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Lebkuchenhaus

Lebkuchen goes global

  Nina Iacovozzi | 18.12.2018

Lebkuchen goes global

Pfefferkuchen kommt aus dem Märchenwald meiner Kindheit. Die Fundamente des Knusperhäuschens waren dort fest verwurzelt, mit Händen und Füßen wehrte ich mich dagegen, das Naschwerk in die reale Welt – in meinem Fall nach Aachen und Nürnberg – zu verfrachten.

Lebkuchen entpuppt sich bereits in der Antike als süßester aller Weltenbummler und kommt völlig ohne Weihnachten aus. Lange vor Christus verwendeten die alten Ägypter Honigkuchen als Grabbeigabe, um potentielle Dämonen in Schach zu halten: er galt als Produkt der Götter und eignete sich somit gut als Schutzschild. Auch andere Völker der Antike schätzten Honig als Mittel gegen negative Energien – inklusive Erkältungen und Depressionen. Im alten Rom war das Honigbrot als „Panis mellitus“ bekannt und auch bei den Griechen erfreute sich das klebrige Süß großer Beliebtheit.

Warum ist Pfefferkuchen so international geworden?

Bereits die Römer hatten eine ausgeprägte Vorliebe für exotische Gewürze. Mit dem Untergang ihres Reiches endet zunächst auch die Offenheit für römische Gaumenfreuden. Im Mittelalter jedoch blühte der Gewürzhandel erneut auf: der Duft von Zimt und Koriander, Nelken und Muskat, Anis bereiste die Handelsroute aus dem Orient nach Europa – dem Lebkuchenteig ging das Herz auf.

Das Spannende daran: die meisten Städte, in denen sich die Pfefferkuchenkultur entwickelte, liegen mehr oder weniger direkt an den mittelalterlichen Gewürzrouten quer durch Europa. Nürnberg und Siena liegen auf der Nord-Süd-Achse, Aachen und Tula bei Moskau auf der Ost-West-Route. In Tula bei Moskau haben sich die „Prajniki“ zu einem regelrechten Kunsthandwerk entwickelt und wer einmal das „Pan Pepato“ (wörtlich „gepfeffertes Brot“) aus Siena probiert hat, wird die köstliche Erinnerung schwer wieder los. Auch die Städte Dinant in Belgien und die polnische Stadt Thorun haben sich zu geschmackvollen Knuspermetropolen gemausert.

Doch Lebkuchen war seit jeher nicht einfach nur lecker und seine Zutaten verfügbar (wenn auch selten und teuer), er galt auch offiziell als gesund – ausgerechnet das Medizinhistorische Museum in Ingolstadt verrät mehr: „Lange bevor es Zuckerbäcker und Lebzelter („Lebkuchenbäcker“) gab, stellten Apotheker Gewürzkonfekt und kleine Küchlein “Tortelli“ her, in die jene köstlichen Stoffe eingearbeitet waren. Sie diente nicht allein als Naschwerk, sondern gleichzeitig auch als Arzneimittel gegen Magenbeschwerden und Verdauungsstörungen. Die Apotheken kontrollierten die Qualität und lieferten die Ware an Fürstenhofe und gutverdienende Gourmets.“ Kräuter dienten der Prophylaxe von Krankheiten – Nahrung und Medizin gingen dabei nahtlos ineinander über. Und vielleicht ist der medizinische Effekt ein weiterer Grund für die starke Verbreitung des Pfefferkuchens.

Lebkuchen und Religion

Bis Ende des 13. Jahrhunderts übernahmen die Klöster die Produktion, ihre Spuren sind übrigens heute noch in der Oblatenversion des Naschwerks zu sehen. Allerdings war die Süßigkeit kein Teil der Hostie, die Oblaten dienten den Mönchen schlichtweg als Backpapier. Natürlich hatte die Herstellung von Pfefferkuchen auch christliche Gründe. Die lange Haltbarkeit ermöglicht das Naschen in schlechten Zeiten und Verteilung unter den Armen. Für die Gläubigen galt der Lebkuchen nicht allein als Spende, sondern diente während der Adventszeit auch der „inneren Reinigung“.

Auch dem Lebkuchen selbst ist nicht ganz klar, ob er nun Brot oder Kuchen sein will. Wahrscheinlich stammt das Wort Lebkuchen von „libum", dem lateinischen Wort für Fladen oder vom germanischen Begriff „Laib“ = Brot ab. Lebkuchen – ein köstlicher Grenzgänger zwischen Orient und Okzident – und zwischen lecker und gesund. Das Pfefferkuchenhaus aus dem Märchenwald hat sich in einen schmackhaften Weltenbummler verwandelt. Noch nie war Reisen so zuckersüß.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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