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Rhein

Betrachtung

An den Ufern des Rheins

  Galeb Noeel Al Najjar | 15.10.2018

Die Trauer überfällt mich. Der Raum malt mich auf den Straßen des Unfugs. Viele Fragen suchen nach Antworten. Streiten mit meinem Gewissen jede Nacht. Erwarteter Schnee, Winde und Regen überrumpeln den Rand meiner Phantasie. Sie kippen mein mit Erde gefülltes Tagebuch und den mit der Wüste meiner Traurigkeit ausgetauschten Atem um.

Ich drehe mich wie eine Windmühle, trinke die Dämmerung und ziehe meinen Schatten als Schuhe an.
Ich werde von dem Wind gepeitscht im Schatten der Regenperlen.
Einsam umarme ich den Schmerz und male die Prophezeiung des Abschieds.
Ich flirte mit meiner Einsamkeit und betrinke mich im Wein des Winters.
Habe Sehnsucht zu Weinen, zu Jammern. Habe Sehnsucht zu Jammern auf der Nacktheit meines Schmerzes und Abwartens und Verlassens.
Ich versuche Goethes Gedichte zu lesen. Aber mein Herzschlag kann nur mit den Gedichten von al-Mutanabbi liebkosen.
Ich leihe mir das Visum der Sehnsucht, damit ich meine zerstreuten Teile wieder zusammensammle.

Ich versuche zu sammeln was ich kann, an Farben und Schattierungen und auch was übriggeblieben ist von den Strahlen meiner Jahre. Damit ich die Lilien gewinne, um sie zu umarmen und die Flut der Flammen der Vogelschwärme.
Das köstliche deutsche Brot macht mich nicht satt, wie das Brot meiner Mutter.
Hier im Herzen Europas schmelzen die Tage und die Jahreszeiten und verdampfen die Feiertage und sogar der Nektar. Sie sind untergetaucht in Liebe und den Kerzen der schönen Frauen, die von den Feuern der Freiheit angezündet sind.
Der Liberalismus hier ist beladen mit dem Blut der Heiligen und den Liebhabern der Globalisierung.

Liberalismus beherrscht die Burgen und die Mauern der Schönheit und beschattet den Mund des Paradieses des Herzens.
Hier Sinfonien und Sandstrände, marschieren in die Kirchen und Klöster.
Hier hat Gott seinen Säkularismus deklariert in Gebeten und Stuben ohne Schmetterlinge.
Hier die Perversitäten der Psychosen. Sie beglücken sich mit der Asche auf dem Feuer der Lust und küssen die Kosmetika, die Heiligkeit des Weines der Existenz. Des Weines mit der Bettwäsche mit dem Duft von Gardenien, der vermient ist mit der Verrücktheit der Wichte und den Begierden der Verführer.
Hier fallen die Götter und die Katastrophen, sie wachen auf aus der Fata Morgana der Träume.
Die Städte werden voll mit Flüchtlingen, Barfüsslern, Nackten und Anonymen.
Alle hier trinken Äther aus Gläsern hinter dem Zusammenbruch der Erinnerungen, um den Geschmack des Lebens zu kosten, um zu bummeln und zu stolzieren an den Ufern des Rheins.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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