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Macht ausnützen

Kommentar

Antirassismus und Feminismus gegen Machtstrukturen

Warum ein "Geschützter Raum" oft in Gruppen Benachteiligter zur freieren Entfaltung führt

  Claudia Ermel | 26.02.2019

"Wie spannend", dachte ich, "ein Schreibworkshop für Schwarze Menschen in Deutschland." Als Redakteurin einer interkulturellen Webseite wollte ich da mitmachen, mal schauen, wie der Dozent die Veranstaltung gestaltet. Und ich versprach mir neue Inspirationen und wollte natürlich auch einen Artikel über diesen kreativen Nachmittag schreiben.

Wie blöd mein Enthusiasmus war, erfuhr ich, als mir Jeff von ISD (Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland) antwortete, dass dieser workshop einen Safer Space für Schwarze Menschen und PoC (Persons of Colour) bieten will, ich als Weiße also bitte nicht teilnehmen soll. Oje, voll in die Sch**** gegriffen. Sofort fiel mir mein Frauenfitnessstudio ein, das ich jahrelang besucht habe. Da war es ganz selbstverständlich für mich, dass Männer nicht rein durften. Ganz davon abgesehen, dass es gerade jetzt im Rahmen des Internationalen Frauentages auch einige Events gibt, an denen Männer nicht teilnehmen dürfen. Sobald eine Gruppe als benachteiligt identifiziert wurde, wird ihr so die Gelegenheit gegeben, sich in einem „geschützen Raum“ auszuprobieren, ohne Ängsten und Unsicherheiten ausgeliefert zu sein.

Einer meiner Mitredakteure (natürlich ein Mann) meinte dennoch zu meiner erlebten „Abfuhr“, das sei Rassismus andersherum. Und er fand den Vergleich mit den Frauen nicht ganz passend. Also dachte ich nochmals darüber nach. Doch beim genauen Hinschauen sind die beiden Situationen tatsächlich sehr identisch. Warum?

Frau verwurzelt Kunstwerk
Bilder von pixabay.de
Frau verwurzelt Kunstwerk
Bilder von pixabay.de

Frauen benötigen einen Safer Space, weil einige Männer sie als Sexobjekte sehen und auch entsprechend behandeln. Da sie es ja keinem ansehen können, was in seinem Kopf vorgeht, ist erst einmal jeder Mann ein Chauvi, dessen Anwesenheit allein schon dazu führt, dass Frauen nicht entspannt agieren können. Das überlegene männliche Machtgebaren schwebt über ihnen wie ein Damokleschwert.

Schwarze Menschen benötigen einen Safer Space, weil ihre Erfahrungen mit Weißen Menschen immer wieder in Alltagsrassismus münden. Sie alle kennen das vielfältige Spektrum an Zuweisungen von Weißen, die sie auf ihre Hautfarbe reduzieren. Da auch Bezeichnungen wie ursprünglich oder exotisch eher mit primitiv gleichzusetzen sind, läuft es genau wie bei Frauen aller Hautfarben darauf hinaus, dass Schwarze Menschen sich als minderwertig und unterlegen abgestempelt fühlen, hier ist das Damokleschwert also die „Weiße Herrenrasse“.

In beiden Fällen spielt es einfach keine Rolle, wie aufgeklärt und fortschrittlich die anderen Personen (Männer oder Weiße) sind. Die Erfahrungen sitzen tief in der Seele und gerade bei Gruppenveranstaltungen gibt es immer Menschen mit verschiedensten Traumatas. Aber auch ohne Trauma reicht eine latente Bedrohung durch fiktive Überlegenheit. Wir sollten das Thema Rassismus also nicht einfach damit abtun, dass wir "ja nicht so sind".

Damit machen wir es uns zu einfach. Auch der Kampf des Feminismus gegen das männliche Machtgebaren ist seit Jahrzehnten ein mühseliges Ringen um Gleichberechtigung und Anerkennung in sämtlichen Lebensbereichen.

Link zur Zeitung zum Internationalen Frauentag

Mehr zum Thema Rassismus bei „Deutschland schwarzweiß“ von Noah Sow

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