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Afrika Ausstellung Badenstedt

Afrikaner in Niedersachsen

Den Blick schärfen, Vorurteile entkräften

Die Wanderausstellung „Schwarz. Weiß. Deutsch. Afrikaner in Niedersachsen - eine Spurensuche“ ist derzeit in der Stadtbibliothek Badenstedt zu sehen. Begleitend gibt es ein spannendes Rahmenprogramm.

  Konrad Boidol | 14.09.2018

Wo liegen die Länder Lesotho, Liberia oder Gabun? Auf einem großflächigen Puzzle konnten die BesucherInnen der Stadt- und Schulbibliothek Badenstedt ihre geographischen Kenntnisse über den Kontinent Afrika testen – keine ganz einfache Aufgabe. Zuvor hatten sie gemeinsam zwei Filme zu den Themen Integration und Rassismus in Deutschland gesehen und darüber diskutiert. Die Aktion war Teil des Rahmenprogramms zur Ausstellung „Schwarz. Weiß. Deutsch. Afrikaner in Niedersachsen – eine Spurensuche“. Ausgerichtet wurde beides vom Integrationsbeirat Ahlem-Badenstedt-Davenstedt sowie der Stadtbibliothek Badenstedt, dem Kulturtreff Plantage sowie dem Afrikanischen Dachverband Norddeutschland (ADV Nord e.V.), von dem die Ausstellung ursprünglich stammt. Sie kann noch bis zum 18. September im Stadtteil besichtigt werden.

„Ich habe die Ausstellung im Pavillon am Raschplatz gesehen und war sehr beeindruckt davon – auch weil sie sich auf Niedersachsen bezieht“, sagte Heidi Rhein vom Integrationsbeirat über die Idee zum Projekt. Da sie Abayomi O. Bankole, Präsident des ADV Nord, bereits persönlich kannte, schlug sie die Präsentation im Stadtbezirk vor. Das Rahmenprogramm hat sie zusammen mit den KooperationspartnerInnen organisiert - darunter auch die Beschaffung der Fernsehreportagen, die an diesem Nachmittag gezeigt wurden.

„Die Bilder relativieren“

Bei den Filmen handelte es sich um die ZDF-Dokumentation "Schwarze Haut, deutscher Pass" und die Produktion „Woher kommst du? Alltagsrassismus in Deutschland“ der Landeszentrale für politische Bildung NRW. Der erste Film stellte afrikanische MigrantInnen in Deutschland vor und beleuchtete, wie diese sich in die Gesellschaft integriert haben – beispielsweise durch eine Ausbildung bei der Polizei oder das Pachten eines Schrebergartens. Auch thematisierten die Befragten, welchen Vorurteilen sie begegnen. Film Nummer zwei zeigte junge MigrantInnen aus verschiedenen Herkunftsländern, die über ihre Erfahrungen mit Rassismus und Ausgrenzung berichteten.

„Jeder hat Bilder im Kopf, und die sind manchmal negativ“, sagte Abayomi O. Bankole in der folgenden Diskussion. Solche Bilder über Zugewanderte müssten durch Veranstaltungen wie die Filmvorführung und Ausstellungen wie „Schwarz. Weiß. Deutsch.“ relativiert werden. Auch hob er hervor, dass Deutsche, aber auch die MigrantInnen, häufig ein verzerrtes Bild von Afrika hätten. Deutschsstämmigen Menschen sei es oft nicht bewusst, wie plural Afrika als Kontinent mit über 50 Staaten sei, sie nähmen ihn vielfach als homogenes Land wahr. Jungen afrikanischen Menschen in Deutschland hingegen wäre es oft nicht klar, dass Rassismus ein globales Problem sei, das es auch in ihren ursprünglichen Heimatländern gebe und sich nicht nur gegen Schwarze richte.

Die Ausstellung

Nach der Filmvorführung gingen die BesucherInnen durch die Ausstellung. Vor ihrer Präsentation in Badenstedt stand sie bereits im Freizeitheim Vahrenwald, im Pavillon, in der Faust sowie dem Haus der Jugend. Auch in anderen niedersächsischen Städten wurde sie gezeigt, beispielsweise in Göttingen, Oldenburg oder Celle. Die dargestellten Informationen gliedern sich in zwei Teile: Auf einer Folge von Plakatwänden werden historische Fakten zur Geschichte von AfrikanerInnen in Niedersachsen beleuchtet, eine zweite Serie zeigt zeitgenössische Persönlichkeiten afrikanischer Herkunft im Bundesland.

Die historischen Fakten hat vornehmlich die Fachhochschule für Interkulturelle Theologie Hermannsburg zusammengetragen. Vorgestellt wird beispielsweise der weithin unbekannte Anton Wilhelm Amo (1703 bis 1753) – der der wahrscheinlich erste afrikanischstämmige Philosoph im europäischen Raum. Nach seiner Verschleppung aus dem heutigen Ghana wuchs er am Fürstenhof Lüneburg-Wolfenbüttel auf, studierte Rechtswissenschaften, promovierte und erlernte Französisch, Griechisch, Niederländisch, Hebräisch und Latein. „Er ist leider überhaupt nicht bekannt – Philosophen, mit denen ich gesprochen habe, sagen, dass das eine Schande ist“, berichtete Bankole. Deshalb möchte er das Bewusstsein für den außergewöhnlichen Gelehrten weiter schärfen.

Afrika Ausstellung Badenstedt
Heidi Rhein und Abayomi O. Bankole sprechen über die Ausstellung.
Afrika Ausstellung Badenstedt
Heidi Rhein und Abayomi O. Bankole sprechen über die Ausstellung.

Erfolgreiche Persönlichkeiten

Der zweite Teil, den hauptsächlich die Mitglieder des ADV Nord zusammengestellt haben, widmet sich Persönlichkeiten wie Dr. Blaise Pokos: Der aus der Demokratischen Republik Kongo stammende Akademiker hat sich in seinen Studien unter anderem mit stereotypischen und undifferenzierten Darstellungen Afrikas in Schulbüchern sowie rassismuskritischer Bildung auseinandergesetzt. Derzeit arbeitet er in Celle. Dieser Ausstellungsabschnitt soll den BesucherInnen verdeutlichen, das sich afrikanischstämmige Menschen in Deutschland erfolgreiche Existenzen aufbauen und sich aktiv in die Gesellschaft einbringen.

Abschluss der Reihe

Der letzte Termin im Rahmen der Ausstellung beschäftigt sich mit einem regionalen Thema im Stadtbezirk: Dem Ostafrikaviertel in Badenstedt. Dort gibt es beispielsweise den Togo-, Kamerun- oder Savannenweg. 2013 wurde außerdem die Lettow-Vorbeck-Allee in Namibia Allee umbenannt. Die kritische Aufarbeitung der Vergangenheit des namensstiftenden Deutschen Generals während der Kolonialzeit, des Ersten Weltkriegs sowie der Nazizeit hatten dazu geführt. Wen die Hintergründe dieser Straßenbenennungen interessieren, kann am kommenden Dienstag, 18. September, um 18.30 Uhr in der Stadt- und Schulbibliothek Badenstedt einen Vortrag von Dr. Karljosef Kreter vom Bereich Erinnerungskultur der Landeshauptstadt Hannover zu diesem Thema hören.

Podiumsdikussion

Der ADV Nord veranstaltet darüber hinaus am 26. September eine Podiumsdiskussion zum Thema „Fluchtursachen wirksam und nachhaltig bekämpfen“ im Haus der Jugend in der Südstadt. Teilnehmen werden unter anderem Stephan Siemer, Entwicklungspolitischer Sprecher der CDU, Ottmar von Holz, Mitglied der Grünen im Bundestag, Claudia Schüßler, Entwicklungspolitische Sprecherin der SPD im Niedersächsischen Landtag und Anaclet Ngezahayo, Professor an der Leibniz Universität Hannover (Institut für Biophysik).

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover