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Zeichnung zur Fettnäpfchen-Kolumne Die chinesische Visitenkarte

Die Fettnäpfchen-Kolumne

Die chinesische Visitenkarte

Oder: Was passiert, wenn beide in ihrem Vorbereitungs-Training (zu) gut aufgepasst haben …

  Helga Barbara Gundlach | 21.12.2018

Günther empfing für seinen Arbeitgeber eine chinesische Delegation. Er war mit internationalen Gästen durchaus vertraut. Doch für zukünftige häufiger geplante chinesische Kontakte hatte er extra an einem „Interkulturellen Training für China“ teilgenommen.

Und so begrüßte er seinen Gast mit Verbeugung und überreichte mit beiden Händen ehrfurchtsvoll seine Visitenkarte. Sein Gast hingegen stand verdutzt mit ausgestrecktem Arm zum Händegruß vor ihm.

Was war passiert?

Beide wollten alles richtig machen. Günther hatte sich über typisch chinesische Begrüßungsformen und Verhaltensweisen informiert und das Gelernte ohne weiteres Überlegen angewandt. Ebenso sein Gesprächspartner (oder dieser war durch vorherige Kontakte in Deutschland schon gewohnt, was hierzulande üblich ist). Beide haben offenbar nicht in Betracht gezogen, dass der jeweils Andere sich ebenfalls informiert und sein Verhalten auf den Anderen abgestellt haben könnte.

Was hätte anders laufen können?

Zunächst sollte es positiv bewertet werden, wenn das Gegenüber sich über die Sitten und Gebräuche des Anderen informiert. Es kann auch für Erheiterung sorgen und die erste Anspannung einer Kennen-Lern-Situation überbrücken.

Doch grundsätzlich sollten Informationen über die andere Kultur nicht automatisch in jeder Situation 1 : 1 umgesetzt werden. Günther hätte sich genauer über den Gesprächspartner informieren können: z.B. war dieser bereits in Deutschland? Wenn das der Fall ist, kann es sogar kontraproduktiv sein, diesen „chinesisch“ zu begrüßen, so als würde man dessen Erfahrung mit und bemühtes Zugehen auf die deutsche Kultur nicht anerkennen.

Auch sollte überlegt werden, wo man/frau sich befindet. Die Situation spielt in Deutschland. Es gibt Geschäftspartner, die ihre Verhaltensweisen – insbesondere wenn weitere Personen anwesend sind – immer nach dem jeweiligen Standort/der Mehrheitskultur ausrichten.

Und natürlich kann man/frau sich auch erst nach der einen, dann nach der anderen Kultur begrüßen.

Günther arbeitet in der Betreuung ausländischer Geschäftspartner.

Was bedeutet eigentlich "Fettnäpfchen"?

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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