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Fear of Accents Zeichnung

Sprachen lernen

Die Angst vor Akzenten

Wie gehen Sie damit um, wenn Ihnen Ihr Akzent im Weg steht? Könnte Ihr Selbstwertgefühl darunter leiden, wie Ihre Sprache wahrgenommen wird?
(Deutsche Übersetzung von Suna Meier-Berndt)

  Kayero Sanda | 11.09.2018

Akzente sind ein großer Teil unseres Erbes und kulturellen Identität. Die Menschen hören heutzutage weltweit mehr ausländische Akzente als zu einer anderen Zeit in der Geschichte der Menschheit, da mehr Menschen migrieren und herumreisen, als jemals zuvor. Doch wenn ein syrischer Flüchtling, ein indischer Austauschschüler oder ein Forschungsbeauftragter von Burkina Faso alle in einem fremden Land ankommen würden, wäre ihr Akzent das Letzte, worüber sie sich sorgen machen würden. Dies jedoch nur für eine kurze Zeit, bis es zu etwas wird, mit dem sie zu kämpfen haben.

Um ehrlich zu sein, obwohl ausländische Akzente nicht mit der gleichen Intensität auftreten, scheinen sie sowohl für Muttersprachler als auch Nicht-Muttersprachler einer bestimmten Sprache ein Problem zu sein. Für die Nicht-Muttersprachler ist es der Schmerz oder die Angst, dass sie verspottet, missverstanden oder diskriminiert werden. Für die Muttersprachler ist es die Angst vor Missverständnissen oder, in manchen Fällen, das Gefühl der Gefahr, durch die bloße Anwesenheit eines ungewohnten Akzents aus ihrer Heimat vertrieben zu werden.

Das Sprechen der Nicht-Muttersprachler ist vielleicht unnötigerweise länger, enthält viele „umm“s und „huh“s und hat falsch positionierte Betonungen und Wortmelodien. Dies führt zu negativen Stereotypen, welche behaupten, dass Nicht-Muttersprachler unintelligent, weniger gebildet oder weniger privilegiert sind. Diese negativen Klischees sind ironischerweise nicht allen Fremdsprachlern vorbehalten. Ein amerikanischer Akzent in der deutschen Sprache wird nicht auf dieselbe Art bewertet, wie jemand aus Sri-Lanka, während jemand mit einem französischen Akzent meist sogar als gut gebildet angesehen wird. Doch wenn Sie aus dem mittleren Osten, dem indischen Subkontinent oder Afrika kommen, können Ihnen Stereotypen dieser Art aufgezwungen werden. Sie könnten genauso gut mit der Gemeinschaft des kiezdeutschen Dialekts zusammengetan werden, die aufgrund dieser Klischees als junge, ungebildete Kriminelle betrachtet werden, die bereits im Gefängnis waren oder auf dem besten Weg sind, früher oder später verurteilt zu werden.

Wir gehen oft davon aus, dass Nicht-Muttersprachler weniger kompetent sind und vertrauen eher auf unser eigenes Verständnis und unsere Erwartungen über das, was sie sagen, als darauf zu hören, was sie wirklich sagen. Dies ist auch sehr schwierig für die gutmütigen Muttersprachler, die wirklich nur verstehen wollen, was Sie sagen. Manchmal handelt es sich nicht um Voreingenommenheit oder Vorurteile. Sie sind genau so hilflos wie Sie selbst.

Als ich zum ersten Mal nach Deutschland kam, wollte ich die Sprache so sehr lernen, dass meine Begeisterung mir dabei half, wirklich schnell zu lernen. Obwohl ich auf muttersprachlicher Ebene alles andere als kompetent war, war ich stolz auf das, was ich erreichte. Immer, wenn ich dafür schlecht gemacht wurde, dass ich viele Fehler mache oder einen schlimmen Akzent, erinnerte ich mich daran, dass ich seit weniger als einem Jahr in diesem Land war und vier Sprachen spreche. Wenn Sie nicht mindestens vier Sprachen sprechen, sprechen Sie bitte nicht mit mir. Es ist auch interessant zu bemerken, dass viele, die einen dafür verurteilen, dass man einen Akzent hat, selbst keine andere Sprache sprechen und auch ihre eigenen Sprache nicht einwandfrei beherrschen.

Sprache ist dynamisch und die neue Realität, mit der wir konfrontiert werden, ist, dass sich unsere Sprachen verändern. Ob wir es akzeptieren oder nicht, wir leihen uns jeden Tag von anderen Kulturen und die Einflüsse zeigen sich darin, wie wir sprechen. Die englische Sprache wird als germanische Sprache bezeichnet und doch haben viele der Wörter einen lateinischen Ursprung. Alkohol ist arabisch, Kosmos ist griechisch, Banane ist wolof und auch für das japanische Sushi haben wir noch keine Alternative gefunden.

Wenn Sie also wie ich sind, dann lassen Sie sich nicht aus Angst vor Ihrem Akzent vom Sprechen abhalten. Es bedeutet nur, dass Sie einen langen Weg hinter sich haben, dass Sie wirklich hart gearbeitet haben, eine neue Sprache zu lernen, dass Sie klug und aufgeschlossen sind. Es bedeutet, dass Sie eine Sprache mehr als Otto Normalverbraucher sprechen. Alles was wir brauchen, ist weiter zu sprechen; das ist der einzig wahre Weg, um jede Sprache zu perfektionieren und zu meistern.

Über den Autor

Kayero ist ein 29 Jahre alter Nigerianer, der seit 2014 in Hannover lebt. Er schreibt gerne kreativ, vor allem Gedichte. Er arbeitete als Herausgeber und Kolumnist für ein Magazin und schrieb Drehbücher für Fernsehproduktionen.

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