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Flashmob

Initiative "Seebrücke Hannover" zieht Aufmerksamkeit

Fast 100 Menschen protestierten am 6. September am Kröpcke.

  Jürgen Castendyk | 10.09.2018

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Fotos 1 - 4: Martin Tönnies
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Fotos 1 - 4: Martin Tönnies

Elementare Menschenrechte außer Kraft gesetzt - die Menschen sterben vor unseren Augen im Mittelmeer.

Fast täglich starten Flüchtlingsboote von der libyschen Küste in Richtung Europa. Durch die Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung auf dem Mittelmeer dürfen Rettungsschiffe von Hilfsorganisationen den Flüchtlingen nicht mehr ihre Hilfe anbieten. Das Sterben von Menschen wird von europäischen Rechtspopulisten billigend in Kauf genommen. Begründung: Die Retter kooperieren mit den Schleppern, um informiert zu werden, wann und wo die Flüchtlingsboote sich auf den Weg machen. Die von den zivilen Hilfsschiffen garantierte Rettung aus Seenot sei ein Anreiz, sicher nach Europa zu gelangen. Das ist eine unfassbar zynische Argumentation der rechtsradikalen Eliten, auch in Deutschland. Dagegen zu protestieren ist nicht nur die selbstgestellte Aufgabe der Aktivist*innen von Seebrücke. Notwendig ist auch das Engagement aller Demokrat*innen, um sich gegen die Erosion der Menschenrechte bei der Flüchtlingspolitik zu wehren, einschließlich der Migrantenvereine.

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Über 100.000 Menschen sind durch Aufrufe von Seebrücke zu Protesten auf die Straße gegangen
Die Bewegung „Seebrücke - schafft sichere Häfen“ wurde im Juni dieses Jahres in Berlin von Menschen gegründet, die ehren- und hauptamtlich in der Geflüchtetenhilfe arbeiten. Anlass war die erzwungene Irrfahrt des zivilen Rettungsschiffes „Lifeline“. Mit 234 aus Seenot geretteten Menschen an Bord durfte das Schiff keinen europäischen Hafen am Mittelmeer anlaufen. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits mehrere Länder und Städte angeboten, die Menschen von der Lifeline aufzunehmen. Doch statt die Solidarität innerhalb der Bevölkerung zu unterstützen, nutzten rechte Politiker*innen die Not der Menschen aus, um ihre Wahlkämpfe zu befeuern.

Die Situation der Flüchtlinge auf dem Mittelmeer verschlechtert sich ständig
Die meisten zivilen Rettungsschiffe dürfen die Häfen von Malta und Italien nicht verlassen. Selbst ein Schiff der italienischen Küstenwache mit geretteten Flüchtlingen durfte keinen Hafen in Italien anlaufen. Obgleich dies nach internationalen Protesten erlaubt wurde, konnten die Geflüchteten tagelang nicht an Land gehen, auch ihre Kinder nicht. Mit der generellen Weigerung, gerettete Bootflüchtlinge aufzunehmen, steht Italien leider nicht alleine da. Ein Rechtsruck in vielen Ländern der EU verhindert eine gemeinsame, humane Flüchtlingspolitik. Dazu gehören auch die Suche und Rettung von Flüchtlingen in Seenot und ihr Zugang an Land. Aufgrund des internationalen Seerechts ist die Rettung von Schiffbrüchigen sogar für Handelsschiffe vorgeschrieben.

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„Sei auch du Teil der Bewegung!“
Auch den zweiten Flashmob hatte die Initiative Seebrücke Hannover organisiert. Die Initiative ist eine kleine Gruppe von engagierten Freund*innen und deren Bekannten. Scheinbar ganz plötzlich standen fast 100 Menschen um 18:00 Uhr hinter einem orangenen Bannner. Auch mehrere Mitglieder der Redaktion von Welt-in-Hannover.de solidarisierten sich mit der Aktion. Kleine Plakate wurden hochgehalten mit Slogans wie „Seenotrettung kann niemals ein Verbrechen sein“ oder „Seebrücke statt Rechtsruck“. Die Zahl der Demonstrant*innen hatte sich gegenüber dem ersten Flashmob am 30. Juli am Pferdebrunnen auf der Lister Meile fast verdoppelt. (Siehe Bericht in Welt-in-Hannover.de vom 09.08.) Es gab noch weitere erfreuliche Veränderungen. Diesmal war die Presse sichtbar vertreten. Der NDR, Radio Leinehertz und die etablierten Zeitungen machten Fotos, nahmen Videos auf und führten Interviews. Das Flugblatt, das am Rande verteilt wurde, hatte nun auch eine konkrete Forderung. „Berlin, Bonn, Düsseldorf und Köln haben bereits angeboten, in Not geratene Flüchtlinge aufzunehmen. Hannover kann das auch!“

Hannover ein sicherer Hafen!
Diese Forderung ist in der Kommunalpolitik bereits angekommen. Unter der Hand zirkulierte bei den Aktivist*innen ein geplantes Schreiben der Gruppe „Linke & Piraten“ im Rat der Landeshauptstadt Hannover. Das Schreiben richtet sich an die Regionsversammlung, den Rat der Landeshauptstadt und an die Räte und Bürgermeister*innen aller Kommunen in der Region Hannover. Überschrift: „Region Hannover soll sicherer Hafen der Zuflucht werden.“ Das würde bedeuten: die Region Hannover schließt sich Berlin und den Rheinstädten an und nimmt zusätzlich im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge auf. Freiwillig, versteht sich. Es gibt noch eine weitere positive Entwicklung am 6. September. Einschließlich Hannover fanden in 19 anderen Städten und Kommunen in Deutschland Proteste und Veranstaltungen von Seebrücke statt. Und zwei im Ausland: in Interlaken (Schweiz) und in Lissabon.

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Es werden mehr mit jedem Flashmob. Fast 100 Menschen am Kröpke.
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Es werden mehr mit jedem Flashmob. Fast 100 Menschen am Kröpke.

Blick nach vorn
Es zeigt sich: Die Bewegung Seebrücke in Hannover nimmt Fahrt auf. Da wäre es eine Überlegung wert, ob der dritte und vierte Flashmob nicht vor dem Neuen Rathaus und dem Haus der Region stattfinden sollten. Das wäre eine deutliche Unterstützung für die parlamentarischen Initiativen. Welt-in-Hannover.de wäre wieder dabei und würde berichten. - Versprochen.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover