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Eröffnungsrede Ausstellung

Vernissage

„Wir sind nicht allein!“

Die Vernissage „gegen das Vergessen“ von fünf Künstler*innen aus dem Iran als Symbol der Solidarität mit den Angehörigen der Ermordeten

  Claudia Ermel | 17.12.2018

Foto oben (von Dimitrij Czepurnyi): Sorur Sahebi liest ihr Gedicht zur Ausstellung vor.

20 Jahre ist es nun her, dass der Journalist Majid Sharif im Rahmen einer großen politischen Säuberungsaktion im Iran ermordet wurde. „Dabei hatten ihm alle Möglichkeiten offen gestanden,“ erzählt seine Frau auf der Vernissage „Gegen das Vergessen“ bei kargah e.V. Ihr Mann hatte in den USA und Frankreich studiert, war zusammen mit ihr nach Schweden ausgewandert. Doch drei Jahre vor seinem mysteriösen Tod war Majid in den Iran zurückgekehrt, um sich dort gemeinsam mit politisch engagierten Freunden für die Demokratie einzusetzen.

Pass verwehrt
Als die Ehefrau von seinem Tod erfuhr, wollte sie sofort nach Teheran reisen, auch um eine gerichtliche Untersuchung einzuleiten. Die Einreise wurde ihr verweigert, ein Jahr lang wurde ihr der Pass vorenthalten. Ermittlungen zum Todesfall verweigerte die iranische Regierung. Ihr damals 13jähriger Sohn wird über das Ende seines Vaters zeitlebens Unklarheit behalten, wenn nicht politisch aktive Gruppierungen eines Tages doch noch eine lückenlose Aufklärung der Geschehnisse vor nunmehr 20 Jahren erreichen. Die Erinnerungskultur aber soll für die Angehörigen der Opfer, und als ein Symbol für Demokratie und Menschenrechte weltweit bewahrt werden. Ein Beispiel dafür ist diese Ausstellung.

Gespräch mit Angehöriger
"Wir sind nicht allein!" Mahshid Sharif im Gespräch. (Foto: Martin Tönnies)
Gespräch mit Angehöriger
"Wir sind nicht allein!" Mahshid Sharif im Gespräch. (Foto: Martin Tönnies)

Heute bei der Veranstaltung „Gegen das Vergessen“ erlebt Mahshid, dass sie nicht allein ist. Das ist ein schönes Gefühl, erzählt sie im Gespräch über ihre Erinnerungen. Ihr Lebensmittelpunkt ist längst in Schweden. Doch nur zu gern ist Mahshid der Einladung der Organisator*innen gefolgt. Als Ehefrau eines der ermordeten Journalisten gehört auch sie zu dem Kreis der direkt Betroffenen. Fünf Künstler*innen aus dem Iran präsentieren in der Ausstellung, die bis Ende Januar zu sehen ist, ihre Werke. Ausgewählte Bilder von Parastou Forouhar, Abu al-Qasim Shamsi, Nazanin Pouyandeh, Maryam Hosseinzadeh und Behrouz Naghipour sind in den Räumlichkeiten von kargah e.V. bis Ende Januar zu besichtigen. Zu der Vernissage sind einige der Künstler*innen persönlich erschienen, aber auch Angehörige der im Iran ermordeten Kulturschaffenden, Journalist*innen und Aktivist*innen waren der Einladung gefolgt..

„Heimat hat keine Grenzen“Nazanin Pouyandeh, die bereits zahlreiche Auszeichnungen und Preise für ihre Werke erhalten hat, erzählt, dass sie vor allen Dingen aus Solidarität angereist ist. Denn auch ihr Vater Mohammad Jafar Pouyandeh wurde im Iran ermordet, als sie gerade 17 Jahr alt war. Ein Jahr später ging ihre Familie mit ihr nach Paris, wo Nazanin ein Kunststudium absolvierte. Nach dem Tod des Vaters hatten sie alle im Iran nur noch in Angst gelebt.

Künstler*innen bei der Ausstellung
von links: Monika Singh, Abolghasem Shamsi, Sorur Sahebi, Parastou Forouhar, Nazanin Pouyandeh
Künstler*innen bei der Ausstellung
von links: Monika Singh, Abolghasem Shamsi, Sorur Sahebi, Parastou Forouhar, Nazanin Pouyandeh

In Paris traf Nazanin (im Bild rechts) auch auf andere Iraner*innen, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten und die ebenfalls das Leben in Frankreich vorzogen. Mit einigen von ihnen ist sie noch heute befreundet. In ihre Heimat Iran zieht die Künstlerin allerdings nichts mehr zurück. Nur ein einziges Mal war sie seither in Teheran. „Heimat hat keine Grenzen, es ist dort, wo ich künstlerisch etwas erschaffen kann,“ erzählt Nazanin. während ihre Mutter Sima Pouyandeh übersetzt. Die Familie Pouyandeh und kargah e.V. haben diese Ausstellung gemeinsam mit dem Forum der iranischen Demokrati*innen und Sozialist*innen organisiert. Im Rahmen der Veranstaltungen für die Menschenrechte soll hiermit das Andenken an die politischen Opfer im Iran vor 20 Jahren sowie vor 30 Jahren gewürdigt werden.

Die Ausstellungbroschüre mit Informationen zu den Künstler*innen liegt im Café von kargah e.V. aus oder kann hier als pdf heruntergeladen werden.

Zitat aus der Broschüre zur Ausstellung:

„Die kritische Literatur und Kunst sind Elemente, die gegenüber der Unterdrückung und der Herrschaft funktionieren, weil auf ihrer Basis eine teilweise Befreiung erreicht werden kann. Mit anderen Worten: sie haben eine Vorstellung von der feindseligen und bösen Natur der Welt.“

Ein Gedicht zu der Ausstellung von Sorur Sahebi:

Sie leben weiter
Auch wenn ihre Körper
erkaltet unter der Erde liegen
sie leben fort
weil ihr Proteste zu Gedichten
Ihr Kummer zu Farben
und ihre Gedanken zu Schriften geworden sind.

Zum Video über die Vernissage
Zum Video über die Vernissage

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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