Welt-in-Hannover.de Welt-in-Hannover.de Welt-in-Hannover.de Welt-in-Hannover.de
Migrationskonferenz4

MigrantInnen im Neuen Rathaus

Sich Gehör verschaffen

Am 19. Oktober tagt die dritte Migrationskonferenz. Alle BürgerInnen sind dazu eingeladen, sich dort mit drängenden Fragen zum Thema Migration zu befassen. Rund 150 BesucherInnen werden erwartet.

  Konrad Boidol | 03.10.2018

Hannovers MigrantInnen richten erneut ihre Forderungen und Wünsche an Politik und Stadtverwaltung: Am 19. Oktober tagt zum dritten Mal die Migrationskonferenz. Im Mosaiksaal im Neuen Rathaus werden ab 13.30 Uhr ausschließlich Themen behandelt, die die große Zahl an Zugewanderten und Geflüchteten sowie Menschen mit Migrationsgeschichte betreffen. Neben einem Fachvortrag und Kulturprogramm können die BesucherInnen in Workshops gemeinsam an Themen arbeiten. Organisiert wird die Veranstaltung vom MiSO-Netzwerk und der Stadt Hannover. Die VeranstalterInnen rechnen mit etwa 150 Besucherinnen und Besuchern. Die Teilnahme ist kostenfrei und jede und jeder Interessierte ist eingeladen. Eine Anmeldung ist erwünscht, aber auch spontan können BesucherInnen dazukommen.

Die Idee hinter der Konferenz

„Der Grundgedanke war, dass wir eine solche Konferenz brauchen, damit die Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchtete ihre Stimme erheben, Forderungen stellen und miteinander in Austausch treten können“, sagt Peyman Javaher-Haghighi (kargah e. V.), der von Beginn an an der Organisation beteiligt war. Die Kernidee wurde im Rahmen des „Runden Tisches gegen Rassismus – für Gleichberechtigung“ geboren. Aus dem MiSO-Netzwerk ging dann eine Planungsgruppe (AG Partizipation) hervor. Sie konzipiert die Veranstaltung alljährlich zusammen mit den KooperationspartnerInnen. Transparenz ist dabei sehr wichtig: Kontinuierlich wird über den Planungsstand informiert und Wünsche werden umgesetzt.

Forderungen an die Politik

Im Zentrum jeder Konferenz stehen Forderungen auf kommunal- und bundespolitischer Ebene, die für Migrantinnen und Migranten wichtig sind. Im vergangenen Jahr hat das MiSO-Netzwerk dazu einen Katalog in sieben Sprachen verfasst. Darin fanden sich beispielsweise Postulate nach einem Runden Tisch für die Förderung der Bildungsbeteiligung von Menschen mit Migrationsgeschichte oder dem kommunalen Wahlrecht für Nicht-EU-BürgerInnen. Dieses Jahr gab es im Vorfeld der Konferenz eine große Unterschriftenaktion, bei der sich die UnterzeichnerInnen hinter acht Forderungen des Netzwerks stellten. Die Übergabe der Unterschriftenlisten an Sozial- und Sportdezernentin Konstanze Beckedorf ist ein Bestandteil der Migrationskonferenz.

Migrationskonferenz5
Auch auf der diesjährigen Konferenz wird es wieder kulturelle Beiträge geben.
Migrationskonferenz5
Auch auf der diesjährigen Konferenz wird es wieder kulturelle Beiträge geben.

Vortrag, Workshops, Musik und Tanz

Wie auf den vergangenen Veranstaltungen, wird es auch in diesem Jahr zwei thematische Blöcke geben: Der erste ist ein Fachvortrag mit Diskussion. Referieren wird der Journalist, Migrationsforscher und Buchautor Mark Terkessidis. Sein Thema lautet: „Deutschland nach der Migration – Integrationsfeindliche Gedanken für eine Gesellschaft im Wandel.“ Der Wissenschaftler hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, welche neuen Wege Stadtverwaltungen einschlagen können, um der „Vielheit“ – im Sinne von kultureller Pluralität – ihrer Bevölkerung zu begegnen.

Ab 16.55 Uhr sollen aktuelle Themen in sechs Workshops bearbeitet werden. Das Besondere in diesem Jahr: Neben verschiedenen MigrantInnen-Organisationen werden auch die Stadt Hannover sowie der Bundesverband Netzwerke Migrantenorganisationen (NeMO) eigene Arbeitsgruppen ausrichten (Beschreibung der Workshops siehe unten). Ab etwa 18.40 Uhr stellen die TeilnehmerInnen ihre Ergebnisse vor. Abgerundet wird die Veranstaltung durch ein kulturelles Rahmenprogramm mit Saz-Musik sowie Auftritten einer indischen Tanzgruppe. Am Ende der Veranstaltung gibt es zudem einen Ausklang mit Speisen und Getränken, bei dem sich die TeilnehmerInnen austauschen und Kontakte knüpfen können.

Deutschlandweites Interesse

Die alljährliche Veranstaltung in Hannover hat mittlerweile auch über die Stadtgrenzen hinaus Eindruck gemacht: Innerhalb des NeMO-Vorstands wurde die Migrationskonferenz sehr begrüßt. Sie ist eines der Beispiele von Best Practice, die am 19. Oktober in der NeMO-Bundeskonferenz in Potsdam präsentiert werden. Somit hat sie auch für viele weitere Städte einen Vorbildcharakter.

migrationskonferenz3.jpg migrationskonferenz3.jpg migrationskonferenz3.jpg

Die Workshops: Mitdenken, diskutieren, Lösungen finden

Die Besucher der Migrationskonferenz im Neuen Rathaus können einen von sechs parallel stattfindenden Workshops wählen. Dies sind die Themen und Veranstalter der Arbeitsgruppen:

Interkulturelle Öffnung

  • Die Initiative für internationalen Kulturaustausch (IIK e. V.) hat das Thema „Interkulturelle Öffnung – Begegnung mit Geflüchteten“ vorbereitet. Im Zentrum des Workshops steht die Grundannahme, dass Kennenlernen und Austausch die besten Mittel gegen Vorurteile und Diskriminierung sind. Diskutiert wird, auf welche Weise Organisationen wie die öffentliche Verwaltung, die sozialen Dienste, der Gesundheitssektor, die Schulen oder die Medien auf kulturelle Vielfalt angemessen reagieren können. Außerdem sollen die Chancen und Grenzen einer solchen interkulturellen Öffnung von Politik und Gesellschaft besprochen werden.

Rassismus und Rechtspopulismus

  • Der zweite Workshop trägt den Titel „Rassismus und Rechtspopulismus – Herausforderungen für das Zusammenleben in Hannover“. Er wird vom Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen (BV NeMo) ausgerichtet. Dabei geht es um das verschlechterte gesellschaftliche Klima für Menschen mit Migrationsgeschichte und die Zunahme von rassistischen Positionen in der Politik – unter anderem durch den Einzug der AfD in verschiedene Landtage und den Bundestag. Auch in Hannover haben diskriminierende und rassistische Vorfälle zugenommen. Demnach steht die Frage im Fokus, wie AkteurInnen der Stadtgesellschaft dieser Entwicklung entgegenwirken können.

Haus der Kosmopoliten

  • Das „Haus der Kosmopoliten – ein interkulturelles Haus für Hannover“ steht im Zentrum des dritten Workshops. Der Plan: Einen Ort zu schaffen, an dem sichtbar wird, wie viele kosmopolitische Menschen in Hannover leben, und an dem interkulturelle Begegnungen stattfinden können. Bereits 2008 wurde diese Idee im Lokalen Integrationsplan formuliert. Jetzt erhält sie durch Hannovers Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt und der Arbeit an einem Kulturentwicklungsplan neuen Schwung. Demnach können im Rahmen dieses Workshops, ausgerichtet vom Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover, Ideen zur Umsetzung des Konzepts entwickelt werden.

Niedersächsisches Teilhabegesetz

  • Um „Ein Teilhabegesetz für Niedersachsen“ geht es im Workshop des „Vietnam-Zentrums Hannover“. Integration brauche „Verbindlichkeit und klare Regeln“ für alle am Prozess Beteiligten. Mit Blick auf die zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft sei die Zustimmung einer breiten Mehrheit der Bevölkerung für die Werte der Grundrechte wichtiger denn je. Dazu sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen durch die Politik und die Verwaltung im Bund, in den Ländern und in den Kommunen geschaffen werden. In Nordrhein-Westfalen und in Berlin gibt es solche Gesetze bereits, und demnach eine „verbindliche Basis für Integration“.
Migrationskonferenz6
Einen von sechs spannenden Workshops können die BesucherInnen wählen.
Migrationskonferenz6
Einen von sechs spannenden Workshops können die BesucherInnen wählen.

Lokaler Integrationsplan

  • Der Workshop von Kargah e. V. behandelt das Thema „Lokaler Integrationsplan LIP – Rück- und Ausblick“. Der Plan wurde bereits 2008 veröffentlicht. Jetzt, zehn Jahre später, soll er anhand der stattgefundenen gesellschaftlichen Veränderungen betrachtet werden: Der Ankunft zahlreicher Geflüchteter, dem Aufstieg des Rechtspopulismus sowie dem Erstarken der Initiativen von MigrantInnen und Geflüchteten und ihrer Selbstorganisationen. Demnach wird es darum gehen, ob der LIP noch zeitgemäß ist, was er künftig noch enthalten sollte und wie er zu einem stadtgesellschaftlichen Projekt werden kann.

Das Prinzip "Mehrfachidentitäten"

  • „Mehrfachidentitäten – Wer bin ich? Das bin ich. Ich bin viele!“ ist der Titel des sechsten Workshops. Darin geht es um das Prinzip der Mehrfachidentitäten, das sich auch in der Zivilgesellschaft der Landeshauptstadt Hannover widerspiegelt. Besonders Menschen mit Migrationsgeschichte fühlen sich oft „zwischen den Stühlen" – aufgrund ihrer Herkunftsidentität und ihrer Identität in Deutschland. Der Workshop soll ein Bewusstsein für das Prinzip schaffen und den Austausch darüber fördern. Er wird vom Bundesverband Netzwerke Migrantenorganisationen (NeMO) ausgerichtet.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover