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Der Kirchenfensterstreit

Kommentar

Das Fenster könnte Opfer sein

Was hat die Marktkirche mit Seenotrettung zu tun?

  Claudia Ermel | 13.01.2019

Die Mediationsversuche sind nun auch misslungen. Der Erbe der Urheberrechte für die architektonische Gestaltung der Marktkirche in Hannover will nicht, dass ein buntes Kirchenfester die sakrale Schlichtheit des Bauwerks stört. Fast zeitgleich mit dieser neuerlichen Absage fand nun in der Marktkirche Hannover eine Lesung mit prominenten Teilnehmern statt, um Spendengelder für Jugend rettet zu acquirieren. „Ein Morgen vor Lampedusa“, eine szenische Lesung zur dramatischen Situation im Mittelmeer, wo die jungen Retter mit ihrem Boot Iuventa bis Ende 2017 ebenfalls im Einsatz waren. Ihr Rettungsboot, das sie durch eine Crowdfunding-Kampagne erworben hatten, wurde unterdessen von den italienischen Behörden beschlagnahmt.

Zwei Dutzend Prominente gaben den Flüchtlingshelfern und den Geretteten hier in der Marktkirche Hannover eine Stimme, um, musikalisch untermalt, ein Bild der dramatischen Gegebenheiten zu zeichnen. Politiker aller größeren Parteien, Schauspieler, Gewerkschafter und auch die Integrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf oder Propst Martin Tenge waren sich nicht zu schade, um bei dieser großen Spendenaktion aufzutreten.

Denn den jungen Aktivisten, für die diese Spendenaktion initiiert wurde, steht gerade finanziell buchstäblich das Wasser bis zum Hals. Dennoch konnten sie bisher nach eigenen Angaben bereits mehr als 14.000 Flüchtlinge aus Seenot retten. Während beim Streit um das Kirchenfenster nun auch noch die Kosten höher sein sollen als ursprünglich geplant. Sollten da nicht der Künstler Markus Lüpertz und der Spender Gerhard Schröder angesichts der aktuellen Situation ihren Plan noch einmal überdenken?

Zu den Hintergründen: Hannovers Ehrenbürger Gerhard Schröder will der Marktkirche ein großes Buntglasfenster spenden, dessen Entwurf bereits zu Kontroversen geführt hat. Der Erbe der Urheberrechte an der architektonischen Gestaltung der Kirche, Georg Bissen, lehnt jedoch den Einbau des Fensters ab.

Könnte denn der von Lüpertz bereits erstellte Entwurf des Fensters nicht einfach in irgendeinem hannöverschen Museum einen Platz bekommen, sozusagen als Teil der "streitbaren Stadtgeschichte"? Während Schröders Spende auch bei „Jugend rettet“ gut angelegt wäre, deren Mitglieder gerade kostspieligen Gerichtsprozessen durch die italienische Regierung entgegensehen. Sie wurden wegen Beihilfe zur illegalen Migration und Kooperation mit libyschen Schlepperbanden angeklagt und werden in den nächsten Jahren juristischen Beistand benötigen. Dabei haben sie doch "nur" Menschenleben gerettet. Eine größere Spende an sie wäre doch sehr christlich, oder? Und dem Urheberrechtserben der Kirchenarchitektur ginge das garantiert nichts an.

Link zum Artikel von November 2018 „Fluchtfliegen in der Marktkirche“

Link zum Thema Seenotrettung

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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