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Conti-Fabriken: Visionen zertrümmert

Die Arbeiter der Papenburg AG kamen im Morgengrauen. Seit Dienstag, 18. Dezember 2018, frisst sich ein großer Bagger in das erste der noch erhaltenen ehemaligen Conti-Gebäude.

  Wolfgang Becker | 21.12.2018

Abriss Contigelände
"Heute stirbt das Gebäude 10 auf dem Conti-Gelände"
Abriss Contigelände
"Heute stirbt das Gebäude 10 auf dem Conti-Gelände"

Gleich morgens um 10 ist auch die 2014 gegründete Bürgerinitiative Wasserstadt vor Ort. Ein halbes Dutzend Aktivist*innen halten ein Transparent hoch. Schnell ist die Polizei zur Stelle. Personalien werden aufgenommen und ein Platzverweis erteilt. Schließlich handelt es sich um eine nicht angemeldete Versammlung.

„Heute stirbt das im Jahr 1897/98 errichtete Gebäude 10, das zwei Weltkriege überlebt hat und in dem bei der Continental AG die Weichgummipresse stand. Wir sind tief traurig, setzen uns aber um so mehr für die anderen Gebäude ein, die Denkmalschutz genießen,“ schreibt die Bürgerinitiative später auf ihrer Internetseite: „Herr Papenburg, bitte geben Sie diese Gebäude ab an Menschen, die sie erhalten können!“

Doch der Bauinvestor Günter Papenburg hat sich bisher wenig von den Wünschen der Bürgerinitiative beeindrucken lassen. Zwar hat er der Landeshauptstadt den Kauf der Fabrikgebäude für den symbolischen Preis von einem Euro angeboten. Aber die über 1.200 Unterzeichner*innen einer Online-Petition zum Erhalt, die innerhalb von zwei Wochen zusammenkamen, scheinen ihn nicht zu erreichen.

Die Stadt hat sich zu Papenburgs Übernahmeangebot bisher nicht geäußert, aber den Abbruch des Gebäudes Nr. 10 genehmigt. Der historische, trotz seines Alters nicht denkmalgeschützte Baukörper ragt wie ein Finger auf das zukünftige Baugelände der Wasserstadt Limmer. Er zeigt auf den Conti-Turm, der im vergangenen Jahr für eine runde Million Euro Steuergelder saniert worden ist.

Spannend ist jetzt die Zukunft der übrigen Fabriken am Kanal, die durchweg unter Denkmalschutz stehen. Ihr Standort liegt im dritten Bauabschnitt der Wasserstadt, die einmal rund 4.000 Menschen beherbergen soll. 1999 ist die Continental AG ausgezogen, seitdem hat der Zahn der Zeit an der Substanz genagt. Mutwillig sind Fenster herausgerissen und Dächer großflächig abgedeckt worden. Mangelnde Sicherung und Vandalismus taten das übrige.

Vielleicht findet sich noch ein Investor für eine Weiternutzung dieser riesigen und stadtbildprägenden Gebäude. Vielfältige Nutzungen sind hier denkbar. Die jahrelang beschworene Belastung mit Umweltgiften scheint sich buchstäblich in Luft aufgelöst zu haben: Letzte Gutachten ergaben, dass an den Fassaden die gefährlichen Nitrosamine aus der Gummiproduktion 'unterhalb der Nachweisgrenze' lagen. Lohnt sich der Einsatz des angebotenen Kaufpreises von ein Euro? Die Bürgerinitiative hat Herrn Papenburg schon ein entsprechendes Übernahmeangebot gemacht – der Investor hat zunächst abgewunken.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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