffentlich schneller mehr Gewicht, wenn sie aus dem Europaparlament kommt. Die Chance, erhört zu werden, steigt erheblich.

Aber wie ist es denn dann mit deinen Wählern hier vorort in Linden, in Hannover und in ganz Niedersachsen. Gibt es da überhaupt noch eine Möglichkeit eines Austauschs? Wir Wähler*innen wollen ja auch von unseren Abgeordneten gehört werden.
Ich bin ja noch da, ich bleibe in Linden wohnen.

...und ich dachte, du ziehst nach Brüssel.
Nein, wir haben dort vier Tage in der Woche Sitzung. Naja und dann wird es natürlich diverse Ausschüsse und so geben. Ich werde wahrscheinlich viel unterwegs sein, aber mein Lebensmittelpunkt bleibt hier.

Wie ist denn das im Europaparlament, hast du da hauptsächlich nur mit dem Grünen Block zu tun, oder mit dem ganzen Parlament, also einem Saal mit bis zu 750 Abgeordneten?
Mit dem ganzen Parlament.

Kennst du da denn wenigstens schon ein paar Leute?
Ja, vor allen Dingen aus Deutschland und den Niederlanden. Mir ist schon klar, dass ich mich da auf einiges gefasst machen muss. Meine Behinderung wird bestimmt auch zu Anfeindungen ausgenutzt. Aber da muss ich halt sehen, wie ich damit klarkomme.

Denn du willst ja den Menschen Mut machen, dass sich jede und jeder politisch engagieren und einbringen soll, lokal, regional, oder auch in Europa.
Ja, ich finde, spätestens der Brexit sollte für alle als ein Weckruf verstanden werden. Denn hier haben wir doch ein gutes Beispiel, was passiert, wenn die Menschen nicht wählen gehen. Die jungen Leute in England sind zum großen Teil nicht wählen gegangen, denn sie sahen keine Notwendigkeit. Die älteren aber, die ja meistens eher konservativ sind, haben dann den Brexit gewählt. Und nun haben wir das Chaos dort ... Oder in Östereich, wo die Populisten so stark geworden sind. Die Menschen sehen immer nur das, was sie stört, in diesem Fall die Flüchtlinge. Daran störten sich viele. Dass die Wähler in Österreich mit der FPÖ aber gleichzeitig auch den sozialen Abstieg gewählt haben, merken sie jetzt erst.

Kannst du mir einen guten Grund für alle Europäer nennen, warum sie an dieser Wahl unbedingt teilnehmen sollten?
Mich beunruhigen der aufkommende Populismus und die wieder erwachten rechten Bewegungen – in Deutschland und in ganz Europa. Der Grund, warum alle zu dieser Wahl gehen sollten, ist doch ganz klar: Um Frieden und die Demokratie in Europa zu bewahren.

Am 11. Mai stehst du ja zusammen mit Ska Keller noch einmal allen Interessierten für Fragen zu Europa in der FAUST Kunsthalle zur Verfügung. Also, falls ich noch Fragen habe ...

Dann danke ich dir heute erst einmal für das Gespräch.

Veranstaltung am 11. Mai
Katrins Antrittsrede in Leipzig
Link zum TAZ- Interview

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