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Paragraphenflut

Kommentar

Flüchtlinge zweiter Klasse?

Gilt die Gleichbehandlung aller in einer Demokratie nicht auch für Geflüchtete?

  Claudia Ermel | 11.02.2019

Diese Frage ist nicht neu, wenn es darum geht, welche Flüchtenden wir als hilfebedürftig anerkennen. Wir. Damit meine ich die Deutsche Regierung, die deutsche Verwaltung und auch mich und meine hier geborenen Mitbürger*innen. Dass jedoch die Art und Weise der Hilfe in einer Demokratie in Klassen aufgeteilt werden kann, war mir neu. So wurde anscheinend entschieden, dass die Sprachlernstufen A1 und A2 für alle Flüchtlinge obligatorisch sind, auf dass Geflüchtete sich in den beruflichen Alltag eingliedern können.

Das gestehen wir nur zu gern jedem und jeder Geflüchteten zu, damit die Arbeitswelt geschmeidig funktioniert. Denn selbst wenn jemand irgendwann wieder abgeschoben wird, wollen wir uns mit ihnen verständigen können, und sei es nur über die Mülltrennung. Wem dies allerdings mit "Brief und Siegel" anschließend zertifiziert wird, entscheidet nicht selten die Zahlungsfähgkeit der Geflüchteten, denn ein Teil von ihnen wird dafür zur Kasse gebeten. Und wenn die Asylbewerber*innen noch mehr anvisieren, nach einem höheren Deutsch-Sprachniveau streben, wollen wir plötzlich sicher sein, dass sie auch bleiben (dürfen). Da versiegt die Großzügigkeit von Vater und Mutter Staat abrupt, sobald der Herkunftsstaat auf der falschen Liste steht. Aber mit der Gleichberechtigung im Bildungssystem hatten wir es ja noch nie so.

Stellen wir uns das doch jetzt mal bildlich vor. Die Menschen aus totalitären Systemen, aus Diktaturen und Kriegsgebieten kommen nun also zu uns. Wir heißen sie willkommen und wir wollen ihnen zügig zeigen, was Demokratie und Menschenrechte bedeuten. In den Flüchtlingsheimen und den Integrationskursen treffen sie dann auf viele Leidensgenossen aus anderen Diktaturen oder Kriegsgebieten. Ihnen allen wird erklärt, dass hier in Deutschland Demokratie und Menschenrechte für alle gelten. Fast alle jedenfalls. Oder warum werden die Einzelnen plötzlich nach ihrem Herkunftsland beurteilt und nicht nach hiesigem Gleichheitsprinzip? Wie soll ich denen denn nun erklären, dass für uns Deutsche das Leid der Geflüchteten aus "nicht sicheren" Herkunftsstaaten größer ist, als das von jenen aus "sicheren" Staaten?

Für mich ist das nicht logisch. Für Geflüchtete, die mitdenken können, auch nicht. Aber genau das sind doch jene, die wir brauchen für unsere demokratische Vielfalt. Dachte ich jedenfalls.

Zum Interview mit Sharif, einem Flüchtling aus Afghanistan.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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