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24 Jahre Vereinigung, 25 Jahre Mauerfall – diese Jubiläen nahm das Historische Museum Hannover am Samstag, dem 11. Oktober 2014 zum Anlass, um mit Erzählcafés an die Zeit der Wende zu erinnern. Zur Sprache kamen die Freude über Freiheit und Vereinigung, aber auch die rassistischen Übergriffe zu Beginn der 90er Jahre, deren Erinnerung uns heute, da in Deutschland wieder Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht wird, eine Mahnung sein sollte (Welt-in-Hannover.de kommentierte).
In vier Erzählcafés schilderten acht EinwanderInnen aus Ost und West ihre persönlichen Erlebnisse. Ziel war, die deutsche Erinnerung um die migrantische Perspektive zu erweitern. Dang Chau Lam, Vorstandsmitglied des Vietnam-Zentrums Hannover und Mitveranstalter, erklärte: „Wir wollen die Geschichte nicht neu schreiben, sondern das ganze Bild zeigen. Eine gemeinsame Erinnerung stärkt die Zusammengehörigkeit und Identität.“

Frau Vu Thi Hoang Ha
Frau Vu Thi Hoang Ha

Ein Teil des ganzen Bildes ist die Geschichte von Frau Ha, die in Nordvietnam aufwuchs. Sie war extra aus Magdeburg nach Hannover angereist, um die Sicht einer in der DDR lebenden Migrantin beizusteuern.
Man habe sich mit den Deutschen gefreut, die waren aber plötzlich keine Freunde mehr – so fasst Frau Ha die Wende zusammen. Sie erinnert sich an tödliche Angriffe auf MigrantInnen, Brandanschläge auf Asylbewerberunterkünfte, Polizisten, die absichtlich zu spät an den Tatorten eingetroffen seien. Das sei etwas anderes gewesen, als die Auseinandersetzungen unter sozialistischen Brüdern und Schwestern im Betrieb, die Beschimpfungen durch Jugendliche als „Fidschis“ – so etwas habe es schon in der DDR gegeben. Todesangst hätten sie und andere MigrantInnen zu Beginn der 90er Jahre gehabt, als eine Hetzwelle über die neue Republik schwappte (Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln, Solingen).
Dabei hatte es so gut angefangen. Frau Ha sagt, sie habe sich für Deutschland gefreut, als Günter Schabowski, damaliger Sekretär des ZK der SED für Informationswesen, einen Ansturm auf die Grenzübergänge auslöste – mit der Verkündung der Reisefreiheit für DDR-BürgerInnen nach Westdeutschland. Viele MagdeburgerInnen seien an diesem Tag mit ihren Trabis in Richtung Helmstedt gefahren, um zu feiern, erzählt sie. Doch der gewonnenen Freiheit, folgten die Sorgen um die Zukunft – wie bei vielen DDR-BürgerInnen auch. Die EinwandererInnen gehörten zu den ersten ArbeiterInnen, die entlassen wurden und es traf auch Frau Ha, die seit 1987 in einer Schuhfabrik als Dolmetscherin für vietnamesische VertragsarbeiterInnen tätig gewesen war. Das gewohnte Leben war vorbei. Das gewohnte Leben – das bedeutete, unter strenger Beobachtung, von der übrigen Bevölkerung isoliert, in einem Wohnheim zu leben. Das bedeutete aber auch, dass alles, auch der Transport zur Arbeit, organisiert worden war.

von links nach rechts: Dang Chau Lam, Mamad Mohamad, Vu Thi Hoang Ha
von links nach rechts: Dang Chau Lam, Mamad Mohamad, Vu Thi Hoang Ha

Und im Gegensatz zu den DDR-BürgerInnen, verloren die MigrantInnen auch ihre Aufenthaltserlaubnis. Zunächst eine Duldung und später 3000 DM und eine Fahrt zum Flughafen, um nach Vietnam zurückzufliegen – das war, was das neue Deutschland ihr angeboten habe, sagt Frau Ha. Als viele schon nach Vietnam zurückgeflogen waren, hieß es, man könne doch bleiben – ohne Wohnheim, ohne Arbeit und auf eigenes Risiko.
Frau Ha und viele andere nahmen die Herausforderung an. Man organisierte sich selbst, gründete den Deutsch-Vietnamesischen Freundschaftsverein Magdeburg e.V., um als starke Gruppe die eigenen Interessen – auch gegenüber den Behörden – zu vertreten. Frau Ha wollte weitermachen mit dem, was sie sich bereits aufgebaut hatte. 1978 war sie zum ersten Mal in die DDR gekommen – nach Leipzig – um Germanistik zu studieren. Nach dem Ende des Studiums, ging sie 1984 wieder nach Vietnam und kehrte 1987 schließlich in die DDR zurück um, gemeinsam mit ihren Landsleuten, die Kriegsschulden ihres Heimatlandes abzuarbeiten.
Frau Ha ist geblieben und ihre Geschichte ist ein Stück deutsche Geschichte. „Wir, die Migranten, haben auch einen Beitrag dazu geleistet, ein Teil dieses Landes zu sein“, sagt sie.

Lesen Sie auf Welt-in-Hannover.de auch den Bericht aus anderen Erzählcafés, sowie den Bericht über die Abschlussdiskussion der Veranstaltung.





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Das Thema Abschied und Abschiebung beschäftigt Medien, Politik und Gesellschaft. Meist geht es darum, wer Anrecht auf Asyl haben und wer wieder in seine Heimat abgeschoben werden soll. Aber was bedeutet diese Diskussion eigentlich für die Menschen? Die Geflüchteten? Die ehrenamtlichen Unterstützer? Im ersten Teil dieses Abends geht es um Protestformen gegen Abschiebeurteile. Welche verschiedenen Formen gibt es, Widerstand zu leisten und wie erfolgreich sind sie? Dr. Helen Schwenken trägt vor.
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