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Müll neben einer Mülltonne

Interview

Was hat Umweltbewusstsein mit Integration zu tun?

Bergbautechniker Mohsen Ataey erklärt, warum Umweltthemen auch im Sprachunterricht oder in Integrationskursen vorkommen sollten.

  Claudia Ermel | 21.09.2018

Mohsen Ataey stammt aus Mashhad, einer Stadt im Nordosten des Iran. Er lebt seit 1979 in Deutschland, ist als gelernter Bergbautechniker nach Deutschland gekommen und hat das Bergbaustudium an der TU Clausthal (Schwerpunkt Tiefbohrtechnik Erdöl und Erdgasgewinnung) abgeschlossen und eine Zusatzqualifikation als Fachkraft für Arbeitssicherheit, Qualitäts- und Umweltmanagement-Systeme am Umweltzentrum Hamburg absolviert. Als Bergbauingenieur und Referent für Umweltschutz ist Mohsen Ataey heute als als Dolmetscher tätig und möchte seine Tätigkeit auch als Coach und Berater intensivieren.

Mohsen, in deiner Tätigkeit als Dolmetscher und Berater gehört das Thema Umwelt erst einmal nicht in dein direktes Repertoire. Wie kam es dazu, dass du dich immer mehr dafür interessiert hast?

Gerade bei meinen Gesprächen in Flüchtlingsheimen oder mit anderen Migrant*innen habe ich festgestellt, wie hoch der Nachholbedarf an wichtigen Umweltthemen ist.

Wie bist du darauf gekommen, dass diese Menschen für Umwelt sensibilisiert werden sollten? Immerhin sind sie ja nicht die Verursacher des derzeitigen Dilemmas.

Ich sehe das im großen Zusammenhang. Integration ist doch ein Prozess, der auch bedeutet, sich immer besser zu integrieren. Und ich sehe, wie die deutsche Bevölkerung mit diesem Thema umgeht. Schon im Kindergarten wird vermittelt, das Müll nicht in der Gegend herumgeschmissen wird. Ein Mensch, der in Deutschland aufwächst, wird heute so erzogen: Abfall kommt nicht auf die Straße sondern in den Eimer. Schon in den ersten Klassen lernen die Kinder, was Recycling bedeutet. Ich finde es wichtig, dass dies alles auch den Migrant*innen beigebracht wird, die ja meistens noch nicht wissen, wie das hier alles funktioniert.

Mohsen Ataey2
Mohsen Ataey
Mohsen Ataey2
Mohsen Ataey

Du meinst also, dass Umweltschutz auch dazu gehört, wenn es um Integration geht?

Es ist doch egal, woher ich komme. Die drei Komponenten: Wasser, Luft, Erde sind für uns alle ein wichtiges Thema, Umwelt betrifft alle Menschen. Wenn ich zum Beispiel das Grundwasser misshandle, schade ich mir ja am Ende selbst. Oder was mir immer wieder auffällt, ist, dass die Leute Plastiktüten auf die Straße schmeißen. Oder der Sperrmüll – Elektrogeräte sind oft wertvolle Ressourcen. Das Bewusstsein für Recycling sollte den Leuten besser vermittelt werden. AHA macht da sehr viel im Bereich Recycling.

Und Du meinst, dass Migrant*innen, die noch nicht so lange hier sind, da einen Nachholbedarf haben?

Ich würde sogar vorschlagen, dass man die Migrant*innen auch einen kleinen Umwelttest ablegen lässt. Umweltthemen könnte man doch zum Beispiel auch mit Sprachunterricht zusammenbringen: „Umweltlernen“, sozusagen. Ich meine , die Themen" Umwelt, Energie und Gesundheit" sind Sachgebiete, die alle Staatsbürger angehen, und das kann auch als Brücke zwischen Migrant*innen und Einheimlichen eine positive Rolle spielen.

Du hast erzählt, dass ich ja mein eigenes Wasser vergifte, wenn ich zum Beispiel eine Batterie einfach ins Klo schmeiße. Was genau meinst du damit?

Ich habe mir mal eine Kläranlage angesehen. Gerade Gifte wie Kadmium aus Batterien müssen sehr aufwändig aus dem Wasser herausgefiltert werden. Wenn ich so etwas einmal gezeigt bekomme, gehe ich vielleicht sorgsamer auch mit Wasserverschmutzung um.

Mülltrennung ist in Europa ein großes Thema, du plädierst sogar für Müllvermeidung.

Ja, auch Bürokratie ist durch den riesigen unnötigen Papierverbrauch eine große Umweltbelastung. Ganz egal, ob Recyclingpapier verwendet wird. Dafür braucht man ja auch Energie und Wasser.

Besonders störend findest du aber die Verwendung von Plastikgeschirr auf Veranstaltungen.

Ja, mit der Einführung des Pfandsystems auch für Plastikflaschen ist ja schon ein wichtiger Schritt zum Umweltschutz getan worden, aber nun muss dieses ganze Wegwerfgeschirr wieder weniger werden. Zumindest bei kleineren privaten Zusammenkünften könnte ja jeder seine eigene Tasse mitbringen.

Du hast erzählt, dass du unterdessen in einer Umweltgruppe bist. Wie heißt die? Und was macht ihr dort?

Ich bin Mitglied einer Arbeitsgruppe Technischer Umweltschutz mit Interessensschwerpunkten, die dem BUND e.V. entsprechen. Wir nennen uns BUND Task Force – und stehen in engem Kontakt zum BUND. Wir sind drei bis vier Leute, die sich einmal im Monat treffen, um über Umweltprobleme in Hannover und Region zu reden. Vom BUND besorgen wir uns die aktuellen Infos, was gerade Thema ist. Wasser, Luft, Bergbau.

Was macht ihr da genau? Ist das nur eine Gesprächsgruppe?

Ja, nur eine Gesprächsgruppe, wir diskutieren aktuelle Umweltbelange, zum Beispiel Fracking im Erdölfeld Hannover Kronsberg/Pattensen, ob dieser Prozess das Grundwasser gefährdet, oder allgemein qualitative Beobachtungen der Klärschlamm-Behandlung nach der Abwasserreinigung in Niedersachsen.

Was macht ihr, um eure Erkenntnisse weiter zu tragen?

Wir geben unsere Erkenntnisse dann an den BUND weiter. Ob sie unsere Informationen dann auf ihrer Seite veröffentlichen, weiß ich nicht.

Redet ihr auch über so etwas wie das Thema Plastikgeschirr in eurer Gruppe?

Nein, dort reden wir mehr über aktuelle Maßnahmen in der Industrie, zum Beispiel über die Wiederverwertung von Klärschlamm. Aus Klärschlamm kann man ja wieder Energie gewinnen. Zu so einem Klärwerk könnte doch zum Beispiel auch einmal eine Exkursion mit Migrant*innen gemacht werden. Das Bewusstsein dafür zu schulen, wie schwer die Wiederaufbereitung ist, sollte viel mehr verfolgt werden.

Aber eigentlich meinst du, dass das Umweltbewusstsein aller Menschen verbessert werden sollte?

Das Thema Umwelt ist ja global und betrifft jeden. Umwelt ist eine sehr große Verantwortung. Immer wieder kommen wir auf diese drei Faktoren: Wasser, Erde, Luft. Wenn Abfall verbrannt wird, ist das ja wieder eine Verschmutzung der Luft.

Du bist der Meinung, dass sich jeder dafür interessieren sollte, wieso?

Weil es jeden selbst und gleichzeitig alle betrifft. Makro und Mikro. Wir müssen in unserem direkten Umfeld und im großen Globalen auf die Umwelt achten. Zum guten Leben gehören Wasser, Erde, Luft.

Außerdem siehst du auch noch Umwelt in einem größeren Kontext. Erkläre das doch bitte genauer.

Ich bin überzeugt, dass andere Menschen unabhängig von Hautfarbe, Rasse, Geschlecht, Religion und Herkunftsland ebenso wie andere Lebewesen, Bäume und Pflanzen, auch dieser Erde angehören. Und ein umweltbewusster Mensch misshandelt den anderen nicht. Das heißt, hier gibt es eine Relation, Kombination oder Beziehung zwischen Umweltbewusstsein, Frieden und Humanität.

Ein sehr schönes Schlusswort.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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